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"Was meist fehlt, ist das Strategiewissen"
08.08.2013
Gerhard E. Ortner über den Umgang mit digitalen Techniken und Medien

Ist die digitale Technik in den Unternehmen angekommen?
Unternehmen steht heute eine Vielzahl von mächtigen IT-Instrumenten zur Unterstützung ihrer
Managementaufgaben zur Verfügung. Deshalb ist es unverzichtbar, dass nicht nur die IT-Spezialisten,
sondern auch alle anderen Führungskräfte wissen, welche Funktionen Technik erfüllen kann und
wie sie das „macht“, also wie IT funktioniert. Als Führungskraft muss ich wissen, was ein softwareunterstütztes
Risikomanagementsystem überhaupt leisten kann und wo seine Grenzen sind.


Was bedeutet die technologische Entwicklung für die universitäre Lehre?
Unser Anspruch ist, für Veränderungen, die durch die Technologieentwicklungen hervorgerufen
werden, Erklärungen anzubieten – es geht uns nicht darum, kurzfristig die Praxis zu verändern. Gesamtheitliche
Systemführung und vernetztes Denken stehen im Vordergrund. Das klingt vielleicht trivial,
ist aber wesentlich: Die Technik vernetzt sich nicht von selbst, es sind die Menschen, die sie und
sich vernetzen. Daher ist nicht nur die Mensch-Maschine-Kommunikation, sondern auch die Mensch-
Mensch-Kommunikation ein wesentlicher AApekt unserer Lehrangebote. Wir sehen immer wieder,
dass sich Führungskräfte intensiv damit beschäftigen, komplexe und neue Software zu verstehen, aber
die Kommunikation auf der Strecke bleibt.


Kommunizieren die „Digital Natives“ anders, die nun in das Management nachrücken?

Die technische Verfügbarkeit von Kommunikationsnetzen ist den Gewohnheiten und Erwartungen
der Menschen vorausgeeilt. Die Menschen verändern sich nicht im gleichen Tempo wie die technologischen
Errungenschaften. Die Digital Natives kennen zwar die Werkzeuge und wissen sie für sich
zu nutzen, was ihnen aber zunächst meist fehlt, ist das „Strategiewissen“. Der Kern der digitalen
Revolution ist sicherlich der offene Zugang zur Information. Doch wie man diese Informationen situativ
nutzen und strategisch einsetzen kann, muss gelernt werden. Die beste Medienerziehung ist noch
immer gute, umfassende Bildung.


Die digitalen Medien brechen also nur begrenzt Strukturen auf?

Die unglaubliche Menge von Informationen, die wir uns mittels der IT verfügbar machen können,
muss auch verarbeitet werden. Die Veränderung der Kommunikationsprozesse braucht Aufklärung,
nichts ist mehr geheim. Wir müssen uns fragen, wie wir auf der zwischenmenschlichen Ebene damit
umgehen. „Open Innovation“ zum Beispiel bringt viele Vorteile, aber ich muss auch wissen, dass die
„Offenheit“ nicht immer funktioniert, das heißt, von allen Beteiligten und Betroffenen akzeptiert
wird. Innovationen, von denen alle in gleicher Weise profitieren, gibt es bedauerlicherweise nicht.


Was zeichnet die Masterprogramme für „Management und IT“ aus?
Wir entwickeln unsere Curricula ständig weiter. Zentral ist das Gleichgewicht zwischen Wissen
und Verhalten, das uns besonders wichtig ist. Das vermittelte Wissen bezieht die Anwendungsfelder und
damit die Funktionen des Managements zum einen und der IT zum anderen ein. Im Bereich „Verhalten“
steht die interpersonale Kommunikation und damit die Personalführung im Mittelpunkt. In
Form der Blended Education ermöglichen wir berufsbegleitendes Lernen auf hohem akademischem
Niveau. In didaktisch aufbereiteten Studientexten, die individuelles Selbststudium ermöglichen, in
Seminaren, in denen kritische Fragen der Studieninhalte geklärt werden, sowie in den Klausuren
und der Masterarbeit geht es darum, erworbenes Wissen nachzuweisen und erreichtes Können zu
beweisen. Die Abschlussarbeit nimmt dabei einen hohen Stellenwert ein. Ich gebe – und zwar gern
– zu, dass hohe Anforderungen an unsere in der Regel berufstätigen Studierenden gestellt werden.