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Dissertation von Elisabeth Nowotny erschienen
Thunau am Kamp – Das frühmittelalterliche Gräberfeld auf der Oberen Holzwiese. Mitteilungen der Prähistorischen Kommission der Österreichischen Akademie der Wissenschaften 87 (Wien 2018).
06.12.2018
Das Gräberfeld auf der Oberen Holzwiese in Thunau am Kamp (Niederösterreich) enthält 215 Bestattungen und ist somit der bei weitem größte archäologisch untersuchte Bestattungsplatz der Karolingerzeit Niederöstereichs nördlich der Donau. Bis dato waren der Öffentlichkeit lediglich einzelne, aufsehenerregende Funde vorgestellt worden. Die nun vorliegende Publikation enthält eine umfassende archäologische Auswertung sowie auch die Untersuchungsergebnisse zu Archäobotanik, Materialanalysen, Metallographie, Textilien und Lederresten.
Foto: Verlag der Akademie der Wissenschaften

Am Schanzberg von Thunau am Kamp bestand im Frühmittelalter ein befestigter Zentralort, ein Herrschaftszentrum, dessen Kern ein so genannter Herrenhof war. Im zugehörigen Gräberfeld enthielten etwas über ein Drittel der Gräber Ausstattung in Form von Trachtbestandteilen und Beigaben (Waffen, Geräte und Speisebeigaben). Im Lauf der Zeit wurde jedoch immer mehr auf Ausstattung verzichtet. Ein durch das Gräberfeld verlaufender Weg teilte wohl den Friedhof in ein Areal sozial höher- und niedriger gestellter Familien. Ein grabfreier Platz könnte als Standort einer Holzkirche gedient haben. Die Elite des Zentralortes, genauer die herrschende Familie und deren Hofgemeinschaft, wurde in einer separaten Gruppe bestattet.
Der Großteil der Bestattungen wurde im 9. Jahrhundert angelegt. In dieser Zeit befand sich Thunau zwischen den beiden Machtsphären des erweiterten Karolingerreichs und des Großmährischen Reiches, die politische Zugehörigkeit des Gebietes ist unklar. Im Gräberfeld scheint sich eine kulturelle und politische Orientierung zeitweilig mehr zur mährischen bzw. mehr zur karolingischen Seite niederzuschlagen.
Dass das Gräberfeld schließlich – in der ersten Hälfte des 10. Jahrhunderts – aufgelassen wurde, hing mit einer Verlagerung der Siedlungstätigkeit zugunsten einer bereits bestehenden Siedlung am Fuße des Schanzberges zusammen. Dies war wohl einer veränderten wirtschaftlichen sowie politischen Situation nach dem Niedergang des großmährischen Reiches geschuldet.
Ein Fokus wurde bei der Anlayse auf die Untersuchung der sozialen Identitäten und Beziehungen der Bestatteten gelegt, vor allem auf den Sozialstatus und altersspezifische Geschlechterrollen. Auch von der Norm abweichende Bestattungen und Gräber mit mehreren Individuen boten die Möglichkeit, Überlegungen zu Motivationen und Geisteshaltungen anzustellen.