Wie SlumbewohnerInnen in Äthiopien ihren schwierigen Alltag meistern

Austausch von Partnerinstitutionen auf einer Fachkonferenz an der TU Delft

03.06.2019

Afrikanische Perspektiven auf Städtebau und Urbanisierung standen im Zentrum einer hochkarätig besetzten Fachkonferenz im niederländischen Delft. Die Architekturfakultät der Technischen Universität Delft hat vom 27. bis 28. März 2019 zum internationalen Gedankenaustausch über brennende Fragen der weiteren Städteentwicklung in Subsahara (Afrika) geladen.

Die schnelle Urbanisierung wird in äthiopischen Städten bis zum Jahr 2022 zu einer Wohnungsnot von etwa 3 Millionen Menschen führen, die eine drastische Verschärfung der städtischen Armut erwarten lässt. Das Department für Migration und Globalisierung der Donau-Universität Krems beteiligte sich gemeinsam mit seinen äthiopischen ProjektpartnerInnen an einer Konferenz im Rahmen des EU-geförderten Projekts „Social Inclusion and Energy Management for informal urban settlements (SES)“. Dabei wurden erste Ergebnisse aus den derzeit laufenden Forschungen der PartnerInnen in den Städten Addis Ababa, Gondar und Mekelle präsentiert. Vielfältige Fragestellungen rund um Wohnen und Leben in informellen Siedlungen werden in diesen Feldforschungen bearbeitet und wurden in der Konferenz mit den Teilnehmenden intensiv diskutiert. So werden beispielsweise nachhaltige Lösungen für die Energieversorgung von Slumhaushalten untersucht, die künftig sinnvoll und leistbar sind. „Statt einer Energiegewinnung aus Holzkohle von Eukalyptusbäumen mit ungefilterter Rauchentwicklung wie aktuell in Addis, wäre die Umstellung auf Strom aus den äthiopischen Wasserkraftwerken nötig“, erklärt Dipl-Ing. Dr. Tania Berger vom Department für Migration und Globalisierung. Allerdings seien Stromanschlüsse in den Slums selten vorhanden und diese Energieform für die Armen oft kaum leistbar.

Soziale Netzwerke helfen im Alltag

Im Fokus stand zudem die Analyse zahlreicher sozialer Netzwerke innerhalb der Slums, mit deren Hilfe die BewohnerInnen ihren schwierigen Alltag meistern. In der Praxis wird „die Kinderbetreuung, Ressourcen, finanzielle Mittel oder die Altenpflege aufgeteilt und die Zusammenarbeit bei unternehmerischen Tätigkeiten zur Kostenminimierung gestärkt“, sagt Wohnraumexpertin Berger. Das würde SlumbewohnerInnen helfen, mit ihren begrenzten Haushaltsbudgets über die Runden zu kommen.

Zwangsräumung

Aber auch durchaus dramatische Entwicklungen waren in Delft in aufwühlenden Bildern zu sehen: so berichteten ProjektteilnehmerInnen aus der nordäthiopischen Großstadt Mekelle von teils gewalttätigen Räumungen und Vertreibungen von SlumbewohnerInnen in ihrem Forschungsgebiet, deren Zeugen sie unmittelbar vor ihrer Abreise zur Konferenz geworden waren. Auf Videos ist zu sehen, wie Bulldozer die in mühsamer Arbeit errichteten Häuser vieler Familien in wenigen Minuten plattwalzen. Das hinterließ bei allen KonferenzteilnehmerInnen eine merkbare Betroffenheit – und die Gewissheit, dass es andere, sozial verträglichere und zukunftsweisendere Lösungen für Slums und informelles Wohnen braucht. Künftig stünden im Rahmen des Projekts vor allem partizipative Prozesse im Vordergrund, die über reines Informieren der BürgerInnen hinausgehen. Außerdem sollten rechtliche Strukturen geschaffen werden, die informelle Siedlungen legalisieren, so Berger.

 

Über SES:

SES

Um mit einem horizontalen Austausch bewährter Verfahren die vertikale Politikgestaltung in Äthiopien ergänzen zu können, setzt das SES Projekt auf die Stärkung der Zusammenarbeit zwischen äthiopischen Hochschulen in Addis Ababa (EiABC), Gondar (UoG) und Mekellei. Zeitraum: 15.10.16-15.10.19, Fördergeber: EU, Erasmus+

SES Imagevideo

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