16.01.2026

Die Universität für Weiterbildung Krems übernimmt die Koordination des EU-Forschungsprojekts „Linking Brain, Environment and Ecosystems Through Holistic Omics and Validated Evidence-based Nutrition Guidelines", kurz BEETHOVEN, das im Programm Horizon Europe zur Förderung ausgewählt wurde. Das Projekt überzeugte in der Begutachtung durch seinen innovativen, umfassenden Ansatz und hat hohe gesellschaftliche Bedeutung: Im Mittelpunkt steht die wissenschaftliche Untersuchung des Zusammenhangs zwischen psychisch-geistiger Gesundheit (Mental Health) und Ernährung. Nach wie vor relevante Wissenslücken sollen geschlossen und evidenzbasierte Ernährungsrichtlinien erarbeitet werden. Vom Gesamtbudget 5 Millionen Euro wird rund eine Million nach Niederösterreich fließen.

Psychische Erkrankungen zählen europaweit zu den großen Herausforderungen der öffentlichen Gesundheit. Gleichzeitig mehren sich Hinweise aus der Forschung, dass sowohl Ernährung, als auch das Darmmikrobiom wichtige und beeinflussbare Faktoren sein könnten – sowohl im Hinblick auf Prävention, als auch auf begleitende Unterstützung bei psychischen Belastungen und Therapien. In vielen Fragen ist die Evidenzlage jedoch fragmentiert: Es fehlt an einer integrierten Betrachtung biologischer Mechanismen, klinischer Daten sowie sozialer, ökologischer und ökonomischer Rahmenbedingungen.

Hier setzt dieses Projekt an. „Ziel ist es“, so der Koordinator, Matthias Pilecky, Research Lab for Aquatic Ecosystems and -Health an der Universität für Weiterbildung Krems, „eine robuste wissenschaftliche Grundlage dafür zu schaffen, wie und unter welchen Bedingungen Ernährung psychisches Wohlbefinden beeinflussen kann, welche Empfehlungen sich daraus ableiten lassen und unter welchen Bedingungen diese auch von einer breiten Masse angenommen werden könnten“. Im Fokus sind dabei unter anderem Wechselwirkungen zwischen Mikrobiom und Wirt, die Darm-Hirn-Achse, sowie ökologische und sozioökonomische Faktoren. Langfristig soll die Forschung des Projekts dazu beitragen, praxisnahe Maßnahmen und evidenzbasierte Leitlinien für Gesundheitsförderung und Prävention im Kontext psychischer Gesundheit zu ermöglichen, die weiters auch in europäische Empfehlungen und in den „Food 2030“-Report der Europäischen Union einfließen sollen.

Perspektiven verbinden und Erkenntnisse in die Praxis bringen

Forschung zu Ernährung und psychischer Gesundheit erfolgte bislang häufig in voneinander getrennten Bereichen: Biomedizinische und klinische Studien konzentrieren sich etwa stark auf Mechanismen im Körper, während Public-Health-Forschung soziale Faktoren und Ernährungsmuster untersucht – die Verbindung beider Perspektiven bleibt jedoch häufig unzureichend. Dazu kommen neue Fragen im Kontext von Umweltveränderungen: Wie wirken sich etwa klimabedingte Veränderungen in der Lebensmittelproduktion auf Ernährung und Gesundheit aus? Eine wichtige Innovation des Projekts bestehe darin, so Pilecky, die Auswirkungen des Verlusts der biologischen Vielfalt und des Klimastresses auf die Nährstoffversorgung mithilfe von prädiktiven ökologischen Modellen zu bewerten.

Das Projekt will diese Perspektiven zusammenführen und systematisch auswerten, welche Ernährungsansätze psychische Gesundheit unterstützen können. Nicht nur einzelne Nährstoffe, sondern Ernährungsmuster und deren Rolle für Gesundheit und Wohlbefinden stehen dabei im Mittelpunkt.

Internationales Konsortium mit breiter Expertise

Das von der Universität für Weiterbildung Krems geleitete Konsortium umfasst 14 Partner aus Europa und Israel. Aus Österreich dabei ist auch der WasserCluster Lunz. Der Projektstart ist mit September 2026 geplant, die Laufzeit beträgt vier Jahre. Ein Gesamtbudget von rund 5 Millionen Euro steht zur Verfügung, wovon rund eine Million Euro nach Niederösterreich fließen wird.

Das Konsortium verbindet Expertise aus Gesundheitsforschung, Ernährungswissenschaft, Umwelt- und Ökosystemforschung sowie Public Health. Zu den Partnerinstitutionen zählen unter anderem Universitäten und Forschungseinrichtungen wie die Universitäten von Athen, Bayreuth, Bologna, Jerusalem, Orebrö, Ostfinnland, Reading und Roehampton, das Helmholtz Zentrum für Umweltforschung, IDIAPjGol, SAFE Food Advocacy, sowie das Start-up Unternehmen ANeustart.

Über Horizon Europe

Horizon Europe ist das in drei Säulen organisierte zentrale Förderprogramm der EU für Forschung und Innovation mit einer Laufzeit von 2021 bis 2027. Das weltweit größte, transnationale Programm für Forschung und Innovation verfügt über ein Gesamtbudget von mehr als 93 Milliarden Euro. Es unterstützt den Aufbau einer wissens- und innovationsbasierten Gesellschaft sowie einer wettbewerbsfähigen Wirtschaft und trägt zu einer nachhaltigen Entwicklung bei.

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