Mit einem akademischen Festakt hat die Universität für Weiterbildung Krems am 2. Oktober 2026 erstmals einen Dies Academicus begangen. Im Audimax am Campus Krems erhielten fünf Promovierte der PhD-Studien Regenerative Medicine und Migration Studies ihre Urkunden, außerdem wurden vier Habilitierte und drei ERC-Preisträgerinnen geehrt. Den Festvortrag hielt Prof. em. Dr. Dr. h.c. Antonio Loprieno, langjähriger Präsident der Schweizer Rektor_innenkonferenz Swissuniversities und des Österreichischen Wissenschaftsrates.
„Mit dem heutigen Dies Academicus begehen wir erstmals einen eigenen akademischen Festtag, einen Festtag, der künftig einen besonderen Platz im Universitätsjahr einnehmen soll“, sagte Rektorin Univ.-Prof.in Dr.in Viktoria Weber zur Eröffnung. Der Tag solle die Leistungen der Universitätsangehörigen würdigen und Mitarbeitende aus allen Bereichen zusammenbringen. „Was vor mehr als 30 Jahren als eine bildungspolitische Innovation begann, ist heute ein international anerkanntes Universitätsmodell.“ Die besondere Stärke der Universität liege in der Verbindung von Forschung und Lehre mit beruflicher Praxis. Über mehr als 32.000 Absolventinnen und Absolventen gelangten wissenschaftliche Erkenntnisse direkt in Unternehmen, Verwaltung, Gesundheitswesen, Kultur und Zivilgesellschaft.
Gegenwärtige Entwicklungen in der Künstlichen Intelligenz sieht Weber vor allem als Chance für Forschung und Lehre. Je einfacher sich Inhalte generieren lassen, desto wichtiger würden fachliche Einordnung und wissenschaftlicher Kontext. Zugleich gewinne das persönliche, dialogorientierte Lernen an Bedeutung, für das die Universität mit ihrer Betreuungsrelation und dem Campus als Ort der Begegnung gute Voraussetzungen biete. Für die Zukunft formulierte die Rektorin einen Anspruch: „Universitäten der Zukunft müssen Themen setzen, sie müssen Spielräume nutzen und sie müssen Wirkung entfalten.“ Für die Universität für Weiterbildung Krems bedeute das vor allem, die Themenführerschaft in der wissenschaftlichen Weiterbildung selbstbewusst fortzusetzen.
Neue Aufgaben für Universitäten
Festredner Antonio Loprieno ordnete den ersten Dies Academicus in die Geschichte der europäischen Universitäten ein. Die Universität für Weiterbildung Krems zählt er zu jenen Neugründungen nach 1989, die Hochschulen nicht primär als Bühne wissenschaftlicher Vielfalt verstanden, sondern als Institutionen, die in ein spezifisches Ökosystem eingebettet sind. Sie sei ein besonders gutes Beispiel für eine Universität mit spezifischem Profil.
Die generative KI bezeichnete Loprieno als die größte Umwälzung für den akademischen Betrieb seit Erfindung des Buchdrucks. Die Herausforderung bestehe darin, auch für algorithmisch erzeugtes Wissen Verfahren der Qualitätssicherung zu entwickeln, wie sie in den vergangenen 500 Jahren für gedrucktes Wissen entstanden seien. Die Universität für Weiterbildung Krems sei dafür auf dem besten Weg. „Künftig wird die Universität nicht primär Wissen vermitteln, sondern die Flut an bestehendem Wissen steuern und auch zähmen", so Loprieno. Entscheidend für die weitere Entwicklung sei dabei auch der Ausbau des symbolischen Kapitals einer Universität.
Weil Grundlagenforschung gesellschaftlich nach wie vor höher angesehen sei als ihre Anwendung, gelte es zudem, die erfolgreiche Forschung in Krems weiter auszubauen und zu intensivieren. Die Ehrung der ERC-Preisträgerinnen zeige, dass dies bereits sichtbar werde.
Hinsichtlich Internationalisierung stehen Universitäten laut Loprieno heute vor anderen Fragen als noch vor zehn Jahren. Die geopolitischen Umbrüche hätten die Orientierung am angelsächsischen Modell erschüttert, etablierte internationale Verbindungen könnten zum Sicherheitsrisiko werden. „Mit Amerika verbinden wir jetzt eher Einschränkungen der Wissenschaftsfreiheit als institutionelle Kollaboration im großen Stil.“ Universitäten besännen sich daher wieder stärker auf die Zusammenarbeit mit ihren Nachbarregionen. Österreichische Universitäten und namentlich die Universität für Weiterbildung Krems verfügten dabei mit ihren Beziehungen zu Süd- und Südosteuropa über ein Alleinstellungsmerkmal, auf das sie weiter setzen sollten.
Promotionen, Habilitationen und ERC-Grants
Univ.-Prof. Dr. Stefan Nehrer, MSc, Dekan der Fakultät für Gesundheit und Medizin, stellte die vier Promovierten des PhD-Studiums Regenerative Medicine vor: Kenneth Chen, Denisa Roxana Cont, Jennifer Fritz und Rosa Maria Nothnagel. Den PhD in Migration Studies erhielt Zina Lizanne Fabienne Weisner, vorgestellt von Univ.-Prof.in Dr.in Barbara Brenner, Dekanin der Fakultät für Wirtschaft und Globalisierung.
Senatsvorsitzender Univ.-Prof. Ing. Dr. Clemens Appl, LL.M., würdigte vier neue Privatdozentinnen und Privatdozenten. Noella Edelmann habilitierte sich im Fach Digital Governance of Public Sector Organizations, Liliya Satalkina für Innovationssysteme. Markus Neubauer und Christoph Stotter widmeten sich beide dem Kniegelenk: Neubauer unter anderem Stammzellen aus dem Fettkörper des Knies für die Knorpelbildung, Stotter modernen Verfahren der Kniechirurgie bis hin zur KI-gestützten Vermessung von Ganzbeinröntgen. An einer Universität, deren Studierende aus der Praxis kommen, liege es nahe, an, mit und für die Praxis zu forschen, betonte Appl.
Geehrt wurden zudem drei Forscherinnen aus der Migrationsforschung, die höchst renommierte Grants des Europäischen Forschungsrats eingeworben haben. Assoz. Prof.in Dr.in Heidrun Bohnet untersucht, ob sich die Beziehungen zwischen Gruppen von Geflüchteten in Nordafrika eher in Richtung Solidarität oder Rivalität entwickeln. Assoz. Prof.in Dr.in Lea Müller-Funk erforscht, wie Geflüchtete den Staat auf ihrem Weg wahrnehmen und wie das ihre politische Partizipation beeinflusst. Univ.-Prof.in Dr.in Julia Teixeira Mourão Permoser, MA BS, befasst sich mit ethischen Dilemmata migrantischer Solidarität. Sie war erst zwei Tage zuvor mit dem Niederösterreichischen Wissenschaftspreis ausgezeichnet worden.
Fakultätendialog mit Blick nach vorn
Zum Abschluss diskutierten die drei Fakultätsleitungen über die Rolle der Universität in den kommenden Jahren. Barbara Brenner betonte, dass Studierende in Führungsverantwortung Wissen überall finden, an der Universität aber Orientierung und Raum zur Reflexion suchen. Mag.a Dr.in Eva Maria Stöckler, MA-ME, Dekanin der Fakultät für Bildung, Kunst und Architektur, sieht eine zentrale Aufgabe darin, das Vertrauen in Ergebnisse der Wissenschaft zu stärken. Für Stefan Nehrer bleibt Medizin bei aller Bedeutung von KI eine zutiefst persönliche Auseinandersetzung mit Menschen - die Währung der Zukunft sei nicht Bitcoin, sondern Bildung.
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