Beschreibung
Bei Migrationsentscheidungen werden politische Akteure häufig mit ethischen Dilemmata konfrontiert. Es gibt jedoch keine systematische vergleichende Studie darüber, wie politische Akteure unter realen Umständen auf ethische Dilemmata reagieren, und es fehlt eine Theorie zur Erklärung der Faktoren, die ihre Entscheidungen beeinflussen, und der Auswirkungen, die diese Entscheidungen auf ihre politische Identität haben. MIGSOL stellt daher die Frage: Wie reagieren politische Akteure, wenn sie mit schwierigen ethischen Dilemmata konfrontiert werden, warum entscheiden sie sich für diese Art der Reaktion und mit welchen Konsequenzen für ihr normatives Selbstverständnis? Mit dieser Fragestellung bricht das Projekt mit traditionellen Ansätzen, indem es den Untersuchungsgegenstand von Konflikten zwischen verschiedenen moralischen Visionen über Migration (z.B. Befürworter vs. Gegner offener Grenzen) auf die internen Widersprüche verlagert, die innerhalb derselben moralischen Vision entstehen. Diese Verschiebung der Perspektive eröffnet eine völlig neue Agenda für die empirische Forschung und erfordert einen anderen Ansatz für die Theoriebildung über die Auswirkungen von Werten in der Politik. Der innovative Ansatz der politischen Soziologie von MIGSOL wird die Auswirkungen von akteurszentrierten, institutionellen und politischen Faktoren auf die Entscheidungsfindung in Dilemmas untersuchen. Dieser Ansatz wird durch eine global vergleichende Studie der ethischen Dilemmata umgesetzt, mit denen fünf Arten von Akteuren - nationale politische Akteure, lokale politische Akteure, Gewerkschaften, religiöse Organisationen und Unterstützer von Bewegungen - konfrontiert sind, die sich in politischen Maßnahmen und Praktiken der Solidarität mit irregulären und prekären Migranten in zehn politischen Kontexten engagieren: Brasilien, Spanien, USA, Hongkong, Taiwan, Belgien, Jordanien, Deutschland, das Darien Gap (Kolumbien/Panama) und die Ukraine. Auf der Grundlage dieses höchst originellen und ehrgeizigen globalen Vergleichs wird MIGSOL Neuland betreten, indem es eine empirisch fundierte Theorie der Entscheidungsfindung unter dilemmatischen Umständen aufstellt, die für all diejenigen von Bedeutung sein wird, die sich für das Verständnis der Determinanten moralischer Urteile interessieren, und zwar weit über den Bereich der Migrationsstudien hinaus.
Details
| Projektzeitraum | 01.10.2026 - 30.09.2031 |
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| Fördergeber | EU |
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| Projektverantwortung (Universität für Weiterbildung Krems) | Univ.-Prof. Dr. Julia Teixeira Mourao Permoser, MA BS |