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Friedrich Cerha Online

„Friedrich Cerha Online“ – mit diesen Schlagwörtern ist alles beschrieben, was sich das derzeitig laufende, vom Land Niederösterreich (NFB) geförderte und von Univ.-Prof. Dr. Matthias Henke geleitete Forschungsprojekt des Archiv der Zeitgenossen auf die Fahne geschrieben hat. In einer breit angelegten digitalen Präsentation soll über Leben und Werk des österreichischen Komponisten Friedrich Cerha nicht nur informiert werden – dem wertvollen, im Archiv aufbewahrten Vorlass sind auch sinnliche Erlebnisqualitäten abzugewinnen, die auf der entstehenden Website eine wichtige Rolle spielen sollen. Ein Projekt, das sich insgesamt an der Schnittstelle von Forschung, lebendiger Vermittlung und Archivalik verortet.

Seit April 2019 wird intensiv an „Friedrich Cerha Online“ gearbeitet. Das Jahr 2020 (und seine Konsequenzen bis in die Gegenwart) brachten und bringen durch die Coronavirus-Pandemie immer noch besondere Herausforderungen mit sich und bestimmen auch die Umstände, unter denen das Projekt gedeihen kann. Einst geplante Formate (z.B. Workshops) mussten – sofern möglich – online stattfinden. Anderes hingegen konnte auch ohne Beschränkung auf den digitalen Raum realisiert werden. Dazu zählt etwa das noch vor der Pandemiezeit verwirklichte Interview mit Friedrich und Gertraud Cerha. Gefilmt wurde dieses im MediaLab der Donau-Universität Krems; das exklusive Material bildet eine der Leitlinien, die sich durch die Website ziehen werden. 2020 wurde außerdem ein großer Bestand an Fotografien aufgebaut. Orte für die fotografische Dokumentation waren die beiden Residenzen des Ehepaars Cerha in Maria Langegg und Wien. Es konnten hochwertige Aufnahmen der künstlerischen Werkstätten, des Wohn- und Lebensraums (etwa der imposanten Privatbibliothek, der Musikzimmer oder der ländlichen Umgebung in Langegg) und zahlreicher für das Projekt essentieller Objekte (Bücher, Partituren, Musikinstrumente oder Reisemitbringsel) realisiert werden.

Die größten Fortschritte wurden hinsichtlich der Ausgestaltung der Website erzielt. Diese ist von einer tief ausgeprägten Mehrdimensionalität geprägt. Im Kern steht eine an zehn kulturwissenschaftlichen Themen ausgerichtete Werkschau, die dualistische Blicke auf Cerhas buntes Œuvre wirft (etwa im ersten Themenpaar: „Nähe der Ferne“, eine Auseinandersetzung mit außereuropäischen Einflüssen und „Ferne der Nähe“, eine Betrachtung Wienerischer Facetten). Unter dem Dach jedes einzelnen Themas werden drei Kompositionen portraitiert, sodass insgesamt 30 Werke im repräsentativen Querschnitt abgebildet sind – primär angereichert durch digitalisierte Dokumente des Archivs der Zeitgenossen. Der Anspruch liegt in der Wahrung inhaltlicher Tiefe bei gleichzeitiger, schrittweiser Heranführung durch von selbst ‚sprechende‘ Materialien.

Über die Hälfte der zentralen Werkschau ist bereits digital aufgearbeitet. Darüber hinaus sind weitere Unterseiten der Online-Plattform entstanden: Porträts, die verschiedene Seiten des Künstlers und Menschen Friedrich Cerha zeigen – den Dirigenten, den „Homo politicus“ oder den vielseitig Vernetzten. Weitere Darstellungen widmen sich etwa seinem literarischen Kosmos, seinen Reisen oder seinem familiären Netzwerk. Außerdem sind – über die vertieften „Verzweigungen“ seines kompositorischen Werks hinaus – auch Porträtierungen seines umfangreichen malerischen sowie schriftstellerischen Œuvres geplant. Bis September dieses Jahres soll das gesamte Projekt „Friedrich Cerha Online“ abgeschlossen werden.

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