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Glaubensfragen im 21. Jahrhundert
Im Rahmen einer Veranstaltung der Waldviertel Akademie diskutierten der ehemalige Nationalratsabgeordnete Niko Alm, der Altabt Gregor Henckel-Donnersmarck und der Psychotherapeut Franz Schmatz über die Bedeutung der Religion und des Glaubens in der Gegenwart
13.04.2018
„Woran wir glauben! Wie wichtig ist Religion für uns?“ Unter diesem Leitmotiv lud die Waldviertel Akademie am 10. April 2018 zu einer Diskussionsveranstaltung in das Audimax der Donau-Universität Krems. Der Sprecher der Initiative gegen Kirchenprivilegien und der Laizismus-Initiative Mag. Niko Alm, der Altabt des Stiftes Heiligenkreuz Mag. Gregor Henckel-Donnersmarck sowie der Psychotherapeut und Mitbegründer der Hospizbewegung Dr. Franz Schmatz diskutierten dabei intensiv über zentrale Fragen des Glaubens und der Religion in der Gegenwart. Moderiert wurde das Gespräch von Dr. Maria Harmer vom ORF.

In seiner Begrüßung stellte Univ.-Prof. Dipl. Arch. ETH Dr. Christian Hanus, Dekan der Fakultät für Kunst, Bildung und Architektur, fest, dass die Donau-Universität Krems ein interessanter Ort für eine Veranstaltung mit dem Titel „Woran wir glauben!“ ist. Denn gerade an einer Universität, die sich im besonderen Maße der gesellschaftlichen Wirksamkeit und Verantwortung verschrieben hat, spielt die Diskussion um Sinn und Werte eine entscheidende Rolle. Darüber hinaus bedankte sich der Dekan für die hervorragende Kooperation mit der Waldviertel Akademie und verwies auf deren umfangreiche Aktivitäten im niederösterreichischen Bildungs- und Kulturbereich.


Sinnsuche und Glaubensfragen
Im ersten Impulsvortrag verwies Franz Schmatz auf die zunehmende Bedeutung von personalisierten und individualisierten Perspektiven auf die Religion. Gerade vor dem Hintergrund seiner über 40-jährigen Erfahrung in der Sterbe- und Trauerbegleitung ist diese Beobachtung wichtig, da die Suche nach einem Sinn etwas Wesentliches ist, dass das Menschsein ausmacht. Da man – wie es Viktor Frankl ausdrückte – den Sinn nicht verordnen kann, ist der Umstand, dass Menschen ihr Glaubensgebäude aus den verschiedensten Bausteinen errichten, verständlich.
Im Anschluss merkte Altabt Gregor Henckel-Donnersmarck in seinen einführenden Worten an, dass nicht nur die Frage an „Woran“, sondern auch an „Wen“ wir glauben von Bedeutung ist. Man steht im Glauben vor verschiedenen Alternativen, die eine freie Entscheidung benötigen. Das eigentlich Wunder ist, so erinnert der Altabt in Referenz an den Universalgelehrten Leibniz, dass es überhaupt etwas gibt und nicht nichts. Abschließend verwies Henckel-Donnersmarck noch auf die Bedeutung des Glaubens als Werteproduzent, welcher für eine demokratische Gesellschaft von wesentlicher Bedeutung ist.


Laizität und Kirchenprivilegien
Einen diametralen Standpunkt nahm Niko Alm in seinem Kurzvortrag ein. Er unterschied zwischen Glauben im religiösen Sinn und Diesseits bezogenen Überzeugungen, die sich mit wissenschaftlichen Methoden überprüfen lassen. Sein persönliches Engagement – beispielsweise in der Initiative gegen Kirchenprivilegien – zielt auf eine Neuausrichtung des Verhältnisses von Staat und Religion. Seine Forderung nach Laizität beinhaltet die Abschaffung aller kirchlichen Sonderrechte und Privilegien und erklärt die Religion in erster Linie zu einer Privatsache. Im Unterschied zu seinem Vorredner sieht Alm die Religion als Wertevereinnahmer, und nicht als deren Produzent. Alm plädiert daher für verbindende liberale Werte und nicht für trennende religiöse Vorstellungen.
In der anschließenden Publikums- und Podiumsdiskussion wurde das weite Spektrum, der in den Impulsvorträgen aufgeworfenen Themen intensiv und kontrovers diskutiert. Dabei fanden u. a. das Verhältnis von Wissenschaft und Religion, die Verflechtung von Kultur und Religion, die Rolle der christlichen Aufklärung und die Menschenrechte Eingang in eine sehr lebendige Debatte, die den Abschluss einer sehr facettenreichen Veranstaltung bildete.

 

Weitere Informationen: http://www.waldviertelakademie.at/