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Wie Wohnsituation und Lebensunterhalt verbunden sein kann
Indische ProjektpartnerInnen berichteten über spannende Forschungsergebnisse aus informellen Siedlungen
24.04.2018
Von 12. bis 16. Februar trafen sich Teammitglieder des Erasmus Projektes „Building Inclusive Urban Communities“ (BInUCom) an der Donau-Universität Krems um die Ergebnisse einiger der im Rahmen dieses Projektes durchgeführten Case Studies zu diskutieren. Das alltägliche Leben und Wirtschaften von Menschen in informellen Wohnsiedlungen in Indien stand dabei im Mittelpunkt.

Schon oft wurde im Newsbereich des Departments für Migration und Globalisierung vom Projekt BInUCom berichtet, dessen übergeordnetes Ziel darin besteht indische Studierende in Architektur, Design und Raumplanung für die komplexen Belange und Zusammenhänge rund um die Wohnraumversorgung einkommensschwächerer Bevölkerungsgruppen zu sensibilisieren. Zu diesem Zweck wurden von den vier indischen Partneruniversitäten zahlreiche Case Studies durchgeführt, die die Lebenssituation betroffener Gruppen in indischen Großstädten detailliert untersuchten.


Lebensunterhalt mit Müll sammeln
So dokumentiert etwa Ravi Sannabhadti von der CEPT University in der nordwestindischen Wirtschaftsmetropole Ahmedabad minutiös wie StadtbewohnerInnen ihren Lebensunterhalt dadurch verdienen, dass sie die unterschiedlichsten Arten von Müll sammeln, die in der Millionenstadt täglich anfallen, sortieren, reinigen und wiederverwerten. Seine Analyse: Die Frage, ob diese Menschen im unmittelbaren Umfeld ihrer Behausungen Raum vorfinden, in dem sie Müll aufbereiten und lagern können, entscheidet darüber, ob es ihnen gelingen kann ein gutes Auskommen zu finden und ihr Business weiter auszubauen.
Dagegen zeichnet Swetha Wagh vom Kamla Raheja Vidyanidhi Institute for Architecture and Environmental Studies (KRVIA) die unterschiedlichen Entwicklungen nach, die dazu führten, dass ehemalige Fischerdörfer vom rasanten Wachstum der Riesenstadt Mumbai quasi überrollt und ins Stadtgebiet eingegliedert wurden. Von der Fischerei leben kann heute nur noch eine Minderheit der ehemaligen DorfbewohnerInnen, vielmehr wurde ihr Landbesitz in nunmehr fast innerstädtischer Lage für viele von ihnen zur Rendite abwerfenden, aber vielfach umstrittenen Lebensgrundlage.


Überschwemmungen als Gesundheitsrisiko
Aber es gibt auch BewohnerInnengruppen, für die ihre Wohnsituation nicht unmittelbar mit ihrem Lebensunterhalt verbunden ist, wie Janani Thiagarajan von der Karpagam University im südindischen Coimbatore darstellt: Die von ihr interviewten FabriksarbeiterInnen und HandwerkerInnen bewohnen den Uferbereich an einem der zahlreichen Seen im Stadtgebiet von Coimbatore und sind damit speziell in Zeiten des Monsuns jährlich wiederkehrenden Überschwemmungen und den damit oftmals verbundenen Gesundheitsrisiken ausgesetzt. Für sie ist die von der Stadtverwaltung angebotene Umsiedlung in eher periphere Neubaugebiete durchaus eine Option, auch wenn sie dort dann täglich den Bus bezahlen müssen, um an ihre Arbeitsplätze zu gelangen: „Dafür sparen wir uns die Ausgaben für Ärzte und Medikamente“.
So zeigten bereits die während dieses Treffens diskutierten Case Studies eine breite Palette an Lebensrealitäten von BewohnerInnen von informellen Siedlungen in verschiedenen indischen Großstädten. Noch deutlich mehr Präsentationen sind für ein weiteres, derartiges Treffen im kommenden Mai, ebenfalls in Krems, geplant.