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Trauer um Ao. Univ.-Prof. Dr. Gregor Martin Lechner OSB
25.09.2017

Am 22. September ist der ehemalige Leiter der Abteilung Kulturwissenschaften und Gründer des Zentrums für Bildwissenschaften nach langer Krankheit im Alter von 77 Jahren im Stift Göttweig verstorben. Lechner war seit 1974 Kustos der Göttweiger Sammlungen und von 2001-05 an der Donau-Universität tätig. Mit seinem Namen ist die Gründung des Lehr- und Forschungszentrums für Bildwissenschaften in Göttweig verbunden, das ab 2001 gemeinsam mit umfassenden Mitteln aufgebaut wurde und aus dem 2005 die erste Professur für Bildwissenschaften im deutschen Sprachraum hervorging. Pater Lechners wissenschaftliche Leistungen im Bereich der Christlichen Ikonographie wurden von der Republik Österreich mit dem Ehrenzeichen für Wissenschaft und Kunst und mit dem Großen Ehrenzeichen für Verdienste um das Bundesland Niederösterreich sowie dem Wissenschaftspreis gewürdigt.

 

Hochgeschätzt bei Studenten hat er, sofern es seine Gesundheit erlaubte, noch bis in die jüngste Gegenwart die Studierenden der Bildwissenschaften an seinem reichen Wissen mit Leidenschaft teilhaben lassen. Seiner Emeritierung folgte eine jahrelange fruchtbare Zusammenarbeit mit seinem Nachfolger, Prof. Dr. habil. Dr. h.c. Oliver Grau, MAE, die insbesondere der Entwicklung der digitalen Graphischen Sammlung Göttweig-Online (www.gssg.at) galt. Ausstellungen zum Marienbild, Venezianische Veduten, Heiligenporträts, dem legendären Abt Gottfried Bessel, zur Architekturtheorie oder zum Barocken Thesenblatt, die er Jahre zuvor u.a. in Göttweig analog gezeigt hatte, erstanden in diesem Zeitraum – noch bevor man von Digital Humanities sprach – in virtueller Form, mit umfassenden wissenschaftlichen Angaben neu, wodurch international registrierte Pionierarbeit geleistet wurde.

 

Martin Lechner wurde 1940 in Neumarkt-St. Veit in Bayern geboren. Im Anschluss an das Studium der Philosophie und Theologie (u.a. bei Joseph Ratzinger, dem späteren Benedikt XVI.) studierte er in München an der LMU Kunstgeschichte und Byzantinistik und promovierte 1971. Nach einer Zwischenstation an der ÖAW, die auch mit archäologischer Tätigkeit in Ostanatolien verbunden war, wurde er 1974 Kustos des Graphischen Kabinetts, der Handschriften- und Inkunabelsammlung des Stifts Göttweig, wo er 1975 zum Priester geweiht wurde und zugleich eine seelsorgerische Tätigkeit entfaltete.

 

Seine zahllosen Veröffentlichungen zur Christlichen Ikonographie und Ikonologie machten ihn seit 1979 über viele Jahre zum renommierten Lektor an verschiedenen Instituten für Kunstgeschichte in ganz Österreich (Wien, Graz, Innsbruck), die Universität Salzburg trug ihm eine Gastprofessor an. 1994 erfolgte an der Univ. Innsbruck die Habilitation. Die außerordentliche Universitätsprofessur hatte er seit 2000 inne. Zugleich war er über Jahre Chefredakteur der Zeitschrift für christliche Kunst und Kunstwissenschaften "das münster" in Regensburg. Weit über das Fach hinaus werden seine Artikel im „Lexikon der Christlichen Ikonographie“, dem „Marienlexikon“ und dem „Lexikon für Theologie und Kirche“ geschätzt, in denen er Übersicht mit höchster Präzision zu verbinden wusste. Unter seiner bibliophilen Kennerschaft entstand die wohl beste Fachbibliothek der Ikonographie im deutschen Sprachraum - zugleich ein wesentlicher Bestanteil des Zentrums für Bildwissenschaften. Pater Gregor Martin Lechner war ein wahrer „Repräsentant benediktinischer Kultur und blieb bis ins hohe Alter Ur-Bayer mit großem Humor.

 

(Nachruf von Univ.-Prof. Dr. habil. Dr. h.c. Oliver Grau, MAE)
 

Graphische Sammlung Online
Department für Bildwissenschaften