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Uni-Vergleich: "Das Regelstudium ist praxisferner"
"Die Presse" - Interview mit Mag. Dr. Christian Schaumann, LLM
04.02.2010
Christian Schaumann leitet Public Affairs beim Mobilfunkbetreiber T-Mobile Austria. In puncto studieren hat er einige Erfahrung.

DiePresse.com: "Warum machen Sie gerade den Executive Master of Business Administration?"

Christian Schaumann: "Da ich in der Telekom-Branche im Bereich Regulierung arbeite, habe ich tagtäglich mit wirtschaftlichen Aspekten zu tun. Eine wirtschaftswissenschaftliche Ausbildung ist da eine gute Ergänzung zu meiner bisherigen Ausbildung. Außerdem hat sich mein Vorgesetzter ebenfalls dazu entschlossen, einen MBA-Lehrgang zu machen und hat mir diese Möglichkeit angeboten. Ich habe also auch die Unterstützung von meinem Arbeitgeber, was wirklich hilfreich ist. Entweder, der Arbeitgeber steht hinter einem, oder man nimmt sich wirklich Zeit, das Studium Vollzeit zu machen. Der Arbeitsaufwand ist dermaßen groß, dass es sozusagen keinen Sinn machen würde, das vor dem Arbeitgeber zu verheimlichen."

"Wie viel kostet Ihr MBA-Lehrgang?"

Schaumann: "29.200 Euro, einen Teil davon finanziert mein Arbeitgeber."

"Sie kennen beides: Ein Vollzeit-Studium und ein berufsbegleitendes. Was sind die eklatantesten Unterschiede?"

"Das Regelstudium ist praxisferner. Als Absolvent ist man dann gefordert, wie man das theoretische Wissen im Berufsleben umsetzt – oft ein Sprung ins kalte Wasser. Wenn mach auf der Uni gut war, muss man nicht unbedingt im Berufsleben gut sein – und umgekehrt. Bei Studien wie dem MBA wird sehr viel mehr Wert darauf gelegt, dass die Studenten ihre Praxiserfahrung einfließen lassen. Dieser intensive Austausch von Praxiserfahrungen zwischen den Studenten ist ein maßgeblicher Erfolgsfaktor. Und man arbeitet viel mit Best-Practice-Modellen: Was hat sich bewährt, was nicht? So kann man das Gelernte zielgerichtet anwenden, und man nimmt ganz einfach mehr mit."

"Wie lässt sich das Studium mit dem Beruf vereinbaren?"

Schaumann: "Das Studium dauert vier Semester, und das aufgeteilt in zehn Module à sieben Wochentage. Während dieser Module ist man vom Arbeitsplatz weg. Man kommt mit dem verfügbaren Urlaub in der Regel aus, oder man konsumiert mit dem Arbeitgeber vereinbarte Fortbildungstage"

 


Mag. Dr. Christian Schaumann, LLM

 

 

Zur Person:
Christian Schaumann ist Leiter der Abteilung Regulierung und Public Affairs beim Mobilfunkbetreiber T-Mobile Austria. Nach einem Jus-Studium, einem postgradualem Universitätslehrgang für Rechtsinformation und Informationsrecht an der Universität Wien und einem Doktoratsstudium studiert der 35-jährige nun berufsbegleitend an der Donau-Universität in Krems.

 

 

Wie groß ist der Arbeitsaufwand zwischen den Modulen?

Schaumann: "Zwischen den Modulen hat man circa sechs Wochen Zeit, um die Hausarbeiten abzuarbeiten und sich gleichzeitig auf die nächsten Module vorzubereiten. Die Hausarbeiten sind einmal mehr, einmal weniger aufwändig. Zuletzt mussten wir ein rund 50-seitiges Strategiefallbeispiel in Kleingruppen erarbeiten. Parallel dazu gibt es oft noch sogenannte Pre-Readings, das heißt Lektüre der theoretischen Einleitungen für die Module und Fallstudien. Beim letzten Modul, Strategic Thinking & Execution Management, haben wir rund zehn internationale Case Studies vorbereitet, die dann während des Moduls sehr intensiv diskutiert wurden."

"Ein Modul fand in Washington statt, eines in Hongkong – warum ist das für Ihr Studium wichtig?"

Schaumann: "Die Auseinandersetzung mit unterschiedlichen Kulturen und Geschäftspraktiken ist in einem globalen Arbeitsumfeld wichtig. China ist ein sehr dynamischer Markt, und es war 2009 interessant zu sehen, wie man dort mit dem teilweisen Einbruch des Exportmarktes umgeht. Wir waren an der Hongkong University of Technology and Science, in Forschungszentren und in Betrieben. Uns ist gezeigt worden, was die Voraussetzungen für den Aufbau einer Geschäftsbeziehung in China sind.

Da gibt es nicht nur wirtschaftliche und rechtliche Besonderheiten, sondern natürlich auch kulturelle: Zum Beispiel spielt speziell bei Vertragsverhandlungen die persönliche Komponente zwischen Geschäftspartnern eine viel stärkere Rolle. Man geht gemeinsam essen, lernt sich besser kennen. Wenn auch auf dieser Ebene die Chemie stimmt, kann das die Verhandlungsführung sehr erleichtern."

"Und was zeichnet den Unterricht in Hongkong aus?"

Schaumann: "Hongkong ist international ausgerichtet, und die Ausbildung dort war am amerikanischen Ausbildungssystem orientiert. Das heißt, die Lehrmethoden sind sehr praxisorientiert, man erarbeitet theoretische Grundlagen anhand von Fallstudien. Außerdem ist der Unterricht sehr interaktiv. Man wird ständig gefordert, sich einzubringen und seine Argumente präzise vorzutragen. Das war immer spannend und sehr herausfordernd."