Doyen der Neuen Musik wird 95

Das Archiv der Zeitgenossen der Donau-Universität Krems feiert Friedrich Cerha mit eigener interaktiver Plattform und Tagung im September 2021

09.02.2021

Mit Friedrich Cerha wird einer der einflussreichsten österreichischen Komponisten seiner Generation 95 Jahre. Die Feierlichkeiten sind für September 2021 geplant, wo ein Festakt im Rahmen eines wissenschaftlichen Rahmenprogramms Cerha würdigen wird. Gleichzeitig wird „Friedrich Cerha Online“, ein Forschungsprojekt, das Cerhas Vorlass wissenschaftlich aufbereitet, erstmals vorgestellt.

Am 17. Februar 2021 feiert Friedrich Cerha seinen 95. Geburtstag. Um die Feierlichkeiten zu Ehren des österreichischen Komponisten in größerem Rahmen begehen zu können, finden sie erst im September 2021 statt. Begleitet von einem wissenschaftlichen Rahmenprogramm und der Musik Friedrich Cerhas soll bei diesem Termin auch die interaktive Plattform „Friedrich Cerha Online“, an der das Archiv der Zeitgenossen derzeit intensiv arbeitet, erstmals präsentiert werden.

Seit 2010 befindet sich Cerhas umfangreicher Vorlass im Archiv der Zeitgenossen – Sammlung künstlerischer Vor- und Nachlässe, wo er wissenschaftlich betreut, aufgearbeitet und erforscht wird. Er enthält neben originalen Musikhandschriften und (musiktheoretischen) Texten unter anderem Korrespondenzen, Rezeptionsdokumente sowie audiovisuelle Medien.

Schnittstelle von Archivalik, Forschung und lebendiger Vermittlung

Das Forschungsprojekt „Friedrich Cerha Online“, geleitet von Musikwissenschafter Univ.-Prof. Dr. Matthias Henke, wird vom „Science Call Digitalisierung 2017“ des Landes Niederösterreich unterstützt. Ziel ist es, eine interaktive Plattform zur digitalen Präsentation von Leben und Werk Cerhas zu schaffen. Das Projekt verortet sich an der Schnittstelle von Archivalik, Forschung und lebendiger Vermittlung. Es bietet neben zeitgemäßer Wissensvermittlung vor allem auch eine sehr sinnliche Aufbereitung der digitalisierten Archivalien, die das bunte Œuvre Cerhas bezeugen und sich primär im Archiv der Zeitgenossen befinden. Im Rahmen der Festveranstaltung am 9. September 2021 soll das Projekt präsentiert werden.

Friedrich Cerhas Werdegang

Geboren 1926 in Wien, leistete Friedrich Cerha bereits vor Abschluss des Gymnasiums aktiven Widerstand, desertierte zweimal von der deutschen Wehrmacht und erlebte das Kriegsende als Hüttenwirt in den Tiroler Bergen. Ab 1946 studierte er an der Akademie für Musik in Wien Violine, Komposition und Musikerziehung und an der Universität Wien Musikwissenschaft, Germanistik und Philosophie. (1950 Promotion zum Dr. phil.)

Zunächst als Geiger und Musiklehrer tätig, stand er in Kontakt zur avantgardistischen Untergrundszene junger Maler und Literaten und zum Schönberg-Kreis der österreichischen Sektion der IGNM. 1956–58 nahm er an den Darmstädter Ferienkursen für neue Musik teil, wo er sich mit den Ideen der internationalen Avantgarde auseinandersetzte, aber auch in Kursen bei Eduard Steuermann und Rudolf Kolisch Werke von Arnold Schönberg und Anton Webern studierte. 1958 gründete er mit Kurt Schwertsik das Ensemble „die reihe“, das in der Folge Pionierarbeit in der Präsentation von Werken der Avantgarde, der Wiener Schule und der gesamten klassischen Moderne leistete und internationale Anerkennung fand. Von 1959 an lehrte Friedrich Cerha an der Hochschule für Musik in Wien, wo er 1976–88 eine Professur für „Komposition, Notation und Interpretation neuer Musik“ innehatte.

Werke und Würdigung

Sein musikalisches Œuvre umfasst bis heute rund 200 Orchester-, Kammermusik- und Solowerke sowie fünf große Musiktheaterwerke. Neben zahlreichen Bearbeitungen alter Musik fand Cerha große internationale Beachtung durch die 1979 abgeschlossene Herstellung einer spielbaren Fassung des 3. Aktes der Oper Lulu von Alban Berg.

Friedrich Cerha erhielt zahlreiche Preise und Ehrungen, zuletzt 2006 das Österreichische Ehrenzeichen für Wissenschaft und Kunst, den Orden „Officier des Arts et Lettres“, den „Goldenen Löwen“ der Biennale Venedig für sein Lebenswerk, 2011 den Musikpreis Salzburg und 2012 den Ernst von Siemens Musikpreis und 2017 Ehrendoktorwürde der Universität Siegen.

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