Aktive Migrationspolitik wesentlich für Österreichs Wirtschaftswachstum und Innovation

Vor allem hochqualifizierte Migration müsse gefördert werden - Studienautorin Gudrun Biffl warnt vor Erschwerung grenzüberschreitender Mobilität

07.02.2017

Krems (kpr). Zuwanderung sowie Abwanderung beeinflussen das Innovationspotenzial und damit die zukünftige wirtschaftliche Entwicklung Österreichs stark, so eine kürzlich veröffentlichte Studie der Donau-Universität Krems zur österreichischen Migrationspolitik.

"Vor allem die hochqualifizierte Migration wirkt sich stark auf die Innovationskraft unseres Landes aus", sagt Studienautorin Univ.-Prof. Dr. Gudrun Biffl, die Leiterin des Departments für Migration und Globalisierung an der Donau-Universität Krems. Eine aktive und geplante Migrationspolitik sei daher zentral, "und zwar nicht nur im Hinblick auf den gesellschaftlichen Zusammenhalt, sondern auch mit Blick auf die wirtschaftlichen Veränderungen, die durch die Digitalisierung und Alterung der Gesellschaft zu erwarten sind", so Biffl. Vorgeschlagen wird dabei ein Migrations-Monitoring-System.

In der vom Innenministerium geförderten Studie, die auch eine umfassende Analyse der wichtigsten Herkunftsregionen und -länder beinhaltet, wird die Position Österreichs anhand eines Migration Scoreboards bestimmt. Demnach zieht Österreich – noch stärker auch die USA und Deutschland – eher gering qualifizierte Zuwanderung an. Attraktiv für Hochqualifizierte waren hingegen Australien, Neuseeland, Kanada sowie Irland und Großbritannien (vor der Brexit-Entscheidung).

Aufholbedarf im Bereich Innovation

Im Bereich Innovation liegt Österreich derzeit lediglich im Mittelfeld. Dies sei vor allem im Hinblick auf die Digitalisierung und die damit verbundenen Veränderungen problematisch. Entwickelt werden dabei in Bezug auf Migration zwei Szenarien: Für das kurz- bis mittelfristig angelegte sozial abgefederte Wachstums- und Beschäftigungskonzept solle Österreich Brücken in potenzielle Herkunftsländer bauen – beispielsweise indem das duale Ausbildungssystem quasi exportiert wird –, um so die Produktionsmöglichkeiten in unseren Nachbarländern zu verbessern und die Zuwanderung nach Österreich einzuschränken.

Auch für das zweite, langfristig gedachte Szenarium, müssten bereits jetzt die Weichen gestellt werden; hier bräuchte man höchstqualifizierte Zuwanderung – insbesondere von ForscherInnen –, um Anschluss an die Innovationsführer in Europa und Übersee zu finden. "Dafür müssen wir eine Umgebung schaffen, in der die innovativen Köpfe aus Österreich wie auch aus dem Ausland gute Arbeits- und Lebensbedingungen vorfinden", betont Biffl. Wichtig dafür sei es, die Bürokratie abzubauen und die Zuwanderung von hochqualifizierten MigrantInnen sowie von Schlüsselarbeitskräften zu erleichtern.

Regierungspläne teilweise kritisch beurteilt

Die derzeitigen Regierungspläne, die grenzüberschreitende Mobilität zu erschweren, sieht die Studienautorin kritisch. "Wenn man Mobilität behindern will, so muss gerade unter dem herrschenden Kostendruck unser System der Altenpflege neu gedacht werden", warnt die Expertin für Migration an der Donau-Universität Krems – und dies sei nur eines von vielen Beispielen dafür, wie wichtig Migration für die österreichische Wirtschaft und Gesellschaft sei: "Wer nur die absoluten Zahlen in den Blick nimmt, übersieht leicht die vielfältigen Zusammenhänge!"

Wie wichtig aktive Migrationspolitik ist, zeigt sich auch in Bezug auf die Fluchtmigration, die derzeit die öffentliche Wahrnehmung dominiert. Eine starke Fluchtzuwanderung, wie sie im Jahr 2015 stattgefunden hat, bedeutet dabei zumindest kurzfristig eine budgetäre Belastung. Langfristig könnten sich jedoch auch hier positive Effekte für die Innovationskraft des Landes ergeben – dafür brauche es Deutschkurse, Weiterbildung und durchdachte Anreizsysteme, durch die beispielsweise die Abwanderung in ländlichen Gebieten bekämpft werden könnte. "Zudem ist hier klar darauf zu verweisen, dass eine umfassende und aktive Migrationspolitik eben nicht nur aus wirtschaftlicher Sicht beurteilt werden kann, sondern auch humanitäre Ziele verfolgt und im Einklang mit internationalen Prinzipien stehen muss", betont Biffl und verweist in diesem Zusammenhang auch auf die Anfang 2016 veröffentlichte Studie des Departments für Migration und Globalisierung der Donau-Universität Krems zum Thema "Ökonomische Zuwanderung von Flüchtlingen nach Österreich".

(07.02.17) 4.431 Zeichen (inkl. Leerzeichen)

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