Austro-italienisches Doppel

Die Zusammenarbeit zwischen der Donau-Universität Krems, der Universität Modena und dem Technopol Mirandola in Italien hat einen hohen Stellenwert, weil sie Forschung und Lehre gut verbinden.

Von Christian Scherl

Die norditalienische Region Emilia-Romagna bietet zwei spannende Gegensätze: moderne Industrie auf der einen Seite, mittelalterliche Stadtkerne und eine beachtliche Dichte an den ältesten Universitäten Europas auf der anderen Seite. Eine davon ist die Universität Modena, genauer gesagt die Università degli Studi di Modena e Reggio Emilia. Sie wurde bereits 1175 gegründet. Im Lauf der Jahre entwickelte sich die Emilia-Romagna zum Zentrum der Medizintechnik in Italien, mit rund 100 Unternehmen, darunter die Global Player Gambro, Covidien, Fresenius, B. Braun sowie die Sorin-Gruppe. Von der Infrastruktur und dem Know-how profitiert auch die Donau-Universität Krems. 2018 schlossen ihr Department für Biomedizinische Forschung und das Department für Life Sciences der Universität Modena einen Kooperationsvertrag.

Vorausgegangen war dem die enge Verbindung, die bereits seit einigen Jahren zwischen den Technopolstandorten in Niederösterreich und Emilia-Romagna über das Interreg-Projekt Inkrease besteht. In diesem Projekt haben sich die Regionen aus sieben Ländern zusammengetan, um sich über Erfolgsmodelle der Technologie und Innovationspolitik auszutauschen. Während die Donau-Universität Krems beim Technopol Krems aktiver Partner ist, kooperiert der Technopol Mirandola, rund 30 Kilometer nördlich von Modena, mit der Universität Modena. Beide Technopol-Standorte haben sich dem Schwerpunkt Gesundheitstechnologie bzw. Biomedizin verschrieben. Speziell durch die fachliche Verbundenheit des Technopols Mirandola und des Departments für Biomedizinische Forschung – beide widmen sich Themen wie etwa extrakorporalen Therapien, Blutreinigung oder Biomaterialien – lag eine Zusammenarbeit bei Forschung und Lehre auf der Hand.

Technopol Mirandola

Der Tecnopolo Mario Veronesi ist ein Forschungslabor, das unmittelbar nach dem Erdbeben vom Mai 2012 von der Region Emilia-Romagna in Zusammenarbeit mit zwei Stiftungen gegründet und von Unternehmen der Comune di Mirandola und anderen unterstützt wurde. Im Rahmen des Fokus auf Biomedizin umfasst der Technopol Mirandola in Zusammenarbeit mit der Universität von Modena und Reggio Emilia vier Hauptforschungslabors, einen Inkubator und einen medizinischen Wissenschafts- und Technologiepark.

Kooperation im Bereich PhD

Die Zusammenarbeit zwischen der Donau-Universität Krems und der Universität Modena findet auf verschiedenen Ebenen statt. „Am Department für Life Sciences an der Universität Modena läuft das PhD-Programm Molecular and Regenerative Medicine, das von seiner Konzeption her vergleichbar ist mit dem PhD-Programm Regenerative Medizin bei uns in Krems“, sagt Viktoria Weber, Vizerektorin für Forschung und Leiterin des Departments für Biomedizinische Forschung. Im Mittelpunkt der beiden Programme stehen neue Verfahren und Therapien der regenerativen Medizin. „Die Kooperation ermöglicht uns, Vortragende auszutauschen und gegenseitig an der Entwicklung der PhD-Studien zu arbeiten, indem wir wechselseitig in wissenschaftlichen Beiräten vertreten sind“, sagt Weber. Über Erasmus besteht die Möglichkeit des Studienaustausches. Erste Austausche sind für heuer geplant. „Studierende können einen Einblick gewinnen, wie der Transfer von Forschungsergebnissen in die klinische Anwendung funktioniert“, sagt Weber. „Vor allem, weil die Labors im Technopol Mirandola alle erforderlichen Analysemethoden für sämtliche Stufen des Zulassungsprozesses von Medizinprodukten abdecken.“

Von Florenz nach Modena

Auch beim MBA-Programm rückt Modena in den Fokus von österreichischen Weiterbildungsstudierenden des MBA-Programms Biotech, Pharma & MedTech Management. In dieser Fachvertiefung dreht sich alles um das Management im Medizintechnik- und Pharmabereich. Das Programm besteht aus drei Modulen: eines in Krems, eines in Frankfurt am Main im Frankfurter Innovationszentrum und eines in Italien, derzeit an der Universität Florenz. Laut Viktoria Weber soll das Modul in Italien künftig nach Modena verlagert werden, um weitere Synergien zu nutzen.

Von der gesamten Kooperation erhofft sich die Vizerektorin einen Austausch an Methodenwissen und mittelfristig die Zusammenarbeit in Forschungsprojekten. Für die Zusammenarbeit gibt es zwar keine direkten Fördergelder – aber zahlreiche Förderprogramme auf europäischer Ebene, um die sich beide Projektpartner gemeinsam bemühen. „Zwei gemeinsam eingereichte EU-Projekte, in denen wir unterschiedliche Aspekte von Blut-Biomaterial-Interaktion bearbeiten, befinden sich gerade in Begutachtung“, so Weber. Kürzlich wurde auch ein Knowledge-Alliance-Projekt zum Thema „Usability von Medizinprodukten“ vorbereitet mit dem Ziel der Entwicklung eines spezifischen universitären Weiterbildungsangebotes in diesem Bereich.

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