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Mit einem Wisch ist alles da
Natural User Interfaces eröffnen neue Wege in der Mensch-Maschine-Interaktion
21.04.2017
Eine zunehmende Anzahl von Geräten wird nicht mit Maus oder Tastatur gesteuert: wir tappen, wischen oder sprechen gar mit ihnen. Natural User Interfaces ermöglichen eine intuitive, weil am menschlichen Verhalten orientierte Steuerung. Dieses multisensorische Bedienen von Geräten findet auch zunehmenden Anklang im Bildungsbereich. Im Teil 2. unserer Serie „Trends in der Bildungstechnologie“ erfahren Sie mehr.

Nui 21042017

 

Bedienung durch natürliches Verhalten

Hinter Natural User Interfaces stecken Steuermöglichkeiten, die sich am menschlichen Verhalten orientieren und damit besonders intuitiv sind. Dazu zählen die mittlerweile weit verbreiteten Touchscreens, aber auch die Erkennen von Arm- und Körperbewegungen sowie sprachgesteuerte Systeme. Neuere Technologien erkennen jedoch bereits Augenbewegungen und Mimik und selbst eine direkte Schnittstelle zwischen Gehirn und Maschine ist keine Zukunftsmusik mehr.

 

Ein Markt mit vielen Möglichkeiten

Bereits in den 70er-Jahren des vorigen Jahrhunderts suchte man nach Möglichkeiten zur Mensch-Maschine-Interaktion abseits von Kommandozeilen und grafischen Benutzeroberflächen. Im Jahr 2010 wurden bereits 800 Millionen Euro in die Entwicklung von Natural User Interfaces gesteckt. Die vielfach noch experimentellen Schnittstellen werden dabei vielfach an Universitäten erforscht und weiterentwickelt. Unternehmen wie Apple, Amazon und Google setzen derzeit verstärkt auch sprachgesteuerte Systeme. Studien zeigen, dass bereits 73% der Smartphone-UserInnen die Stimmerkennungsfunktion ihres Mobilgeräts genutzt haben.
Smart Glasses gehen hier bereits einen Schritt weiter: sie können mittlerweile auch Gestik und Mimik der NutzerInnen interpretieren.

 

Neue Ausbildungsmöglichkeiten durch taktile Technologien

Eine ganz neue Entwicklung stellen haptische Sensoren dar, also Geräte, die Berührungen erfassen und entsprechendes Feedback geben können. ForscherInnen der Universität Sussex entwickeln Möglichkeiten, den eigenen Handrücken als Touchscreen zu verwenden und mittels Ultraschall an ein Display zu übermitteln. Geräte, die das Berühren von Objekten simulieren, könnten in Zukunft etwa bei der Ausbildung von MedizinerInnen eingesetzt werden. Tragbare Devices können etwa das Anfassen einen Objekts im virtuellen Raum simulieren, womit eine weitere sensorische Empfindung von der Virtualität erfasst wird.
SchlaganfallpatientInnen könnten davon ebenfalls profitieren – bei ihnen ist das Feedback der Berührung besonders relevant während der Ergotherapie. Es gibt bereits Ansätze, die Gliedmaßen dieser Personen mit einem Exoskelett zu ummanteln, das direkt durch Gehirnströme gesteuert werden kann.

 

Bedienung und Interaktion mit allen Sinnen

Auch Menschen mit Behinderungen profitieren von haptischen Eingabegeräten. Steuerung über Luft- und Flüssigkeitsschläuche oder Displays, die Brailleschrift oder gar Fotos zum Anfassen simulieren, existieren bereits. Diese Technologie kann im Bildungsbereich etwa dazu eingesetzt werden, haptisches Feedback bei Prüfungen zu geben oder auch Gemälde und andere Kunstwerke anzufassen. Selbst Gerüche könnten in Zukunft digital übertragen werden. An der Universität von Tampere werden Gerüche bereits von Sensoren erfasst, in Zahlenreihen digitalisiert und so an einer anderen Stelle wieder ausgegeben.

 

Die Serie: Trend-Technologien im Bildungsbereich

Das Department für Interaktive Medien und Bildungstechnologien wird in den kommenden Wochen jeweils eine Trend-Technologie im Bildungsbereich in den Fokus der Aufmerksamkeit rücken. Grundlage dieser Serie sind die Horizon-Reports des renommierten New Media Consortium (NMC).
Die Horizon Reports stellen die Forschungsergebnisse der NMC-Gemeinschaft dar und listen für den jeweiligen Bereich jedes Jahr sechs für den Bildungsbereich zukunftsträchtige Technologien auf. Jeweils zwei davon sind aktuell in einigen fortgeschrittenen Institutionen schon im Einsatz und haben daher bereits jetzt bzw. im nächsten Jahr große Auswirkungen. Jeweils zwei weitere Technologien werden in 2-3 und 4-5 Jahren im Bildungsbereich an Bedeutung gewinnen.
Künftige Artikel des Departments für Interaktive Medien und Bildungstechnologien werden sich mit Themen wie Natural User Interfaces, Adaptive Learning Technologies und Mobile Learning beschäftigen