Im Zentrum der Mensch

AbsolventInnenporträt im Magazin "upgrade"

13.07.2015

Renate Sohm ist Leiterin der Organisationsentwicklung bei einem der größten Krankenhausträger Österreichs. Ihr Motto: „Im Zentrum allen Tuns steht der Mensch.“ Sie weiß, wie wichtig der offene und respektvolle Umgang mit sich selbst und anderen ist, um Veränderungen zu bewirken.

Renate SohmDienstag und Samstag, jeweils 20.00 Uhr, Tanzkurs: In Renate Sohms Kalender stehen nicht nur  berufliche Termine, sie versucht sich bewusst auch die privaten so zu organisieren, dass diese nicht zu kurz kommen. „Die Vereinbarkeit von Beruf und Familie war mir immer schon sehr wichtig und ist, denke ich, die Basis für ein erfülltes Leben. Deswegen sind das Fixpunkte, die genauso Priorität haben wie Meetings und Projekttermine.“ Organisation ist für die heute 52-Jährige ein Thema, das sie auch  beruflich im Fokus hat. Als Leiterin der Organisationsentwicklung in der Oberösterreichischen Gesundheits- und Spitals-AG (gespag), Oberösterreichs größtem Krankenhausträger, ist sie heute für Struktur- und Prozessänderungen zuständig. Eine Arbeit, die ihr große Freude macht, sie aber auch immer vor neue Herausforderungen stellt: „In der heutigen Zeit ist die schnelle Folge von Veränderungen in Unternehmen oft ein schwieriges Thema. Man muss daher die Steuerungsprozesse und vor allem die Bedürfnisse der Menschen gut im Blick behalten. Dass ich diese Aufgabe im Krankenhausmanagement mitgestalten darf, ist für mich besonders bereichernd und sinnstiftend.“

Entwicklungspotenziale im Blick behalten

Für den Gesundheitsbereich hat sich die ausgebildete Einzelhandelskauffrau schon als junge Frau interessiert. Den Einstieg ermöglichte ihr damals die freiwillige Arbeit im Rettungsdienst. „Zuerst war ich als Notfallsanitäterin tätig, später wurde mir eine Stelle als Lehrbeauftragte beim Samariterbund in Linz angeboten.“ Bei allen großen Veränderungen und bei Entscheidungen, die Renate Sohm sich in ihrem Leben setzt, stellt sie sich immer wieder die gleiche Frage, die sich sehr bewährt hat, wie sie erzählt: „Wo stehe ich aktuell, was sind meine Stärken und wo gibt es noch Entwicklungspotenzial. Diese Auseinandersetzung mit mir selbst hat mich immer einen Schritt weiter gebracht.“ Das Studium der Pädagogik mit Schwerpunkt Evaluation in Salzburg war einer davon – und ermöglichte ihr den Eintritt in das Krankenhaus der Barmherzigen Schwestern in Linz, wo sie an Mitarbeiter- und Patientenbefragungen bzw. klinischen Studien mitarbeitete. 2003 übernahm sie dann das regionale Qualitätsmanagement für die Krankenhäuser Enns, Steyr und Kirchdorf und koordinierte zwischen 2011 und 2013 die Umsetzung der Spitalsreform II in der gespag.

Managementaufgaben in Theorie und Praxis

Im Alter von 46 Jahren war es für Renate Sohm dann an der Zeit, den nächsten Schritt zu setzen. 2009 startete sie den Universitätslehrgang „Health Services Management“ an der Donau-Universität Krems, den sie 2012 abschloss. Über ihre Beweggründe erzählt sie: „Es war wichtig, mich im Bereich Gesundheits-Management weiterzubilden, da ich in diesen Jahren bei der gespag überwiegend mit Managementaufgaben und Organisationsentwicklung wie zum Beispiel im Rahmen der Implementierung einer neuen Wordbefundschreibung betraut war.“ Die Verbindung von gelebter Praxis und theoretischem Input durch die Ausbildung war wertvoll für die berufliche Laufbahn: „Die aktuelle Anschlussfähigkeit bei relevanten Themenstellungen, die in einem Krankenhausträger zur Sprache kommen, ist für mich immer bedeutend, um eine Organisation zu betrachten und ein angemessenes Veränderungsdesign empfehlen zu können.“ Auch während der Zeit des Studiums und der beruflichen Doppelbelastung hatte Renate Sohm immer den Blick darauf, Familie und Beruf unter einen Hut zu bringen und diese nicht zu vernachlässigen. „Ich hatte das Glück, dass mein Mann und meine Kinder mich da immer sehr unterstützt haben."

„Der Mensch ist Co-Produzent von Veränderung“

Ausgeglichen und konsequent – so beschreibt Renate Sohm sich selbst. Eigenschaften, die sie in ihrem beruflichen Kontext sehr gut brauchen kann. „Organisationsentwicklung ist die gezielte Steuerung von Veränderungsprozessen in Unternehmen und zielt auf die strategische und operative Umgestaltung von Organisationseinheiten ab. Das bedeutet, dass die Menschen zuerst auf die Veränderungen vorbereitet werden müssen, damit auch die Bereitschaft dazu gefördert wird. Wenn Menschen Sinn und Zweck einer Veränderung sehen, gehen sie mit, wenn der Nutzen der Veränderung nicht klar ersichtlich ist, entsteht Widerstand“, erklärt Sohm. Deswegen gehe es darum, die Sprache und Denkweise von verschiedenen Fachbereichen zu verstehen und sich damit auseinanderzusetzen. Auch die Führung auf Augenhöhe sowie Authentizität sind für die Expertin wichtige Voraussetzungen für Erfolg: „Ich habe die Erfahrung gemacht, dass Organisationsentwicklung als interner Prozess viel Zeit und Verständnis braucht, damit die Mitarbeiter sozusagen als Co-Produzenten die Veränderung aktiv mitgestalten.“

Neues zu entdecken ist für Renate Sohm eine Art Lebensmotto geworden. Wahrscheinlich einer der Gründe, warum sie sich derzeit wieder weiterbildet und die Ausbildung zur Supervisorin und Coachin an der Universität Wien absolviert. In ihrer Freizeit aber legt sie großen Wert auf persönliche Auszeiten: „Ich lese sehr gerne, gehe in Yoga und auch das Kochen entspannt mich sehr. Und die Tanzkurse mit meinem Mann sind jede Woche wichtige Highlights für mich.

Mag. Dr. Renate Sohm, MBA

Renate Sohm wurde 1963 in Linz geboren. Sie absolvierte das Doktoratsstudium der Pädagogik mit Schwerpunkt Evaluation in Salzburg und begann parallel bei der Oö. Gesundheits- und Spitals AG (gespag) zu arbeiten.

Von 2003 bis 2013 war sie u. a. regionale Qualitätsmanagerin für die Krankenhäuser Enns, Steyr und Kirchdorf. Sohm absolvierte den Universitätslehrgang „Health Services Management“ an der Donau-Universität Krems und ist seit Oktober 2013 Leiterin der Organisationsentwicklung bei der gespag.

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