KOLLEG.IUM Integrative Therapie

Mai 2018: Workshop von Prof. Ulrich Schnyder "Evidenzbasierte Therapie posttraumatischer Belastungsstörungen"

Termin

25.05.2018, 13:00 - 26.05.2018, 18:00

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Ort

Donau-Universität Krems, Seminarraum 2.2

Veranstalter Zentrum für Psychotherapie
Kosten EUR 200

Kollegium IT

Prof. Dr. Ulrich Schnyder, Zürich

 

Workshop "Evidenzbasierte Therapie posttraumatischer Belastungsstörungen"

Wenn Menschen denken, fühlen und handeln, tun sie dies weder als Konstrukte ihrer Gehirne noch als körperlose Geister, sondern als lebendige, leibliche Wesen. Diese Einsicht liegt dem Konzept des „Embodiment“, der Verkörperung zugrunde, das sich seit zwei Jahrzehnten in Philosophie, Sozial- und Kognitionswissenschaften zunehmend ausbreitet. Die Wechselbeziehungen von Körperprozessen und psychischem Erleben, von Ausdruck und Gefühlen, Haltung und Persönlichkeit sind Gegenstand intensiver Forschungen. Aus der Perspektive einer „Embodied Cognitive Science“ ist das Gehirn weder der Schöpfer der erlebten Welt noch der Konstrukteur des Ich, sondern vor allem ein Vermittlungsorgan für die Beziehungen eines lebendigen Organismus zu seiner Umwelt. Ohne seine Einbettung in den Körper und den Organismus als ganzen lässt es sich nicht angemessen begreifen. Damit werden verkörperte Erfahrungen zur maßgeblichen Grundlage für Lern- und Veränderungsprozesse, auch in der Psychotherapie.

Die Wirksamkeit psychotherapeutischer Ansätze zur Behandlung der Posttraumatischen Belastungsstörung (Posttraumatic Stress Disorder, PTSD) ist empirisch gut abgesichert. Insgesamt sind die Effektstärken für Psychotherapie höher als für medikamentöse Behandlungen. Viele gut kontrollierte Studien mit sehr unterschiedlichen Populationen von Trauma-Überlebenden haben gezeigt, dass PTSD mit der trauma-fokussierten kognitiven Verhaltenstherapie (Trauma-focused Cognitive-behavioral Therapy, TF-CBT) wirksam behandelt werden kann. Prolonged Exposure Therapy (PE) gilt zurzeit als das Verfahren mit dem stärksten Wirksamkeitsnachweis. Kognitive Therapie und Cognitive Processing Therapy (CPT), mit ihrem stärkeren Fokus auf kognitive Interventionen, wie auch Eye Movement Desensitization and Reprocessing (EMDR) sind in ihrer Wirksamkeit vergleichbar mit PE.

Die erwähnten Ansätze unterscheiden sich in verschiedenen Aspekten, haben aber auch wesentliche Gemeinsamkeiten: Psychoedukation, Verbesserung von Emotionsregulation und Bewältigungsstrategien, Exposition der traumatischen Erinnerungen, Veränderung von dysfunktionalen Kognitionen, Bearbeitung von Emotionen (Angst, Scham, Schuld, Wut, Trauer, Moral Injury), sowie die Reorganisation von Gedächtnisfunktionen und das Erarbeiten eines konsistenten Narrative finden sich in Variationen in allen evidenzbasierten Psychotherapien für PTSD.

Neuere Entwicklungen sind zum Beispiel die Brief Eclectic Psychotherapy for PTSD (BEPP), Narrative Exposure Therapy (NET), und web-basierte CBT für PTSD. In vielenFällen wird die Behandlung im Rahmen eines komprehensiven, multimodalen Behandlungsplans erfolgen, der neben der Psychotherapie z. B. auch pharmakologische, soziale, juristische und andere Maßnahmen erfordert. Aufgrund des engen Zusammenhangs zwischen traumatischen Erfahrungen, PTSD und körperlicher Gesundheit sind nicht selten auch medizinische Interventionen indiziert.

In jüngerer Zeit gibt es einen Trend in Richtung sogenannter “Mini-Interventionen”, d. h. kurzen, maßgeschneiderten Therapiemodulen zur Behandlung umschriebener Probleme. Die evidenzbasierten trauma-fokussierenden psychotherapeutischen Ansätze sollten künftig vermehrt durch Resilienz fördernde Elemente ergänzt werden. Und schließlich: Angesichts der zunehmenden Globalisierung unserer Welt sollten kultursensitive Therapeutinnen und Therapeuten immer auch die kulturellen Komponenten des Krankheitsund Hilfesuchverhaltens ihrer Patientinnen und Patienten, wie auch deren TherapieErwartungen zu verstehen versuchen und die kulturelle Dimension in jegliche therapeutische Interaktion mit einbeziehen.

Diese Elemente sollen im Workshop gemeinsam und interaktiv erarbeitet werden. KurzVorträge werden durch praktische Übungen in Kleingruppen und klinische Intervisionen anhand von Fallbeispielen der Workshop-Teilnehmenden ergänzt.

 

Prof. Dr. med. Ulrich Schnyder

  • Facharzt FMH für Psychiatrie und Psychotherapie,
  • Ordinarius für Poliklinische Psychiatrie und Psychotherapie,
  • Direktor der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie des Universitätsspitals Zürich (USZ),
  • Past President, European Society for Traumatic Stress Studies (ESTSS),
  • Past President, International Federation for Psychotherapy (IFP),
  • Past President, International Society for Traumatic Stress Studies (ISTSS),
  • Preisträger 2013 des Wolter de Loos Award for Distinguished Contribution to Psychotraumatology in Europe (ESTSS), und 2016 des Lifetime Achievement Award (ISTSS),
  • Zentrale Forschungsinteressen betreffen verschiedene Aspekte der Psychotraumatologie wie Epidemiologie, Neurobiologie, Psychotherapie und Pharmakotherapie der posttraumatischen Belastungsstörung, Resilienzforschung, sowie in letzter Zeit „refugee mental health“.

Kontakt:
Prof. Dr. med. Ulrich Schnyder
Klinikdirektor a.i., Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie Universitätsspital
Culmannstrasse 8
CH-8091 Zürich
Fon +41 44 255 52 51
Fax +41 44 255 44 08
Email ulrich.schnyder@access.uzh.ch
Web www.psychiatrie.usz.ch

 

Der Vortrag ist als Fort- oder Weiterbildung für Psychotherapeutinnen und Psychotherapeuten gemäß der Fort- und Weiterbildungsrichtlinie für Psychotherapeutinnen/Psychotherapeuten des Bundesministeriums für Gesundheit (BMG) (§14 Abs. 1 Psychotherapiegesetz) seitens des ÖBVP sowie für Ärztinnen und Ärzte gemäß der DiplomFortbildungs-Programm (DFP)-Richtlinie der Österreichischen Ärztekammer (§118 Abs. 2 Z 17 iVm §122 Z 6 Ärztegesetz) mit jeweils 20 Unterrichtseinheiten approbiert.

Sie kann mit 20 UE als Wahlpflichtfach für den Universitätslehrgang „Psychotherapie – Integrative Therapie“ angerechnet werden.


Anmeldung über die Plattform Moodle
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