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Educational Leadership Web 2.0?
Digitale Kompetenzen im Klassenzimmer der Zukunft
28.11.2014
Dr. Paul Kral, Vortragender im Masterlehrgang Educational Leadership, zu den Vorteilen eines digitalen „Change“ für die Schulentwicklung und das Lehren und Lernen im Schulalltag.

El 28112014

 

„digi.komp 8“ – Digitale Kompetenzen, informatische Bildung1 nennt in den Zielsetzung vier Globalbereiche, die SchülerInnen am Ende der 8. Schulstufe wissen und können sollten. Diese sind

 

  1. Informationstechnologie, Mensch und Gesellschaft: Datenschutz und Datensicherheit, Verantwortung bei der Nutzung von IT, Entwicklung und berufliche Perspektiven
  2. Informatiksysteme: technische Bestandteile und deren Einsatz, Gestaltung und Nutzung persönlicher Informatiksysteme, Datenaustausch in Netzwerken, Mensch-Maschine-Schnittstelle
  3. Anwendungen: Dokumentation, Publikation und Präsentation, Berechnung und Visualisierung, Suche, Auswahl und Organisation von Information, Kommunikation und Kooperation
  4. Konzepte: Darstellung von Information, Strukturierung von Daten, Automatisierung von Handlungsanweisungen, Koordination und Steuerung von Abläufen

 

Führe ich diese digitalen Kompetenzen bei SchülerInnen mit der Überschrift dieses Beitrags zusammen, dann formuliert sich unter dem inhaltlichen Fokus der Globalbereiche ein spezifisches Qualitätsmodell auf Führungsebene. Welche Input-, Prozess- und Outputqualitäten sind aus der Sicht von „Educational Leadership“ zu beachten, zu fördern, zu steuern, zu evaluieren, sodass ein erfolgreicher Übergang der Arbeit hin zu einem Klassenzimmer der Zukunft führt. In Ergänzung und nicht im Gegensatz zur bisherigen Führungsdiskussion, die auf Mitarbeiterführung, Organisations- und Prozesswissen, pädagogischem Wissen u.a. fokussiert, erhält das „Annehmen“ der digitalen Technologieentwicklung einen neuen Schub bzw. wird zum Motor der Schulentwicklung. Die Fokussierung auf eine Übergangsqualität wird zum Schlüssel eines gelingenden Prozesses, da die Akteure bisher tradierte Lehr- und Lernformen als erfolgreich und bewältigbar erlebt haben. Warum nun „Change“, warum neues digitales Lernen in ein Lehr-und Lernsetting transponieren? Der aus dem Change Management schon bekannte „Change Agent“ erlebt am Übergang zum digitalen Klassenzimmer eine Renaissance.
 

Das Klassenzimmer der Zukunft – nicht nur von der Architektur her betrachtet – sieht Veränderungen durch die digitalen Medien „lehr- und lernseits“. In der Folge nenne ich einige Qualitäten aus 68 Fallstudien, die in dem „iTEC-Projekt – Designing the future classroom“2 implementiert, durchgeführt und gemessen wurden. Das Konzept fußt auf Unterrichtsszenarien (Lernstories) für die Zukunft und der systematischen Gestaltung motivierender und nachhaltiger Lernaktivitäten auf der Grundlage digitaler Pädagogik.
 

  • Erkenntnis 1: PädagogInnen sehen in dem Projekt eine deutliche Unterstützung zur Förderung der notwendigen Kompetenzen für das 21. Jahrhundert. Diese sind vor allem unabhängiges Lernen, kritisches Denken, Problemlösungsstrategien entwickeln und Reflexion der wirklichen Welt, aber auch Kommunikation und Kollaboration, Kreativität und digitale Kompetenzen.
     
  • Erkenntnis 2: Durch den Einsatz digitaler Medien ändert sich die Rolle der SchülerInnen hin zu BewerterInnen der Anderen, hin zu TutorInnen, MitgestalterInnen ihres eigenen Lernens und nicht zuletzt zu GestalterInnen bzw. RegisseurInnen ihrer Beiträge im Klassenzimmer.
     

„Wir sind das Medium.
Selbst produzieren mit Text, Kamera, Audio, Montage,…

und jederzeit selbst veröffentlichen mit Social Media, Blog, YouTube u.a.“

 

  • Erkenntnis 3: Allein der Umstand, dass dieses Projekt im Rahmen der digitalen Schulentwicklung stattgefunden hat, führte zu einer Motivationssteigerung auf PädagogInnen-, aber auch auf SchülerInnenseite. So veränderte sich die Einstellung zum Lernen, zur Vertiefung von Lernaktivitäten und bezeichnenderweise auch zum Wunsch nach ähnlichen Aktivitäten.
     
  • Erkenntnis 4: Die klassische Frage, konnte damit der Leistungsstand der SchülerInnen verbessert werden, muss bejaht werden (67% der PädagogInnen stimmen diesem Argument zu).
     
  • Erkenntnis 5: Dieser Punkt zielt auf Leadership-Aktivitäten ab, die den Blick auf Szenarien fokussieren, bei denen PädagogInnen angeregt werden, proaktive, treibende Kräfte für Veränderung zu werden. So sind in diesem Erkenntnisfeld fünf Innovationsstufen sichtbar: Ergebnisse, Pädagogik, Rolle der Lehrenden, Management und digitale Technologie.
    Auch wenn die Ergebnisse zeigen, dass noch ein weiter Weg zu gehen ist, sind die Ergebnisse insofern ermutigend, da es vermehrt zu einem systematischen Austausch durch Vernetzung bewährter Praktiken im Rahmen von entwickelten Tools kam. Entscheidend war auch die Umsetzung eines pragmatischen Führungsgrundsatzes: „Binde die Mitarbeiter/innen zum frühest möglichen Zeitpunkt ein“. Dieser wirksame Weg motivierte PädagogInnen ihre Fort- und Weiterbildung zu intensivieren: bessere Präsentation, mehr Anleitung und Erklärung.
     
  • Erkenntnis 6: Schulleitung, PädagogInnen und KoordinatorInnen (Change Agent) erkennen ein Potenzial für Entwicklungsprozesse von Lernaktivitäten durch eine innovative digitale Pädagogik im Klassenzimmer.
     
  • Erkenntnis 7: Die erfolgreiche Umsetzung des Projekts - nicht nur Quick Wins - führten auch dazu, Innovationen, Experimente und bisher nicht genutzte Technologien anzuwenden. Gleichzeitig ist damit die digitale Kompetenz und Sicherheit der PädagogInnen gestärkt worden.
     
  • Erkenntnis 8: Entsprechend der Evaluierung erleben 86% der PädagogInnen Begeisterung für das Unterrichten, 84% sind für den Einsatz von ICT und 73% verspüren Motivation für spannende, neue Ansätze.
     
  • Erkenntnis 9: Mit dem Fortschreiten des Projekts wurde die klassische Rolle der digitalen Technologie von der Recherche und der Präsentation hin zu einem systematischen Einsatz im gesamten Lernprozess verändert.
     
  • Erkenntnis 10: PädagogInnen lernten neue Tools aus der Web 2.0-Welt kennen, die pädagogisch wertvoll im Unterricht einsetzbar sind. Diese veränderten auch ihr eigenes Arbeiten (Composer, Scenario Development Environment).
     
  • Erkenntnis 11: Online-Communities stärken die Zusammenarbeit an der Schule, aber auch schulübergreifend (kollaborative Tools). Der Unterschied liegt darin, dass die Innovation nicht nur auf das Klassenzimmer gerichtet ist, vielmehr findet Innovation IN der Schule statt (Der Diskussionsanteil über den Einsatz digitaler Technologien nimmt zu.)
     
  • Erkenntnis 12: Jedes Projekt hat einen Schönheitsfehler: zumeist sind besonders engagierte PädagogInnen und Schulleitungen die Vorreiter. Die Nagelprobe besteht somit darin, inwieweit Projektentwürfe, auch wenn sie mit besonderen qualitativen Ergebnissen reüssieren, in die Breite wirken. Das iTEC-Projket stellt dazu viele Hilfen für Aus- und Weiterbildung zur Verfügung. Die Dissemination ist eine offene Frage, sie kann von Führungspersonen, aber auch von einzelnen PädagogInnen als PromotorInnen initiiert werden.
     
  • Zusammenfassung als Erkenntnis 13: Das nationale Bildungssystem kann bei einer digitalen Innovation nicht abseits stehen und wird Position beziehen müssen. Das umfasst finanzielle Ressourcen bei der Ausstattung, ebenso bei der PädagogInnenaus und –fortbildung. Einige Eckpfeiler, die wesentlich sind, lese ich aus der Projektevaluierung:
    • Die Schulbehörde involvieren, Verantwortungsträger sein,
    • Einbindung in bereits existierende Qualitätsoffensiven (z.B. SQA),
    • Einrichtung einer Datenbank für Szenarien, Lernstories und Lernaktivitäten,
    • Freiraum zum Experimentieren, Akzeptanz einer Fehlerkultur,
    • Einbindung externer ExpertInnen,
    • Lernaktivitäten auf das Kerngeschäft - den Unterricht - der PädagogInnen beziehen, verstehbar, effizient und effektiv, bewältigbar gestalten,
    •  … und
    • einen besonderen Fokus auf Schulleitung legen, die mit Leadership 2.0 die Schule zu Klassenzimmern der Zukunft machen.

 

Die Donau-Universität Krems mit dem Master-Studiengang „Educational Leadership“ ist herausgefordert, Führungspersonen für diese innovativen Schritte auszubilden.

 

Paul Kral, Lektor für das Modul „Qualitätsmanagement“ im Master-Studiengang „Educational Leadership“

 

Wenn Sie Paul Kral persönlich kennen lernen wollen, empfehlen wir die Veranstaltung "Fokus: Bildung" am 10. Dezember 2015 um 18:30. Herr Kral wird dazu einen Impulsvortrag mit dem Titel "Kann man Innovation lernen?“ halten. Die Teilnahme ist kostenlos, um Anmeldung unter www.wbs-krems.at wird gebeten.

 

2 Lewin, Cathy; McNicol, Sarah (Verfasserinnen) (2004), Wir bauen das Klassenzimmer der Zukunft. Erkenntnisse aus dem iTEC-Projekt. All Saints Manchester: Manchester Metropolitan University. Co-funded by the 7th Framework Programme of the European Union. ISBN 978-1-910029-01-5