Das Bundesministerium für Frauen, Wissenschaft und Forschung hat ein Lehrprojekt der Universität für Weiterbildung Krems mit einem Ars Docendi Anerkennungspreis ausgezeichnet. Die Verleihung des Preises für exzellente Lehre fand am 8. September im Festsaal der Österreichischen Akademie der Wissenschaften statt. Prämiert wurden die beiden Weiterbildungsstudien „Neuroorthopädie – Disability Management" und „Bewegungsentwicklung", die Medizin, Therapieberufe, Orthopädietechnik und weitere Gesundheitsberufe gemeinsam ausbilden.
Die Studien setzen an einer Lücke im Gesundheitssystem an. Die Versorgung von Menschen mit komplexen neuromotorischen Erkrankungen erfolgt seit Jahrzehnten interprofessionell, eine gemeinsame Wissens- und Kommunikationsbasis wird in den Grundausbildungen von Medizin, Therapieberufen und Orthopädietechnik jedoch nicht vermittelt. Genau dort setzt das nun ausgezeichnete Lehrkonzept an.
„Gemeinsam mit meinem Team der Universität für Weiterbildung Krems freue ich mich über die Anerkennung unseres Projekts und gleichzeitig meines Lebenswerks, das aus zwei Leidenschaften entstanden ist", sagt Walter Michael Strobl, Studienleiter am Department für Gesundheitswissenschaften, Medizin und Forschung. „Aus der Neugier zu verstehen, wie Menschen vom Säuglingsalter bis ins hohe Alter mit oft nicht heilbaren Nerven- und Muskelerkrankungen so unterstützt werden können, dass sie ein selbstbestimmtes Leben mit schmerzfreier Mobilität und hoher Lebensqualität erreichen. Und aus der Leidenschaft, fachliche, berufliche und staatliche Grenzen zu überwinden und Vortragende wie Studierende in einem Netzwerk mit gemeinsamer Wissens- und Kommunikationsbasis zusammenzuführen."
„Auszeichnungen für Lehre sagen viel darüber aus, wie eine Universität arbeitet. Dass die Anerkennung an Studienangebote gehen, in denen unterschiedliche Berufsgruppen voneinander lernen, freut uns besonders", sagt Univ.-Prof. Dipl.-Ing. Dr. Stefan Oppl, Vizerektor für Lehre und Studierende der Universität für Weiterbildung Krems. „Genau solche Formate brauchen wir, wenn Weiterbildung auf die tatsächlichen Anforderungen im Berufsalltag antworten soll."
Verschränkte Module statt paralleler Fachperspektiven
Die Module beider Studien sind interdisziplinär angelegt: Inhalte, Lehrformate und Prüfungen sind über die Fächer hinweg aufeinander abgestimmt, interprofessionelles Lernen ist damit strukturell im Curriculum verankert. Die Studierenden kommen aus Therapieberufen, Medizin und Orthopädietechnik und arbeiten in gemischten Teams an Fallbeispielen aus therapeutischen, pädagogischen und rehabilitativen Kontexten. Geprüft wird entsprechend über Fallanalysen, Projektarbeiten und Präsentationen statt über abgefragtes Wissen.
Die rund 60 Vortragenden kommen aus dem gesamten deutschsprachigen Raum, einzelne Lehrveranstaltungen finden an Spezialeinrichtungen in Österreich, Deutschland und der Schweiz statt. Aus ihrem Kreis sind seit 2021 drei Lehrbücher entstanden, die ersten deutschsprachigen auf dem Gebiet der Neuroorthopädie. Absolventinnen und Absolventen der ersten Durchgänge gründeten 2014 die Internationale Vereinigung für Neuroorthopädie, um das multiprofessionelle Diskussionsforum über das Studium hinaus fortzuführen. Sie veranstaltet jährliche Mitgliedertreffen und alle zwei Jahre internationale Symposien.
Zwei Studien seit 2009 und 2021
Das Studium „Neuroorthopädie – Disability Management" wurde von Walter Michael Strobl entwickelt und startete 2009. Seither haben neun Durchgänge mit 194 Studierenden aus Österreich, Deutschland, der Schweiz, Israel, Italien und Belgien stattgefunden. Das Studium „Bewegungsentwicklung", entwickelt von Claudia Abel, MSc, und Strobl und weiterentwickelt von Ulrike Stuhlfelder, MSc, startete 2021 und zählt bisher drei Durchgänge mit 49 Studierenden aus Österreich, Deutschland und der Schweiz. Beide Studien starten alle zwei Jahre.
Zum Ars Docendi-Staatspreis
Um die Bedeutung der Lehre im Wissenschaftssystem zu betonen und exzellente Leistungen von Lehrenden zu würdigen, vergibt das Bundesministerium für Frauen, Wissenschaft und Forschung seit 2013 den Ars Docendi-Staatspreis für exzellente Lehre. Er wird jährlich in fünf Kategorien an Lehrende österreichischer Universitäten, Fachhochschulen, Privatuniversitäten und Pädagogischer Hochschulen vergeben. Über die Auswahl entscheidet eine international besetzte Jury.
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