28.01.2026

Wie zufrieden sind die Menschen in Österreich mit ihrer Demokratie? Welche Hebel müssen bewegt werden, um das Vertrauen in politische Institutionen zu stärken? Unter diesen Leitfragen stand der Online-Talk des Alumni-Clubs der Universität für Weiterbildung Krems am 27. Jänner 2026. Knapp 260 Teilnehmerinnen und Teilnehmer verfolgten die Analyse von Univ.-Prof. Dr. Peter Filzmaier und Dr. Katrin Praprotnik, die sie mit aktuellen Daten aus dem „Demokratieradar“ präsentierten.

Alen Vitas, Leitung der Alumni-Kommunikation, eröffnete den Abend und betonte die Aktualität des Themas sowie die Bedeutung des wissenschaftlichen Austauschs in Kooperation mit dem Netzwerk Politische Kommunikation (netPOL). Die Grundlage der Diskussion bildete der sogenannte „Demokratieradar“, eine Monitorstudie im Halbjahresrhythmus, die im Auftrag des Landes Niederösterreichs durchgeführt wird.

Unter der wissenschaftlichen Leitung von Filzmaier und Praprotnik werden auf der Plattform meinlanddenktanmorgen.at regelmäßig Meinungen und Bedürfnisse der Bevölkerung erhoben, um diese kontinuierlich in die Landesentwicklung einfließen zu lassen. Neben dem Demokratieradar als Langzeitstudie werden dort auch Repräsentativbefragungen unter Bürger_innen sowie Erhebungen unter Schüler_innen veröffentlicht, um eine faktenbasierte Grundlage für die politische Zukunft zu schaffen.

Demokratie zwischen Ideal und Realität

Praprotnik erläuterte, dass zwischen der Demokratie als Idealmodell und ihrer konkreten Umsetzung in Österreich eine Lücke klaffe. Während 86 Prozent der Befragten die Demokratie grundsätzlich als beste Regierungsform ansehen, sind nur rund 60 Prozent mit ihrem tatsächlichen Funktionieren in Österreich zufrieden.

Besonders alarmierend sei laut Praprotnik die Entwicklung bei jüngeren Menschen unter 30 Jahren, die das Idealmodell Demokratie seltener bedingungslos unterstützen als ältere Generationen. Zudem zeige sich ein deutlicher Zusammenhang zwischen persönlicher finanzieller Lage und Demokratiezufriedenheit: Wer schwer mit seinem Einkommen auskommt, bewertet auch die Qualität der Demokratie schlechter.

Transparenz und Korruptionsbekämpfung als Priorität

Auch auf die Frage, was sich ändern müsse, zeigten die erhobenen Daten in eine klare Richtung. Ganz oben auf der Wunschliste der Bürgerinnen und Bürger steht die Bekämpfung von Korruption (89 % Zustimmung zu Reformbedarf). Dahinter folgen Forderungen nach mehr Unabhängigkeit der Medien sowie einer transparenteren Entscheidungsfindung der Regierung.

Filzmaier ergänzte die Analyse um strukturelle Reformvorschläge. Er plädierte unter anderem für ein stärker personenorientiertes Wahlrecht nach deutschem Vorbild, um die direkte Bindung zwischen Wählern und Abgeordneten zu erhöhen. Zudem hinterfragte er historisch Verfestigtes wie das Proporzsystem in Landesregierungen, das den Wettbewerb zwischen Regierung und Opposition behindere.

Die Rolle der Partizipation

Einen weiteren Schwerpunkt stellte die direkte Demokratie dar. In der Diskussion wurde darauf hingewiesen, dass Volksbegehren durch die Möglichkeit der digitalen Unterstützung zwar häufiger geworden seien, dadurch aber an öffentlicher Debattenkraft eingebüßt hätten. Filzmaier betonte, dass die historisch begründete Skepsis gegenüber direkter Demokratie heute nicht mehr zeitgemäß sei. Instrumente wie Bürgerbegehren müssten klug weiterentwickelt werden, damit diese nicht nur „Gebildeten und Reichen“ zugutekommen, sondern eine breite Beteiligung ermöglichen.

Die lebhafte Diskussion, die durch zahlreiche Fragen aus dem Chat begleitet wurde, verdeutlichte einmal mehr: Vertrauen in die Demokratie ist kein Selbstläufer. Es braucht ständigen Dialog, transparente Kommunikation und auch den Mut zu strukturellen Reformen.

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