08.07.2026

Vor 20 Jahren wurde mit dem Universitätslehrgang „Akademische:r Expert:in Gartentherapie“ ein Meilenstein für die Entwicklung der Gartentherapie im deutschsprachigen Raum gesetzt. Was 2006 als innovative Idee der Österreichischen Gartenbau-Gesellschaft (ÖGG) begann, hat sich zur längsten durchgehend bestehenden akademischen Weiterbildung für Gartentherapie im deutschsprachigen Raum entwickelt. Der Lehrgang wird heute in Kooperation der Universität für Weiterbildung Krems und der Hochschule für Agrar- und Umweltpädagogik durchgeführt und verbindet wissenschaftliche Erkenntnisse mit praxisorientierter Ausbildung. Der Lehrgang wir berufsbegleitend am Wochenende abgehalten, dauert 4 Semester mit 60 ECTS.

Gartentherapie nutzt Pflanzen, Gärten und gärtnerische Tätigkeiten gezielt zur Förderung der körperlichen, psychischen, sozialen und kognitiven Gesundheit. Sie ergänzt medizinische, therapeutische, pflegerische und pädagogische Maßnahmen und gewinnt angesichts des demografischen Wandels, steigender psychischer Belastungen und des zunehmenden Bewusstseins für die gesundheitsfördernde Wirkung der Natur kontinuierlich an Bedeutung. Der Lehrgang vermittelt wissenschaftlich fundiertes Wissen ebenso wie umfangreiche Praxiserfahrung und qualifiziert die Absolvent:innen für den professionellen Einsatz gartentherapeutischer Interventionen in unterschiedlichsten Berufsfeldern.

„Seit dem ersten Lehrgang wurden 12 Lehrgänge erfolgreich durchgeführt und mehr als 200 Absolvent:innen weitergebildet. Die Teilnehmenden kommen aus den Grundberufen Medizin, Therapie, Psychologie, Pflege, Pädagogik, Sozialer Arbeit und Gartenbau. Diese interdisziplinäre Zusammensetzung ist ein wesentliches Merkmal des Lehrgangs und ermöglicht den fachübergreifenden Austausch zwischen Gesundheits-, Bildungs-/ Sozialberufen und dem Gartenbau.“ Lehrgangsleiterin DI.in Birgit Steininger, BEd.

20 Jahre Gartentherapie
©
Karoline Meixner Katzmann

Von Beginn an war die Weiterbildung international ausgerichtet. Teilnehmende und Referent:innen aus Österreich, Deutschland, der Schweiz und Italien prägen den wissenschaftlichen und praktischen Diskurs und tragen zur kontinuierlichen Weiterentwicklung der Gartentherapie im europäischen Raum bei.

Die nachhaltige Wirkung des Lehrgangs zeigt sich besonders eindrucksvoll in den vielfältigen Tätigkeitsfeldern seiner Absolvent:innen. Sie haben gartentherapeutische Angebote in psychiatrischen Einrichtungen, Krankenhäusern, Pflegeeinrichtungen, Schulen, Ausbildungszentren und sozialen Organisationen aufgebaut und weiterentwickelt. Zu den erfolgreichen Praxisbeispielen zählen unter anderem die Gartentherapie an der Klinik Hietzing, insbesondere an den psychiatrischen Abteilungen, sowie die Implementierung gartentherapeutischer Angebote am Therapiezentrum Ybbs. Weitere Absolvent:innen initiierten innovative Projekte wie das mobile Hochbeet FRIDA, entwickelten Angebote im Sozialdienst Mostviertel, engagieren sich bei LOK – Leben ohne Krankenhaus mit den Projekten LOK (Leben ohne Krankenhau) Sophienalpe und LOK unverblümt oder fördern Jugendliche in der Lehrwerkstätte Young Flowers am Niederösterreichischen Sozialpädagogischen Betreuungszentrum Hollabrunn.

Auch über die unmittelbare Praxis hinaus leisten Absolvent:innen wichtige Beiträge zur Weiterentwicklung des Fachgebiets. So veröffentlichte die Absolventin Christina Holländer-Pukal, MSc das Fachbuch „Pflanzen zeichnen und malen, dass die Verbindung von Natur, Kreativität und therapeutischer Arbeit aufgreift und neue Impulse für die praktische Anwendung gibt.

Die hohe fachliche Qualität des Lehrgangs zeigt sich auch in der aktiven Mitwirkung seiner Absolvent:innen an wissenschaftlichen Forschungsprojekten. So waren Gartentherapeut:innen des Lehrgangs am Forschungsprojekt „Vitamin G – Die gesundheitsfördernde Wirkung von Gartentherapie bei stationären Patient:innen“ an der Medizinischen Universität Wien und dem Universitätsklinikum AKH Wien beteiligt. Im Rahmen des Projekts wurde untersucht, welchen Einfluss strukturierte gartentherapeutische Interventionen auf das psychische und körperliche Wohlbefinden hospitalisierter Patient:innen haben. Ziel war es, die positiven Effekte von Naturkontakt, Pflanzen und gärtnerischer Betätigung wissenschaftlich zu erfassen und die Gartentherapie als evidenzbasierte, gesundheitsfördernde Maßnahme im klinischen Setting weiter zu etablieren.

Auch an der Klinik Hietzing gestalten Absolvent:innen des Lehrgangs die wissenschaftliche Weiterentwicklung der Gartentherapie aktiv mit. Seit 2020 steht den Patient:innen der 2. Psychiatrischen Abteilung ein zentral gelegener, großzügig angelegter Therapiegarten als Therapie-, Erholungs- und Begegnungsraum zur Verfügung. Aufbauend auf dieser langjährigen Erfahrung wird derzeit das vom Medizinisch-Wissenschaftlichen Fonds des Bürgermeisters der Stadt Wien geförderte Forschungsprojekt „Garten als Therapie- und Begegnungsraum – Wissenschaftliche Evaluation der heilsamen Wirkung eines Therapiegartens in der psychiatrischen Tagesklinik“ durchgeführt. Im Mittelpunkt der Studie steht die Frage, wie sich Gartentherapie auf Menschen mit Depressionen, Angststörungen und anderen psychischen Erkrankungen auswirkt und welchen Beitrag der Therapiegarten zur psychischen Stabilisierung, zur Förderung von Gesundheit und Wohlbefinden sowie zur sozialen Begegnung und Entstigmatisierung leisten kann. Mit ihrem Engagement in Forschungsprojekten tragen Absolvent:innen wesentlich dazu bei, die Wirksamkeit der Gartentherapie wissenschaftlich zu belegen und ihre Anerkennung als evidenzbasierte therapeutische Methode weiter zu stärken.

Das 20-jährige Jubiläum ist Anlass, auf zwei erfolgreiche Jahrzehnte zurückzublicken und gleichzeitig den Blick nach vorne zu richten. Die enge Zusammenarbeit von Wissenschaft und Praxis, die Interdisziplinarität sowie die internationale Vernetzung bilden die Grundlage dafür, die Gartentherapie auch künftig weiterzuentwickeln und ihren Beitrag zu Gesundheit, Lebensqualität und gesellschaftlicher Teilhabe weiter auszubauen.

Mit mehr als 200 Absolvent:innen, 12 erfolgreich durchgeführten Lehrgängen und einer starken internationalen Vernetzung steht der Universitätslehrgang „Akademische:r Expert:in Gartentherapie“ seit 20 Jahren für Qualität, Innovation und die Überzeugung, dass Natur ein unverzichtbarer Partner für Gesundheit, Bildung und soziale Teilhabe ist.

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