„Internationaler Wettbewerb um qualifizierte Fachkräfte“

11. DialogForum 2019: Fachkräftemangel, Selbstständigkeit und Rückkehrmigration

29.08.2019

Die Herausforderungen von Migration und Integration standen im Zentrum des DialogForums 2019 von 26. bis 29. August an der Donau-Universität Krems. Die Mobilität von Hochqualifizierten, die Selbstständigkeit von MigrantInnen sowie (un)freiwillige Rückkehrmigration seien dabei zentrale Aspekte, so das Resümee der ExpertInnen aus Wissenschaft, Politik und Praxis. Das DialogForum, das bereits zum elften Mal vom Department für Migration und Globalisierung veranstaltet wird, positioniert sich als Vernetzungsplattform für Migrations- und IntegrationsakteurInnen.

Mit dem Wort „MigrantInnen“ werden derzeit eher schutzsuchende Menschen an den Außengrenzen assoziiert und nur in den seltensten Fällen qualifizierte ZuwanderInnen. Dabei empfinden mehr als „zwei Drittel der deutschen als auch österreichischen Unternehmen den Fachkräftemangel als aktuell größte unternehmerische Herausforderung“, betont Univ.-Prof. Dr. Mathias Czaika, Leiter des Departments für Migration und Globalisierung an der Donau-Universität Krems. Das betreffe nicht nur große Unternehmen, sondern insbesondere auch kleine und mittlere, denn „jedes dritte Unternehmen in Österreich plant im kommenden Jahr neue MitarbeiterInnen einzustellen“, so Czaika. In den vergangenen Jahren habe sich daher der internationale Wettbewerb um qualifizierte Arbeitskräfte stark intensiviert. Künftig seien „qualifizierte Fachkräfte die wesentliche Schlüsselressource zur Sicherung einer nachhaltigen wirtschaftlichen Entwicklung“, prognostiziert Czaika.

Kampf um qualifizierte Fachkräfte

Um hochqualifizierte MigrantInnen für den österreichischen Arbeitsmarkt zu gewinnen, müssten „Arbeitsmarktinstitutionen modernisiert, Mobilität verbessert, Qualifikationsbedarfe besser antizipiert sowie eine umfassende und vorausschauende Migrationspolitik betrieben werden“, merkt Migrationsforscher Czaika an. Eher langfristig angelegte Rekrutierungsinstrumente, wie etwa ein Punkte-System, dauerhafte Aufenthaltsgenehmigungen, finanzielle Anreize, Transferierbarkeit von Sozialversicherungsansprüchen oder verbesserte Anerkennungen von Abschlüssen würden nur bedingt helfen, um kurzfristige Beschäftigungslücken zu schließen. Neben migrationspolitischen Maßnahmen spielten auch ein attraktives, offenes Lebensumfeld sowie langfristige berufliche Perspektiven für qualifizierte ZuwanderInnen eine wesentliche Rolle, um im internationalen Wettbewerb um Schlüsselkräfte erfolgreich zu sein.

„Jedes dritte Unternehmen in Österreich plant im kommenden Jahr neue MitarbeiterInnen einzustellen“

Univ.-Prof. Dr. Mathias Czaika, Leiter des Departments für Migration und Globalisierung

MigrantInnen als selbstständig Erwerbstätige

Die allgemein gestiegene Mobilität und Migration sowie die Umstrukturierung der globalisierten und digitalisierten Wirtschaft rücken migrantisches Unternehmertum zunehmend in den Fokus. Das Gros der selbstständigen MigrantInnen in Österreich komme aus Asien und Afrika. Diese Form von Selbstständigkeit in Österreich sei aber „oftmals nicht freiwillig“, sondern resultiere aus den „beschränkten Zugangsbedingungen zum ersten Arbeitsmarkt“, erklärt Univ.-Prof. i.R. Mag. Dr. Gudrun Biffl. Auch wenn migrantische Unternehmen im Vergleich zu nationalen per se nicht innovativer seien, so arbeiteten MigrantInnen „im Handel durch die bestehenden transnationalen Netzwerke oft erfolgreicher“, so Biffl. Prof. Monder Ram, BA MA PhD, von der Aston Business School warnt davor, bei migrantischer Selbstständigkeit zu generalisieren: Zu unterschiedlich seien Länder, Ethnien sowie politische und rechtliche Rahmen. Diese so genannte „Superdiversität mache Untersuchungen extrem herausfordernd“, stellt Ram fest.

Rückkehr als Lösungsstrategie

Häufig werden MigrantInnen in den Aufnahmeländern mit unerfüllten Erwartungen konfrontiert. Die Rückkehr in das Heimatland ist dann eine von mehreren Lösungsstrategien. Doch „ohne einheitlicher Definition für RückkehrmigrantInnen sind Statistiken und Daten darüber extrem abweichend“, meint Dr. Amparo González Ferrer vom Spanish National Research Council und er beklagt: „Uns fehlt daher das Gesamtbild“. Zusätzlich seien „politische Strategien zur Rückkehrmigration aktuell ineffizient und ineffektiv“, ergänzt Dr. Marieke van Houte von der Erasmus Universität Rotterdam. Die Mehrheit der abgelehnten AsylbewerberInnen in Europa kehrten nicht zurück, weil die „Rückkehrprogramme zu wenig auf die Herausforderungen der RückkehrerInnen eingehen“, so van Houte.

Recht auf Teilhabe

Bei Diskussionen um die postmigrantische Gesellschaft stünden vor allem „Rechte, Teilhabe und Partizipation in den Einwanderungsgesellschaften“ im Vordergrund, erklärt Dr. Ernst Fürlinger von der Donau-Universität Krems. Zentral dafür sei der „Zugang zur Staatsbürgerschaft und zum Wahlrecht“, betont Univ.-Prof. Rainer Bauböck von der Österreichischen Akademie der Wissenschaften. Österreich habe dabei im „internationalen Vergleich relativ starke Rechtsnormen, lange Wartezeiten, eine restriktive Haltung bei Doppelstaatsbürgerschaften und auch hohe finanzielle Hürden für gewöhnliche Einbürgerung“, weshalb die „Einbürgerungsraten in Österreich im EU-Vergleich sehr gering sind“, so Bauböck. Gerade „weil Österreich ein Einwanderungsland ist“, sollte es darüber eine Debatte geben, fordert Bauböck.

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