15.04.2025

Wahlanalyse Landtagswahl Burgenland

Im Jänner fand die Landtagswahl im Burgenland statt (19. Jänner 2025). Im Rahmen der ORF-Wahlbefragung (FORESIGHT/ISA) wurden dafür 1.253 wahlberechtigte Burgenländer_innen mittels Telefon- und Online-Befragung interviewt. In der Stichprobe befanden sich 982 deklarierte Wähler_innen. Die Feldarbeit dauerte vom 13. bis zum 18. Jänner 2025 und wurde von Jaksch und Partner durchgeführt. Die anschließende Gewichtung der Daten basiert auf soziodemographischen Merkmalen (Geschlecht, Alter, Bildung, Erwerb, Wohnregion und Urbanisierungsgrad), einer Erinnerungsfrage zum Wahlverhalten bei der Nationalratswahl und der Hochrechnung. Im Folgenden werden die zentralen Ergebnisse der Wahlbefragung vorgestellt.

 

Entgegen dem Trend: Burgenländer_innen sehen positive Entwicklung

48 Prozent der Menschen aus dem Burgenland geben an, dass sich das Bundesland eher positiv entwickelt hat (25 Prozent sehen eine eher negative Entwicklung und 23 Prozent meinen, dass sich nichts verändert hat, siehe Abbildung). Damit ist der Anteil jener Menschen, die alles in allem eine positive Entwicklung wahrgenommen haben, im Vergleich zur letzten Landtagswahl stabil geblieben (eher positiv 2020: 45 Prozent). Allerdings haben die Menschen damals die Entwicklung weniger oft als negativ wahrgenommen (nur neun Prozent) und häufiger keine Veränderung gespürt (45 Prozent). Dennoch widerspricht dieses Ergebnis eindeutig dem Trend des Superwahljahres 2024: Bei keiner der Wahlen – weder in der Steiermark, in Vorarlberg, auf Bundesebene noch bei der Europawahl – stellte der Anteil der Zufriedenen die größte Gruppe dar.

Abbildung: Beurteilung der Entwicklung des Burgenlandes (alle Befragten, in %)

Darüber hinaus ist mehr als die Hälfte der Burgenländer_innen mit der Arbeit der SPÖ-Regierung zufrieden: 19 Prozent sind sehr zufrieden und weitere 37 Prozent eher zufrieden. Demgegenüber stehen aber auch 25 Prozent, die mit der Regierungsarbeit der SPÖ wenig zufrieden sind und 15 Prozent, die gar nicht zufrieden sind. Damit ist die Regierungsbilanz mehrheitlich positiv, aber dennoch schwächer als noch jene der scheidenden rot-blauen Landesregierung bei der burgenländischen Landtagswahl 2020. Damals waren 18 Prozent sehr, 44 Prozent ziemlich zufrieden und 25 Prozent wenig, fünf Prozent gar nicht zufrieden. Die burgenländische SPÖ-Alleinregierung schneidet in ihrer Bewertung besser ab als die im Superwahljahr 2024 scheidenden Regierungen.

 

 Themen und Wahlmotive

Die Teuerung ist das Top-Thema im Wahlkampf. 44 Prozent der Befragten geben an, im Vorfeld der Landtagswahl sehr häufig über hohe Preise diskutiert zu haben. Dazu kommt, dass konkret über den Strompreis immer noch 39 Prozent der Menschen intensiv debattiert haben. Dahinter folgen die ebenfalls wichtigen Themen Zuwanderung (36 Prozent sehr diskutiert) sowie Gesundheit und Pflege (35 Prozent). Auch im Vergleich zum Landtagswahlkampf 2020 zeigt sich eine Verschiebung der meistdiskutierten Themen insbesondere weg von Klima- und hin zu Geldfragen.

Die Top-Gründe für SPÖ-Wähler_innen sind die bisherige Arbeit der Partei (22 Prozent Hauptgrund) und die Stammwählerschaft (20 Prozent). Ebenso sind für diese Wählerschaft auch die inhaltlichen Standpunkte und der Spitzenkandidat ausschlaggebend (17 bzw. 16 Prozent). Hans Peter Doskozil ist somit weiterhin ein Top-Wahlmotiv, im Vergleich zur Landtagswahl 2020 hat er allerdings messbar an Zugkraft eingebüßt (Top-Wahlmotiv Spitzenkandidat 2020: 37 Prozent).

FPÖ-Wähler_innen haben sich für ihre Partei vor allem wegen des Programms entschieden. 30 Prozent nennen die inhaltlichen Standpunkte der Partei als Top-Wahlmotiv. Messbar dahinter folgen die Hauptgründe Spitzenkandidat (13 Prozent), das Ziel, eine Alleinregierung zu verhindern (elf Prozent) sowie die Feststellung, dass die Partei am besten für die Zukunft sei und die eigenen Interessen am besten vertritt (jeweils neun Prozent).

Die wichtigsten Wahlgründe für die ÖVP-Wählerschaft waren die Stammwählerschaft (26 Prozent), ebenso der Wunsch eine Alleinregierung zu verhindern (18 Prozent), das ÖVP-Programm (17 Prozent) und auch der Spitzenkandidat (elf Prozent).

 

SPÖ und FPÖ sind die beliebtesten Regierungsparteien

70 Prozent aller Befragten wünschen sich die SPÖ und 49 Prozent die FPÖ in der nächsten burgenländischen Landesregierung. Auch eine Zusammenarbeit aus SPÖ und FPÖ können sich die Wählergruppen beider Parteien sehr gut vorstellen. Ein Wunsch, der sich so in den Wahlbefragungen des Superwahljahres 2024 (Steiermark, Vorarlberg, Nationalratswahl) nicht gezeigt hat. Im Burgenland hat die SPÖ eine Koalition mit der FPÖ auch nicht ausgeschlossen.

Abbildung: Gewünschte Parteien in Landesregierung (SPÖ-Wähler_innen, in %)

Wie in der Abbildung zu sehen ist, wünscht sich die SPÖ-Wählerschaft neben dem beliebtesten Koalitionspartner FPÖ (29 Prozent) mit messbarem Abstand eine Zusammenarbeit mit der ÖVP (20 Prozent) und den Grünen (13 Prozent).

 

Weniger Ärger, mehr Sorge: die Gefühlslage gegenüber der Bundespolitik

44 Prozent der Burgenländer_innen blicken mit Sorge auf die bundespolitischen Entwicklungen. 29 Prozent erfüllt der Blick in den Bund mit Zuversicht und weitere 20 Prozent mit Ärger. Zur Zeit der Dreier-Koalitionsgespräche hatten nur 32 Prozent Sorge. Dafür gaben 33 Prozent an, verärgert zu sein und 26 Prozent Zuversicht zu haben. Diese Vergleichsdaten wurden im Rahmen der Wahlbefragung zur steirischen Landtagswahl erhoben.

Nur mehr 16 Prozent der FPÖ-Wähler_innen sind verärgert im Hinblick auf die bundespolitischen Ereignisse. Im Vorfeld der steirischen Landtagswahl und damit zum Zeitpunkt der ÖVP-SPÖ-NEOS-Koalitionsgespräche gaben noch 66 Prozent der FPÖ-Wählerschaft an, mit Ärger zum Bund zu blicken. Bei SPÖ-Wähler_innen bewirkten das Scheitern der Verhandlungen mit SPÖ-Beteiligung vor allem einen Gefühlswechsel von Zuversicht auf Sorge. Aktuell schauen 49 Prozent der SPÖ-Wähler_innen mit Sorge auf die Bundespolitik. Auch in der ÖVP-Wählerschaft ist es vor allem ein Wechsel von Zuversicht hin zu Sorge. Hier sind es aktuell 53 Prozent, die sorgenvolle Gedanken hinsichtlich Österreichs Innenpolitik haben.

Wahlverhalten bei der burgenländischen Landtagswahl

Männer und Frauen wählen bei der burgenländischen Landtagswahl ähnlich. Es gibt eine Tendenz, dass Männer verstärkt ihr Kreuz bei der FPÖ machen und Frauen verstärkt bei der ÖVP. Die junge Generation unter 35 Jahren und die ältere Generation, der über 60-Jährigen weisen ein unterschiedliches Wahlverhalten auf: Im Vergleich zu der jungen Generation sind die SPÖ und die ÖVP besonders stark bei der älteren Generation. Dafür ist die FPÖ im Vergleich zu der älteren Generation besonders stark bei den Jungen. Deutlich wird der Unterschied im Wahlverhalten auch bei der Betrachtung der beiden Gruppen Erwerbstätige und Pensionist_innen: Die ÖVP und in der Tendenz auch die SPÖ sind stärker in der Gruppe der Pensionist_innen als im Vergleich in der Gruppe der Erwerbstätigen. Bei der FPÖ und auch bei den Grünen ist es genau andersherum. Stellt man das Wahlverhalten anhand der formalen Bildung gegenüber, so zeigt sich, dass Menschen ohne Matura verstärkt die SPÖ und in der Tendenz auch die FPÖ wählen, Menschen mit Matura oder einem höheren Abschluss machen ihr Kreuz verstärkt bei den Grünen.

Die subjektive Bewertung der Entwicklung des Burgenlandes in den vergangenen fünf Jahren beeinflusst das Wahlverhalten stark. Rund drei Viertel der Menschen, die die Entwicklung positiv wahrnehmen, entscheiden sich für die SPÖ. Umgekehrt sind die FPÖ und in der Tendenz auch die ÖVP in der Gruppe jener, die die Entwicklung negativ empfinden, besonders stark. Noch deutlicher fällt der Zusammenhang zwischen der eigenen Zufriedenheit mit der SPÖ-Landesregierung und der Stimmabgabe für die SPÖ beziehungsweise umgekehrt mit der Unzufriedenheit mit der SPÖ-Landesregierung und einer Stimmabgabe für die Oppositionsparteien aus. In der Gruppe der Unzufriedenen entscheiden sich 43 Prozent für die ÖVP und 38 Prozent für die FPÖ (acht Prozent für die Grünen und sechs Prozent für die SPÖ).

Menschen, die besonders intensiv über die Teuerung im Wahlkampf diskutierten und/oder die nach eigenen Angaben besonders von den hohen Preisen betroffen sind, wählen besonders häufig die FPÖ. Jene, auf die dies nicht zutrifft, wählen verstärkt die ÖVP und auch die Grünen. In der SPÖ-Wählerschaft lässt sich hier kein Unterschied erkennen.


Wahlbefragung - Landtagswahlen Burgenland 2025

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