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Faculty Talk: „Wahlkampf ist immer und vor allem ein Themenwettbewerb“
Politologe Peter Filzmaier und Journalist Martin Thür diskutierten Fragen der Personalisierung und Emotionalisierung in Wahlkämpfen
12.04.2018
Im Rahmen eines Faculty Talks zum Thema „Was entscheidet Wahlen? Themen versus Infotainment“ analysierten Univ.-Prof. Dr. Peter Filzmaier und Politikjournalist Martin Thür, MSc, am 9. April 2018 die Wahlen des letzten „Super-Wahlhalbjahres“. Die Faculty Talks werden von der Fakultät für Wirtschaft und Globalisierung der Donau-Universität Krems veranstaltet und richten sich an Vortragende, AbsolventInnen und Studierende ebenso wie an die interessierte Öffentlichkeit.

Ein genereller Trend, dass Wahlen immer starker personalisiert würden, lasse sich aus den vorliegenden Studien nicht ableiten, erklärte der Politikwissenschafter Peter Filzmaier. Zentral sei es, dass das Dreieck aus Thema, Schlüsselbotschaft und Person zusammenpasst; die Rolle der Personen würde jedoch in der Politikwissenschaft oft überschätzt. „Wahlkampf ist immer und vor allem ein Themenwettbewerb”, betonte Peter Filzmaier, der als Forscher am Research Lab „Democracy and Society in Transition“ (deSIT) der Fakultät für Wirtschaft und Globalisierung arbeitet und das internationale und interuniversitäre Netzwerk politische Kommunikation netPOL leitet. Ausnahme seien Wahlen von regionalen AmtsinhaberInnen, beispielsweise in Kärnten oder Tirol, doch sonst sei das Thema zentral.


Metathema Zuwanderung
So sei die Nationalratswahl 2017 durch das Metathema Zuwanderung dominiert worden: Ob es um Sicherheit ging, um Arbeitsmarkt- oder Gesundheitspolitik – man hätte dies immer mit dem Thema der Zuwanderung verknüpft. „Es wird einfach behauptet oder mindestens angedeutet, dass mehr Zuwanderung automatisch auch zu einer höheren Kriminalitätsrate, einer schwieriger werdenden Jobsituation oder längeren Wartezeiten im Krankenhaus führen würde“, so der Politologe. Generell seien die Wahlkampfthemen aber von den Parteien nur bedingt zu steuern – „obwohl das natürlich alle Wahlkampfstrategen versuchen und behaupten“, erklärte Peter Filzmaier.


Wahlkampf ist auch Show
Der Politik-Journalist Martin Thür – derzeit tätig bei der Rechercheplattform Addendum, früher verantwortlich für die Wahlberichterstattung bei ATV und Anchorman von „Klartext“ – übte teilweise auch Selbstkritik: Durch neu entwickelte Formate sei er vermutlich mitverantwortlich für eine stärkere Personalisierung von Wahlauseinandersetzungen in Österreich. Auf der anderen Seite blieben viele Sender einem traditionellen Format verhaftet, in dem die Themen ebenfalls untergehen würden, weil sie nicht mehr eingeschaltet werden. „Ein großer Teil des Wahlkampfes ist eben Show, Entertainment“, strich der Politikjournalist hervor. Die Aufgabe der Medien sei es zwar, diesem Druck nicht zu leicht nachzugeben und jedenfalls Inhalte zu transportieren. Dennoch mache es auch Sinn, Showelemente bewusst einzusetzen: „Die Hauptsache ist es doch, die Menschen beschäftigen sich überhaupt mit Politik“, sagte Martin Thür.


Rolle der Emotionen in der Politik
Unter der Moderation von Gerda Füricht-Fiegl, MSc, der Leiterin des Universitätslehrgangs für Politische Kommunikation am Department für Wissens- und Kommunikationsmanagement, beteiligte sich auch das zahlreich erschienene Publikum an der Diskussion. Kritische Fragen bezogen sich beispielsweise auf die Rolle von Emotionen. Emotionen an sich seien in der Wahlauseinandersetzung keineswegs negativ, stellten beide Vortragende klar: „Die Emotion bringt die Mobilisierung zum Thema”, so Martin Thür. So hätte der Kuschel-Wahlkampf in Niederösterreich eben auch zu einer niedrigen Wahlbeteiligung geführt.

 

Die Kunst jedweder Rhetorik, so Peter Filzmaier mit Bezug auf Aristoteles und Cicero, sei genau das Wechselspiel aus inhaltlichen Elementen und der emotionalen Inszenierung. Wichtig sei es dabei, sich in einem Korridor zu bewegen – zwischen einem Minimum an Information und einem Maximum an Emotion.


Faculty Talk „Klimawandel und Firmenstrategie“
Im Rahmen der Veranstaltungsreihe Faculty Talk werden in Form von Kamingesprächen aktuelle Trends und Umbrüche in Wirtschaft, Gesellschaft und Politik vorgestellt und diskutiert. Die Veranstaltungsreihe richtet sich an Vortragende, Studierende und AbsolventInnen der Donau-Universität Krems ebenso wie an Partnerinstitutionen und die interessierte Öffentlichkeit. Im Juni 2018 wird Ass.-Prof Dr. Sanjay Patnaik vom Department of Strategic Management and Public Policy der George Washington University Business School zum Thema „Klimawandel und Firmenstrategie“ vortragen.

 

Weitere Informationen

www.donau-uni.ac.at/facultytalk

www.donau-uni.ac.at/netpol
 

Rückfragen

Mag. Dr. Heidemarie Weinhäupl

Telefon: +43 (0)2732 893-2051
E-Mail: heidemarie.weinhaeupl@donau-uni.ac.at
Website: http://www.donau-uni.ac.at
Adresse:
Donau-Universität Krems
Dr.-Karl-Dorrek-Straße 30
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