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Auf die Kompetenz kommt‘s an
Der Alumni-Club lud zur Diskussion über den Paradigmenwechsel in der Weiterbildung
19.04.2012
Reicht traditionelle Wissensvermittlung heute noch aus? In welchem Verhältnis stehen Wissen und Kompetenzen? Wie lassen sich Kompetenzen zum Beispiel im Lebenslauf überhaupt darstellen? Diese Fragen standen im Zentrum der zweiten „Blue Hour“ 2012 am 18. April im Wiener Leopold Museum.
Blue Hour
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Unter dem Titel "Paradigmenwechsel in der Weiterbildung: Von Wissensvermittlung zu Kompetenzentwicklung" diskutierten vor rund 100 BesucherInnen unter der Moderation von Dr. Michael Roither von der Donau-Universität Krems die Diplom-Pädagogin und Professorin Beatrix Konicek, Vizerektorin der Kirchlichen Pädagogischen Hochschule Wien/Krems, Univ.-Prof. Monika Petermandl, Leiterin des Masterlehrgangs „Professional Teaching and Training“ an der Donau-Universität Krems, sowie KommR Gerhard Flenreiss, Geschäftsführender Gesellschafter der MediCare Personaldienstleistungen GmbH. Tenor der Diskussion: Für die Karriere zählen heute Kompetenzen, der Nachweis von Wissen durch möglichst viele Abschlüsse allein genügt nicht.

„Am Ende des Tages zählt Kompetenz, Wissen hat geringe Halbwertszeit“, bringt der Personalberater Gerhard Flenreiss den Trend beim Recruiting auf den Punkt. Das System schulischer und akademischer Bildung sowie der Weiterbildung steht vor einem Paradigmenwechsel. Wissensvermittlung allein reicht nicht mehr aus, um die Anforderungen des modernen Berufslebens, in dem Wissen und Bedingungen sich immer rasanter ändern, zu meistern. Aber wie lassen sich Wissen und Kompetenzen eigentlich unterscheiden? Monika Petermandl von der Donau-Universität bringt ein praktisches Beispiel: Wer sich vorstellen könne, den unerwartet nicht erschienenen Moderator einer Diskussionsrunde spontan zu ersetzen, beweise Kompetenz. Denn er hätte nicht nur das technische Wissen dazu, sondern auch die Fähigkeit, Wissensgebiete in Beziehung zu bringen, weiters soziale Kompetenz und letztlich den Mut und das Selbstvertrauen dazu. Aus diesen Elementen setzt sich Kompetenz zusammen. Mit ihr lässt sich der berufliche Alltag meistern.

Doch ist die Schule in der Lage, das dem Nachwuchs auch beizubringen? Ja, meint Beatrix Konicek von der Kirchlichen Pädagogischen Hochschule Wien/Krems. „Die Schule von heute ist kein Nürnberger Trichter mehr“. Beispiele der Neuen Mittelschule seien hier ermutigend, dort findet der Paradigmenwechsel weg von der reinen Wissensvermittlung statt. Lehrende bieten zunehmend den SchülerInnen die Anreize, selbst ihre Kompetenzen und Fähigkeiten zu entdecken. Auch in der Weiterbildung, wie sie an der Donau-Universität Krems passiert, sieht Monika Petermandl die Kompetenzentwicklung im Vordergrund. Wichtig dazu sei die durch elektronische Lernplattformen wie Moodle erleichterte Austauschmöglichkeit von Studierenden, voneinander zu lernen. Das erworbene Wissen sofort in die berufliche Praxis umsetzen zu können, kennzeichne den Zugang der Donau-Universität zum Thema Weiterbildung. Schon lange erfüllt sieht Flenreiss die Forderungen nach Kompetenzentwicklung durch das duale Ausbildungssystem in Österreich. Damit können Lehrlinge unter Anleitung der Meister ihr erworbenes Wissen in der Praxis testen.

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Wie aber, so der Moderator des Abends, Michael Roither, Leiter des Zentrums für Journalismus und Kommunikationsmanagement der Donau-Universität Krems, lassen sich dann die erarbeiteten Kompetenzen für eine erfolgreiche Jobsuche nützen? Flenreiss sieht hier immer noch den Lebenslauf als Dreh- und Angelpunkt, obwohl dort zumeist nur berufliche Stationen und Abschlüsse gelistet seien. Ideal für Arbeitgeber im Stellenbesetzungsprozess wäre es, wenn BewerberInnen bewältigte Herausforderungen und bearbeitete Materien beschreiben und so eine Fährte zu ihren Kompetenzen legten. Diese unterscheiden sich aber je nach Alter: Bei 20-Jährigen schaue man beim Recruiting auf die Fähigkeit zur Selbstorganisation, bei 50-Jährigen auf die Kompetenz, andere anzuleiten und Wissen weiterzugeben. Warum sich bei allen Vorteilen für Bewerbende und Jobanbietern in Österreich der Blick auf die Kompetenzen immer noch nicht durchgesetzt hat, liege für Flenreiss wohl daran, dass man Wissen leicht, Kompetenzen aber schwierig messen kann.

Ein praktikabler Weg, seine Fähigkeiten darzustellen, seien Kompetenzportfolios als Ergänzung konventioneller Lebensläufe, sind sich die drei DiskutantInnen einig. Auch der Alumni-Club der Donau-Universität Krems arbeite hier gemeinsam mit dem dortigen Department für Weiterbildungsforschung und Bildungsmanagement an Werkzeugen für die Praxis, verriet Judith Bauer vom Alumni-Club. In ihrem Abschluss-Statement brachte sie das Wesen von Kompetenz auf eine einfache Formel: „Nicht umsonst sind sich die Begriffe Neigung und Eignung orthografisch sehr ähnlich. Wofür sich jemand begeistere, dafür ist er zumeist auch geeignet. Das ist der erste und wichtige Schritt zur Kompetenz.“

Informationen zu Programm und DiskutantInnen

Die nächste „Blue Hour“ findet ím Zuge des Alumni-Tages am 15. September 2012 statt.

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