Unter großem Interesse wurde die Tagung zum Erhalt schulischer Lehrmittelsammlungen vom Zentrum für Museale Sammlungswissenschaften (ZMSW) und den Landessammlungen Niederösterreich (LSNÖ) gemeinsam mit Stift Seitenstetten am 19. Mai an der Universität für Weiterbildung abgehalten. Bei starker Publikumspräsenz von Vertreter_innen niederösterreichischer, oberösterreichischer, steirischer und Wiener Schulen wurde die Veranstaltung als wichtiger fachlicher Input zum sammlungswissenschaftlichen Diskurs wahrgenommen.
Fokussiert wurde als Kernfrage: Wie können Schulen dabei unterstützt werden, historische Lehrmittelsammlungen sinnstiftend am eigenen Standort zu erhalten? Dass in Niederösterreich das Thema Bildung einen hohen Stellenwert hat, bestätigte die wertschätzende Videobotschaft von Landesrätin Christiane Teschl-Hofmeister zu Veranstaltungsbeginn. In der Begrüßung von Gastgeber Armin Laussegger (LSNÖ) wurde auf historische Lehrmittel als Kulturgut aber auch als Wissensressource referenziert. Schuldirektor Markus Berger (Stiftsgymnasium Seitenstetten) sprach sich klar für die Stärkung schulischer Kustodiate aus.
Der Vortrag von Abelina Bischof (LSNÖ) reflektierte anhand ausgewählter Objekte der Landessammlungen Niederösterreich den Transformationsprozess vom Lehrmittel zur Musealie, jedoch als Plädoyer für eine pädagogische Reaktivierung im Sinne einer differenzierten Nutzbarmachung für Bildungsprozesse. Als herausragendes Beispiel des Sammelns der Klosterkultur stellte Sandra Sam (ZMSW) die Biologie Sammlung im Stiftsgymnasium Melk vor, die 1850 von Patres begründet wurde und bis heute im Unterricht Verwendung findet. Dabei verwies sie auf das historisch verankerte naturwissenschaftliche Forschungsinteresse in Stiften und die Bedeutung der Jahrbücher von Gymnasien als historische Quelle. Beispielhaft beleuchtete Kustos Mathias Weis lebendig sein Tätigkeitsfeld im Benediktinerstift Seitenstetten: sowohl die Betreuung dessen Naturhistorischen Sammlungen als auch der biologischen Schulsammlungen des Stiftsgymnasiums. Dabei brachte er auch den Umgang mit problematischem Altbestand und Aufgaben wie Dokumentation und präventive Konservierung ein.
Im Zentrum des Vortrags von Konstanze Amelie Knittler (Bundesdenkmalamt) stand der Umgang mit der Schutzwürdigkeit von Lehrmitteln und die daraus resultierende Verantwortung, dass keine Entsorgung ohne fachliche Prüfung erfolgen dürfe. Unter Berücksichtigung von Gesundheits- und Sicherheitsfragen gelte es, Denkmalpflege in der Schulpraxis zu berücksichtigen. Um die Herausforderungen eines solchen Sammlungserhalts gut bewältigen zu können, empfahl Ulrike Vitovec (Museumsmanagement Niederösterreich) zur Stärkung von Kustodiaten in Schulen, Allianzen zu bilden. Bedarforientiertes Fortbildungsprogramm könne beim Aufbau überregionaler fachlicher Netzwerke zusätzlich unterstützen.
In einem partizipativen Programmpunkt am Nachmittag wurde in zwölf Gruppen der Umgang mit historischen Lehrmittelsammlungen an Schulen im „Stehcafé“ diskutiert und im Plenum vorgestellt. Thematisiert wurden u.a. die Herausforderungen der Inventarisierung, konservatorische Probleme, fehlende Ressourcen zur Betreuung und der Einsatz analogen Lehrmaterials in Zeiten ständig zunehmender Digitalisierung. Bei der abschließenden Podiumsdiskussion machte Pater Benedikt Resch (Stift Seitenstetten) mit seinem Statement allen Mut: „Freuen wir uns daran, dass wir uns um unsere schönen Sammlungen kümmern dürfen!“