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Schreck-Bilder und Rauchzeichen
Vortrag auf der Tagung "Emotional Visuals - Emotionalisierung durch Bilder"
01.07.2005
Auf der Jahrestagung der Fachgruppe Visuelle Kommunikation der DGPuK (Deutsche Gesellschaft für Publizistik- und Kommunikationswissenschaft) in Bremen präsentierte Mag. Jeanna Nikolov-Ramírez Gaviria vom Zentrum für Bildwissenschaften visuelle Mechanismen negativer Emotionalisierung

Abschreckende Bilder - Mechanismen und Wirksamkeit negativer Emotionalisierung am Beispiel der EU-Anti-Rauchkampagne

Bilder werden in der Kommunikation emotionaler Botschaften gerne instrumentalisiert. Da sie keine spezifischen Dekodierungsanforderungen stellen, sind sie leicht zugänglich und werden gerne als Erziehungs-Vehikel herangezogen, sei es in Werbung, Politik, Bildung oder einfach um Weltanschauung und –ordnung zu transportieren.

Bereits zum 6. Mal tagte die Fachgruppe "Visuelle Kommunikation" der DGPuk (Deutsche Gesellschaft für Publizistik- und Kommunikationswissenschaft) von 1.-2. Juli zum Thema Bild. Dieses Jahr fand das Symposium an der International University Bremen unter dem Thema "Emotional Visuals - Emotionalisierung durch Bilder" statt.

Als Rednerin war auch Mag. Jeanna Nikolov-Ramírez Gaviria vom Zentrum für Bildwissenschaften vertreten und befasste sich in ihrem Beitrag "Abschreckende Bilder - Mechanismen und Wirksamkeit negativer Emotionalisierung am Beispiel der EU-Anti-Rauchkampagne" mit dem Einsatz von Bildern als Quelle negativer Emotionalisierung, speziell im öffentlichen Raum und in der Suchtprävention.

Am 22. Oktober 2004 stellte David Byrne, EU-Kommissionsmitglied für Sicherheit und Gesundheitsschutz eine Reihe von 42 Bildern vor, die in Zukunft den 25 Mitgliedsländern für die Implementierung auf Zigarettenpackungen zur Verfügung gestellt werden. "Die Menschen müssen aus ihrer Gleichgültigkeit gegenüber dem Tabak aufgeschreckt werden", sagte Byrne. "Ich entschuldige mich nicht für die Bilder, die wir einsetzen. Das wahre Gesicht des Rauchens sind Krankheit, Tod und Schrecken - nicht Glanz und große weite Welt, wie die Werbung der Tabakindustrie uns weismachen will."

Diese drastischen visuellen Warnhinweise sind Bestandteil einer 72 Mio. Euro teuren Medienkampagne gegen das Rauchen die von der EU ins Leben gerufen wurde. Die Mitgliedsstaaten können entscheiden, ob sie diese visuellen Hinweise einsetzen wollen. In Belgien will die Regierung dies verpflichtend einführen, in Deutschland und Österreich wird dieser Vorschlag unterdes geprüft. In Kanada, wo ähnlich abschreckende Bilder auf Zigarettenschachteln im Umlauf sind, ist die Erfahrung, dass das Bemühen visueller Signale hilfreich zur Reduktion des Rauchens sein kann.

Anhand der spezifischen Bildserie der EU legte Mag. Nikolov-Ramírez Gaviria überzeugend dar, welche Bilder aus welchen Gründen abschreckend eingesetzt werden, welche Probleme und (ethische) Fragen dies aufwerfen und wie das Verhältnis zwischen visualisierten und verbalisierten Schreckensbildern - auch im interkulturellen Vergleich -gedeutet werden kann.

Die Beiträge der Konferenz werden vermutlich 2006 in Buchform erscheinen.

Weiterführende Informationen

Fachgruppe Visuelle Kommunikation der DGPuK
Gruppenbild Bremen
Foto: Jeanna Nikolov ZOOM
Gruppenbild der Tagung