09.11.2022

Interview

Im Gespräch mit Mag. (FH) Monika Fuchs, MSc, Head of Human Resources bei Merkur Versicherung über Karriereschritte, Kommunikation auf Augenhöhe und die Freude am Studieren und Lehren.

Hatten Sie eine Karriere im HR-Bereich geplant?

Nein, natürlich nicht. Während ich Marketing auf der FH Campus02 studierte, hatte ich nicht im Sinn im HR-Bereich zu arbeiten. Das hat sich ergeben. Allerdings war ich schon beim Verfassen meiner ersten Diplomarbeit, meiner Magistra-Arbeit, mit dem Thema Personalwerbung in Berührung gekommen. Damals dachte ich mir zum ersten Mal, dass Marketing und HR sehr wohl etwas miteinander zu tun haben. Denn wenn der Fachkräftemangel so kommt, wie er sich schon damals abgezeichnet hat, wird es notwendig sein, aktiv um Fachpersonal zu werben. Das war damals keine gängige Meinung, aber es hat sich tatsächlich bestätigt.
 

Ihre erste berufliche Station führte Sie in den Lebensmitteleinzelhandel, wo Sie bei Hofer zu arbeiten begannen. Was waren Ihre Beweggründe für diesen Schritt?

Nach meinem Studienabschluss begann ich bei Hofer als Regionalleiterin/Area Sales Managerin Manager zu arbeiten. Mir war bewusst, dass diese Position sehr anspruchsvoll und zeitintensiv ist, aber ich wollte von Anfang an Verantwortung tragen. Dort habe ich auch die Grundlagen des Personalmanagements kennen gelernt - von der Personalplanung bis zur Abrechnung, Kollektivvertragsanwendung, Stundenauszahlung, Recruiting und Vertragswesen. Das war die perfekte Basis für das HR-Management, vor allem auf organisatorischer Basis. Mit der Unternehmenskultur konnte ich mich allerdings nicht vollständig identifizieren. Es wurde stark über Druck gearbeitet und den MitarbeiterInnen wenig Individualität zugestanden. Letztendlich entschied ich mich gegen diese  Unternehmenskultur und verließ das Unternehmen. Für mich war es schon damals wichtig, Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern auf Augenhöhe zu begegnen, sie zu fördern und zu unterstützen, ihre Sichtweisen und Ideen in das Unternehmen einzubringen und sie zu wertschätzen
 

Sie haben dann in eine ganz andere Branche gewechselt, diesmal mit klarem Fokus auf die HR-Agenden und internationalem Hintergrund.

Mein zweiter Schritt war spannend, weil ich wirklich von heute auf morgen ausgestiegen bin. Ich wollte mir die Welt anschauen und wollte ins Ausland. Ich hatte einige Jobangebote in verschiedenen Ländern, darunter zwei Jobangebote in Österreich, wobei eines einen internationalen Hintergrund hatte. In dieser Zeit lernte ich auch meinen heutigen Mann kennen. Damals sagte ich mir, wenn das Jobangebot mit internationalem Hintergrund in Österreich aufgeht, bleibe ich in Österreich. So ist es gekommen, dass ich als Senior Recruiter und als HR Generalistin bei der damaligen ATRONIC (heute IGT, International Game Technology) begann. Angezogen hatte mich neben der Internationalität des Unternehmens das Thema Recruiting und Mitarbeiterwerbung. Damals begann man, Personal durch Werbung anzusprechen und sich über Employer Branding Gedanken zu machen. Das passte gut mit meiner ursprünglichen Idee zusammen und der HR-Bereich hatte mir schon in meinem vorherigen Job sehr gefallen. Ich arbeitete drei Jahre international und war für die USA sowie einigen europäischen Ländern tätig. In dieser Zeit entwickelte ich mich zur HR-Generalistin. 

„Neben der Internationalität des Unternehmens sprachen mich die Themen Recruiting & Mitarbeiterwerbung an. Damals begann man, sich über das Thema Employer Branding Gedanken zu machen.“

Mag.(FH) Monika Fuchs, MSc

Absolventin & Vortragende - Personalmanagement, Führung und Organisation, MSc

Schließlich bekamen Sie das Angebot von der damaligen Porzellanfabrik Frauenthal als Personalleiterin, die Personalabteilung aufzubauen.

Ja, genau. So wagte ich den Schritt in die verarbeitende Industrie und begann dort als Personalleiterin. Nach sechs Monaten wurde das Unternehmen von einem japanischen Konzern gekauft und plötzlich stand ich als neue Personalleiterin und Prokuristin mitten in einem Due Diligence-Prozess. Das war wirklich spannend! So viel wie ich in dieser Zeit gelernt habe, habe ich nie wieder gelernt.
 

Was haben Sie in dieser Zeit gelernt?

Was es tatsächlich bedeutet, in M&A-Projekten tätig zu sein. Ich lernte, wie ein und wie ein Due Diligence-Prozess konkret ablief. Welche Vielzahl an betriebswirtschaftlichen Entscheidungen getroffen werden müssen, wie kalkuliert wird und welche kulturellen Komponenten dabei eine Rolle spielen. Als schließlich die Japaner das Unternehmen kauften, hatte ich das Glück, dass das japanische Management einen sehr guten Kontakt zu mir gefunden hatte und ich die Kontaktperson nach Japan wurde. Ich begleitete den gesamten Integrationsprozess über fast zehn Jahre und beschäftigte mich nicht nur mit HR und Communications, sondern übernahm dann auch den Bereich strategische Finanzen und IT. Ich wurde sogar Compliance Beauftragte. Ich hatte eine große Chance bekommen und habe sie genützt. Durch den intensiven Kontakt mit dem japanischen Management und den vielen Fragen, die sie stellten, lernte ich selbst das Unternehmen sehr gut kennen.
 

Ich frage mich gerade, welche Karriereschritte Sie noch gehen werden. Sie sind für mich eine Führungskraft mit generalistischem Blick. Sie haben nicht nur die HR-Perspektive, sondern auch die Unternehmensperspektive.  

Ich wollte tatsächlich mein altes Unternehmen nicht verlassen, aber ich merkte, dass ich eine Pause brauchte. Wir hatten einen sehr harten Veränderungsprozess mit einem Sozialplan durchlebt. Ich wollte noch ein Studium beginnen. Der langjährige Geschäftsführer wurde schließlich durch einen japanischen Manager abgelöst, mit dem ich mich sehr gut verstand. Wir haben sehr intensiv und gut zusammengearbeitet. Ihn bat ich schließlich um Bildungskarenz, um mein Masterstudium in Personalwesen, Führung und Organisation an der Universität für Weiterbildung Krems zu beginnen. Ich wollte das, was ich schon jahrelang in der Praxis machte, auf weitere professionelle Beine stellen und mich an einer Universität weiterbilden. Mir war klar, dass ein neues Zeitalter mit neuen Themen wie Artificial Intelligence, neue Recruiting-Methoden durch Social Media und noch mehr Fachkräftemangel auf uns zukommt. Mein damaliger Chef hat diesen Schritt unterstützt und mir in Aussicht gestellt, nach dem Studium in das Unternehmen zurückzukehren, was ich mir offengelassen habe.
 

Warum haben Sie sich für ein Weiterbildungsstudium an einer Universität entschieden?

Die universitäre Ausbildung bietet die Möglichkeit sich intensiv und auf hohem Niveau mit aktuellen Themen auseinander zu setzen und neue Impulse für die eigene Berufstätigkeit zu gewinnen. Ich bin ein Fan von wissenschaftlichen Arbeiten, ich bin ein Fan der Lehre. In meinem Masterstudium hatte ich wieder Raum, mich übergeordneten, neuen HR-Themen zu widmen, während ich in meiner Berufstätigkeit stark in operative HR Themen eingebunden und auf nur auf das eine Unternehmen fokussiert war. Das Weiterbildungsstudium bot auch die Möglichkeit, das Gelernte zu reflektieren und sich mit den Mitstudierenden auszutauschen. Mir hat der Studiengang genau das gebracht, was ich gesucht habe: das neue Feuer in mir.
 

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„Ich wollte das, was ich in der Praxis machte, auf weitere professionelle Beine stellen und mich an einer Universität weiterbilden. Mir war klar, dass ein neues Zeitalter mit neuen Themen wie Artificial Intelligence, neue Recruiting-Methoden durch Social Media und noch mehr Fachkräftemangel auf uns zukommt.“

Mag.(FH) Monika Fuchs, MSc

Absolventin & Vortragende - Personalmanagement, Führung und Organisation, MSc

Wie ist es nach dem Master-Studium Personal, Führung und Organisation weitergegangen?

Ganz anders als geplant. Mein damaliger japanischer Chef verstarb plötzlich aufgrund eines Herzinfarkts. Das war für mich nach fast zehn Jahren auch der finale Abschluss bei der damaligen IBIDEN Ceram. Es war für mich an der Zeit, etwas Neues zu beginnen. Mein nächster Schritt führte mich zu Merkur Versicherung, wo ich im Mai 2020 die HR-Konzern-Agenden übernommen habe - mitten im ersten Jahr der Corona-Pandemie. Das war spannend und herausfordernd, auch weil ich zwei kleine Kinder habe und ich mich mitten im Homeschooling wiederfand. Zusätzlich habe ich meine Bildungskarenz abgebrochen und mein Studium neben der neuen Vollzeittätigkeit finalisiert. Ich konnte allerdings meine Masterarbeit für das Unternehmen schreiben und das hatte einen doppelten positiven Effekt, für mich und die Merkur Versicherung.

Mittlerweile bin ich sehr gut angekommen und wir sind  aktuell sicher eines der Unternehmen, die das Thema „New Work“ sehr stark leben. Das HR Management modern aufzustellen, den Kulturwandel aktiv mitzugestalten und das Unternehmen als Employer of Choice im Sinne von New Work zu positionieren, macht sehr viel Spaß. Aus meinem vorigen Job habe ich den umfassenden betriebswirtschaftlichen Blick mitgenommen. Ich denke nicht nur „HR“, sondern immer Gesamtbetriebswirtschaftlich. Ich arbeite sehr gerne mit den anderen Abteilungen zusammen. Wir haben einen sehr guten Austausch untereinander und den richtigen Drive, um etwas bewegen zu können.
 

Was hat Sie in Ihrem beruflichen Werdegang angetrieben? Was motiviert Sie?

Ich habe das Vertrauen, etwas Gutes leisten zu können in meinem Leben. Ich arbeite sehr gerne mit Menschen und liebe es, Menschen und Unternehmen zu entwickeln. Ich bringe mich gerne in einem Umfeld ein, indem Menschen gut aufgenommen werden und gemeinsam Großartiges leisten können.

Das finde ich in meinem aktuellen Job bei Merkur Versicherung auch. Wir sind auf einem sehr guten Weg und ich habe das Gefühl, mich gut mit meinen Fähigkeiten einbringen zu können, aber auch noch viel vor allem in der Branche, die für mich neu war, lernen zu können.

„Wir sind aktuell eines der Unternehmen, die das Thema „New Work“ sehr stark leben. Das HR Management modern aufzustellen, den Kulturwandel aktiv mitzugestalten und das Unternehmen als Employer of Choice im Sinne von New Work zu positionieren, macht mir viel Spaß.“

Mag.(FH) Monika Fuchs, MSc

Absolventin & Vortragende - Personalmanagement, Führung und Organisation, MSc

Was demotiviert Sie?

Mich frustrieren Menschen, die ihr eigenes Ego über alles andere stellen. Denen begegnet man leider immer wieder. Und mich ärgern Führungskräfte, die nicht leben, was sie versprechen. Grundsätzlich lasse ich mich aber nicht so schnell demotivieren.
 

Hatten Sie ein Karriereziel?

Nein. Mir war es wichtig, meine Fähigkeiten gut einzusetzen, aber auch weiterentwickeln zu können. Ich wurde einmal gefragt, warum ich aus der Position der „Stellvertretenden Geschäftsführerin“ in eine HR-Position „zurückgestiegen“ bin. Das sehe ich überhaupt nicht so.

Ich treffe meine Berufswahl nicht im Hinblick auf einen reinen Karriereschritt, sondern suche immer Herausforderungen, wo ich mich sehr gut einbringen kann und ich zusätzlich für mich einen Lerneffekt sehe. Die Versicherungsbranche war mir völlig fremd und auch, wie divers sich ein Unternehmen in dieser Branche aufstellen kann. Es ist beeindruckend. Zudem darf ich die HR-Konzern-Agenden für 1700 Personen in vier verschiedenen Ländern leiten und eine Kulturbewegung begleiten. Das ist großartig.
 

Sie sind vor kurzem einen weiteren Schritt gegangen und unterrichten seit einiger Zeit im Masterlehrgang PFO an der UWK. Sie haben so zu sagen, die Seiten gewechselt: Von der Studierenden zur Lehrenden. Wie geht es Ihnen beim Unterrichten?

Das Unterrichten macht mir sehr viel Spaß und gibt so viel Energie!  Als Absolventin des Lehrgangs eine Vorlesung halten zu dürfen, ist ein sehr schönes Erlebnis.  Ich liebe diese Expertise des Austausches: Meine berufliche Erfahrung einzubringen, die Erfahrungen der Studierenden kennen zu lernen und diese in einen wissenschaftlichen Kontext zu stellen, um darüber zu diskutieren. Das gibt mir sehr viel Kraft und Motivation.

„Mir hat der Studiengang genau das gebracht, was ich gesucht habe: das neue Feuer in mir.“

Mag.(FH) Monika Fuchs, MSc

Absolventin & Vortragende - Personalmanagement, Führung und Organisation, MSc

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