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Der "Kampf gegen Schmutz und Schund" in Österreich
Film und Gesellschaft: Populärer Film als Repräsentation der Moderne
02.02.2015
Populäre Medien, offensichtliche Repräsentationen der Moderne, wurden vor allem von bildungsbürgerlichen und katholischen Kreisen seit Ende des 19. Jahrhunderts als „Schmutz und Schund“ stigmatisiert.

In Österreich erreichten die Maßnahmen gegen „Schmutz und Schund“ nach 1945 ihren Höhepunkt. Die zunehmend visuelle Kultur, und hier vor allem der Film, wurde als besondere Gefahr gewertet, die das Volk in den Untergang führt. Der „Kampf gegen Schmutz und Schund“ wurde zur „Res Publica“ erklärt. Indirekte aber auch direkte Versuche der Zensur wurden zur kulturellen Sinn- und Identitätsstiftung benutzt. Über die Ablehnung „minderwertiger“ Medien konnte in der politisch und sozial gespaltenen österreichischen Gesellschaft ein gemeinsames Verständnis über das „Richtige“ und „Falsche“ geschaffen werden. In einer Zeit des Entstehens neuer gesellschaftlicher Konstellationen und Machtverhältnisse stellt die Bekämpfung von „Verunreinigung“ den Versuch dar, die Gesellschaft nach rückwärtsgewandten Vorstellungen von Sexualmoral und Arbeitsethik zu formen.

Edith Blaschitz: Der "Kampf gegen Schmutz und Schund".
Film, Gesellschaft und die Konstruktion nationaler Identität in Österreich (1946-1970)
Münster, Wien, u.a.: LIT 2014