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Neue Ergebnisse zur Schlaganfalltherapie
Weltgrößte Schlaganfallstudie mit Blutgerinnsel auflösendem Medikament zeigt Nutzen für PatientInnen
23.05.2012
PatientInnen, die das Blutgerinnsel auflösende Medikament rt-PA innerhalb von sechs Stunden nach einem Schlaganfall erhalten, haben eine höhere Chance, weniger neurologische Folgeschäden zu erleiden, als ohne diese Behandlung. Dies zeigt die internationale Studie IST-3 (International Stroke Trial 3) der Universität Edinburgh, die heute im Fachmagazin „The Lancet“ veröffentlicht und zeitgleich bei der „European Stroke Conference“ in Lissabon vorgestellt wird. An der Studie beteiligt ist auch die Donau-Universität Krems.

Die aktuellen Ergebnisse belegen, dass nach der Behandlung mit rt-PA Überlebende eines Schlaganfalls häufiger in der Lage sind, für sich selbst zu sorgen. Auch die Chancen auf eine vollständige Genesung innerhalb von sechs Monaten nach dem Schlaganfall wurden erhöht. Pro 1.000 Behandlungen mit rt-PA innerhalb von drei Stunden nach einem Schlaganfall überleben 80 PatientInnen mehr und können ohne fremde Hilfe weiterleben, als ohne diese Therapie. rt-PA hat aber auch negative Wirkungen, sagen die ForscherInnen. Die PatientInnen besitzen ein höheres Risiko, innerhalb der ersten sieben Tage zu versterben, weil das Medikament eine sekundäre Blutung im Gehirn verursachen kann. Die AutorInnen kommen aber zu dem Schluss, dass trotz der Risiken die Vorteile bei einer Vielzahl von PatientInnen überwiegen. Aufgrund des Gesamtrisikos – ohne Behandlung verstirbt ein Drittel der PatientInnen und ein weiteres Drittel bleibt auf Dauer auf fremde Hilfe angewiesen und behindert – wären viele Personen bereit, das höhere Frührisiko unter Behandlung mit rt-PA in Kauf zu nehmen. Insgesamt unterstreichen die Studienergebnisse die Vorteile der möglichst frühzeitigen Behandlung mit rt-PA und rechtfertigen auch die Behandlung der Altersgruppe 80 Jahre und älter (etwa die Hälfte der untersuchten PatientInnen war über 80 Jahre alt).
 

Mit mehr als 3.000 PatientInnen ist die „International Stroke Trial 3“ die weltweit größte jemals durchgeführte Untersuchung mit dem Medikament rt-PA, das PatientInnen mit akutem ischämischen Schlaganfall intravenös verabreicht wird. Die Studie untersuchte zwischen den Jahren 2000 und 2011 Schlaganfall-PatientInnen aus zwölf Ländern – die Hälfte von ihnen wurde mit rt-PA behandelt, die andere Hälfte nicht. An der Studie nahmen auch österreichische Schlaganfallzentren teil. Das Department für Klinische Neurowissenschaften und Präventionsmedizin der Donau-Universität Krems unter Leitung des renommierten Schlaganfallexperten Univ.-Prof. Dr. Michael Brainin war für die Durchführung der Studie in Österreich verantwortlich. Nationaler Koordinator von IST-3 Österreich ist Dr. Karl Matz, ebenfalls Mitarbeiter des Departments für Klinische Neurowissenschaften und Präventionsmedizin der Donau-Universität Krems.


Ein ischämischer Schlaganfall tritt auf, wenn im Gehirn die Blutversorgung durch ein Gerinnsel (Thrombus) in einem Blutgefäß unterbrochen wird. Die dadurch hervorgerufenen Schäden können dauerhaft oder sogar lebensbedrohlich sein. Das Blutgerinnsel auflösende Medikament rt-PA (auch bekannt als Alteplase) wird häufig zur Behandlung des Herzinfarkts eingesetzt und seit den 1990er Jahren bei ischämischem Schlaganfall getestet. Im Jahr 2002 erhielt rt-PA eine EU-Lizenz für den Einsatz bei PatientInnen unter 80 Jahren innerhalb von drei Stunden nach Auftreten eines ischämischen Schlaganfalls. Seit damals haben Forschungsergebnisse gezeigt, dass PatientInnen unter 80 Jahren von rt-PA profitieren, wenn sie innerhalb von viereinhalb Stunden nach einem Schlaganfall behandelt werden. Die aktuelle Studie versuchte nun zu klären, ob die Behandlung mit rt-PA bis zu sechs Stunden nach einem Schlaganfall bei über 80-Jährigen ebenso wirksam ist wie bei jüngeren Menschen.
 

Department für Klinische Neurowissenschaften und Präventionsmedizin
Details zur Studie
Die Originalarbeit