Unternehmerischer Erfolg entsteht heute unter zunehmend komplexen Bedingungen. Steigende Kosten, geopolitische Unsicherheiten und strukturelle Veränderungen fordern Unternehmen ebenso wie Gründerinnen und Gründer heraus. Wie sich unter diesen Voraussetzungen erfolgreich agieren lässt, stand im Mittelpunkt des Online-Talks „Unternehmerischer Erfolg in turbulenten Zeiten. Wirtschaftspolitik, Innovation & Wissen“, zu dem der Alumni-Club der Universität für Weiterbildung Krems am 27. April 2026 eingeladen hatte.
Unter der Moderation von Wirtschaftsjournalistin Jeannine Hierländer diskutierten Expertinnen und Experten aus Wissenschaft und Praxis: Vizerektor Univ.-Prof. Mag. Mag. Dr. Daniel Varro, Unternehmerin Dr. Gertraud Leimüller, MPA, sowie die Unternehmer und Alumni Lorenz Graeff, MBA, und Maximilian Welzenbach, MSc. Die Diskussion spannte dabei den Bogen von individuellen Gründungsmotiven über wirtschaftspolitische Rahmenbedingungen bis hin zur Rolle von Innovation und Wissen in Zeiten anhaltender Unsicherheit.
Gründen als Chance
Dass auch in wirtschaftlich angespannten Zeiten gegründet wird, ist kein Widerspruch, sondern Ausdruck unternehmerischer Dynamik. Die Diskussion zeigte, dass persönliche Motive wie Eigenverantwortung und die Möglichkeit, eigene Ideen umzusetzen, zentrale Treiber bleiben. Finanzielle Anreize stehen dabei oft nicht im Vordergrund, vielmehr geht es um Selbstbestimmung und die Chance, aktiv an Lösungen für aktuelle Herausforderungen mitzuwirken.
Gleichzeitig wurde deutlich, dass sich die Rahmenbedingungen verschoben haben. Während viele Gründungsprojekte zunächst unabhängig von konjunkturellen Entwicklungen entstehen, geraten Unternehmen spätestens in der Wachstumsphase stärker unter Druck. Unsichere Märkte, zurückhaltender Konsum und insbesondere eingeschränkter Zugang zu größerem Risikokapital erschweren die Skalierung. Gerade hier zeigt sich, dass Krisen nicht unbedingt die Gründung selbst verhindern, wohl aber den weiteren Entwicklungspfad entscheidend beeinflussen.
Hinzu kommt, dass unternehmerischer Erfolg eng mit Lernfähigkeit verknüpft ist. Die Bereitschaft, Annahmen zu hinterfragen, Fehler zu akzeptieren und Ideen weiterzuentwickeln, wurde von allen Diskutierenden als wesentliche Voraussetzung hervorgehoben. Unternehmerisches Handeln ist damit weniger ein linearer Prozess als vielmehr ein kontinuierliches Anpassen an neue Gegebenheiten.
Hürden und Hebel für den heimischen Standort
Die Diskussion machte auch deutlich, dass wirtschaftspolitische Rahmenbedingungen eine zentrale Rolle für unternehmerische Entwicklung einnehmen. Vizerektor Daniel Varro verwies in diesem Zusammenhang darauf, dass Österreich in den vergangenen Jahren wirtschaftlich an Dynamik verloren habe. Bei gleichzeitig wachsender Bevölkerung bedeute dies einen spürbaren Rückgang des Wohlstands pro Kopf.
Varro betonte zudem, dass für unternehmerischen Erfolg vor allem drei Faktoren entscheidend seien: Kapital, Arbeitskräfte und Produktivität. Während Letztere vergleichsweise stabil sei, bestehe insbesondere beim Zugang zu Wachstumskapital deutlicher Aufholbedarf, vor allem in späteren Unternehmensphasen. Gleichzeitig sei weniger die Höhe von Steuern ausschlaggebend als deren Komplexität. Vereinfachte, nachvollziehbare Regelungen könnten hier unmittelbare Wirkung entfalten.
Impulse für unternehmerisches Handeln
Neben strukturellen Fragen rückte vor allem die Bedeutung von Austausch und neuen Perspektiven in den Mittelpunkt. Gerade Universitäten bieten hier wichtige Räume für Dialog und Reflexion, in denen unterschiedliche Perspektiven aus Wissenschaft und Praxis evaluiert und zusammengeführt werden. In einem Umfeld, das von raschen technologischen und wirtschaftlichen Veränderungen geprägt ist, gewinnen solche Orte zunehmend an Bedeutung.
Der Online-Talk verdeutlichte, dass unternehmerischer Erfolg in turbulenten Zeiten nicht einfach auf einzelne Faktoren zurückzuführen ist, sondern aus dem Zusammenspiel von Rahmenbedingungen, individuellen Kompetenzen und der Fähigkeit zur Anpassung und Weiterentwicklung entsteht. Diese wird auch durch akademische Weiterbildung unterstützt, die neue Impulse für unternehmerisches Handeln setzt, indem sie den Transfer aktueller Forschungserkenntnisse in die Praxis fördert.
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