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15. Sicherheitskonferenz: Kriminalitätsfurcht durch Sicherheitspartnerschaften und Sozialpolitik bekämpfen
24.10.2017
Die Ursachen der wachsenden Kriminalitätsfurcht in Österreich und Maßnahmen zur Steigerung des subjektiven Sicherheitsgefühls standen im Zentrum der Sicherheitskonferenz an der Donau-Universität Krems. Dabei wurden die bisherigen Ergebnisse der vom Bundesministerium für Inneres gestarteten Initiative „GEMEINSAM.SICHER in Österreich“ diskutiert. Die Generaldirektorin für die öffentliche Sicherheit im Innenministerium, MR Mag. Dr. Michaela Kardeis, eröffnete mit ihrem Vortrag „GEMEINSAM.SICHER mit Frauen“ die Konferenz.

Zwar ist Österreich im Bereich Sicherheit auf einem guten Weg, führte Michaela Kardeis aus. So sei die Zahl der Anzeigen rund um die sexuelle Integrität über die letzten fünf Jahre leicht zurückgegangen – mit Ausnahme der sexuellen Belästigung nach einer Verschärfung im Zuge der Strafrechtsreform 2015. Gleichzeitig zeigt die IFES-Studie „Sicherheitsmonitoring 2016“, die im Auftrag des BMVIT durchgeführt wurde, dass das Unsicherheitsgefühl der ÖsterreicherInnen sprunghaft angestiegen ist. „Das subjektive Sicherheitsempfinden scheint sich von der objektiven Sicherheit zu entkoppeln“, betonte die Generaldirektorin für die öffentliche Sicherheit.


Gegenmaßnahmen wurden dabei im Rahmen der Initiative „GEMEINSAM.SICHER“ ergriffen. Einerseits setze man auf Empowerment von Frauen, die über Selbstverteidigungskurse einfache Abwehrtechniken erlernen und so ihr Selbstvertrauen und ihre Selbstbehauptungsfähigkeit stärken. Gute Ergebnisse habe man auch mit einer Video-Kampagne auf Facebook erzielt.
Zentral sei für die Bekämpfung von Unsicherheitsgefühlen jedoch auch die aktive BürgerInnen-Beteiligung, erklärte die Generaldirektorin für die öffentliche Sicherheit im Innenministerium, beispielsweise durch Sicherheitsforen in Gemeinden oder durch das beim gemeinsamen Erarbeiten von Verbesserungsvorschlägen für unsichere öffentliche Räume. Wesentlich sei es, rechtzeitig mit der Vernetzung der Partner zu beginnen, „damit man sie hat, wenn man sie braucht“, so Michalea Kardeis.

Auf die Bedeutung dieser Vernetzung sowie die Zunahme der Kooperationen mit öffentlichen und privaten Institutionen wies auch Dr. Hans-Peter Stückler, der Leiter der Kriminalprävention und Opferhilfe am Bundeskriminalamt, hin. Durch die intensive Zusammenarbeit werde eine gemeinsame Identität und Verantwortungsbewusstsein geschaffen, die nachhaltig zu einem Rückgang von Unsicherheitsgefühlen beitragen können, so Hans-Peter Stückler.

Sozialpolitik als Mittel gegen Kriminalitätsfurcht
Auf die Ursachen der verstärkten Unsicherheit gingen Univ.-Prof. Dr. Christian Grafl von der Universität Wien sowie Assoc.-Prof. Dr. Helmut Hirtenlehner (Johannes Kepler Universität Linz) ein. Sie erklärten, dass sich die Kriminalitätsfurcht derzeit unter anderem als Furcht vor Ausländer- oder Flüchtlingskriminalität manifestiert und dabei auch die breite Mitte der Gesellschaft erfasse. Den Nährboden für diese Ängste bilden jedoch, so die Wissenschafter, allgemeine soziale und existenzielle Ängste in Bezug auf gesellschaftliche Transformationen. Christian Grafl und Helmut Hirtenlehner zufolge verdichten sich die empirischen Hinweise, dass „Sozialpolitik die beste Kriminalitätsfurchtpolitik ist“, immer mehr. Wichtig sei es auch, sogenannte „incivilities“ oder „disorders“ – wie beispielsweise Vandalismus im Wohngebiet – rasch zu beseitigen, da diese sonst die Unsicherheitsgefühle verstärken.

Richtig reagieren bei einem Cyberangriff
Neben der Bekämpfung von Unsicherheitsgefühlen wurden im Rahmen der 15. Sicherheitskonferenz auch konkrete Bedrohungsszenarien, beispielsweise durch die zunehmende Digitalisierung, und diesbezügliche Strategien diskutiert. So führte die Wirtschaftskammer Österreich (WKÖ), wie Dr. Gerhard Laga von der Stabsabteilung Strategie der WKÖ in seinem Vortrag darstellte, zielgruppenspezifische Präventionsangebote für UnternehmensgründerInnen und JungunternehmerInnen in Form von Cyber-Planspielen sowie Roadshows für Unternehmen in ganz Österreich durch. Die gewonnen Ergebnisse und Erfahrungen werden in einer Publikation „Richtig reagieren bei einem Cyber-Angriff – Erfahrungen aus den Cyber Planspielen für KMU“ zusammengefasst.

Die 15. Sicherheitskonferenz Krems wurde vom Zentrum für Infrastrukturelle Sicherheit unter der Leitung von Ass.-Prof. Mag. Dr. Walter Seböck ausgerichtet. Das Bundesministerium für Inneres, das Kuratorium Sicheres Österreich, die Vereinigung Kriminaldienst Österreich, der Verband der Sicherheitsunternehmen Österreichs, Siemens, die RUCON Gruppe sowie Securitas sind offizielle Partner der Konferenz.