Psychotherapie wirkt - auch unter den realen Bedingungen niedergelassener Praxen. Das zeigt die Studie „Prozess und Outcome in psychotherapeutischen Praxen“ (POPP), die unter der Leitung des Departments für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie an der Universität für Weiterbildung Krems durchgeführt wurde. Erstmals liegen damit österreichweite Daten zur Wirksamkeit ambulanter Einzelpsychotherapie im Versorgungsalltag vor.
Durchgeführt wurde die POPP-Studie zwischen 2020 und 2025 in Kooperation mit der Karl Landsteiner Privatuniversität für Gesundheitswissenschaften, der Paris Lodron Universität Salzburg, sowie dem Österreichischer Bundesverband für Psychotherapie. Neben dem Behandlungsergebnis (Outcome) stand insbesondere der therapeutische Prozess im Mittelpunkt der Analyse. Ein Schwerpunkt lag dabei auf der Beziehungsebene zwischen Patient_in und Therapeut_in sowie auf der Frage, welche Rolle unterschiedliche Gender-Konstellationen dabei spielen können.
„Erstmals liegen für Österreich Daten zur Wirksamkeit von Psychotherapie im niedergelassenen Bereich vor – und das in einem sehr komplexen Psychotherapiesystem mit einer großen Vielfalt anerkannter Methoden, die es in anderen Ländern oft gar nicht gibt“, sagt Studienleiterin Assoz. Prof. Priv.-Doz. Dipl.-Ing. Dr. Elke Humer, MSc BEd Bakk. „Damit werden wir nun auch im internationalen Forschungsdiskurs sichtbar“.
Deutliche Effekte unter Alltagsbedingungen
Die Auswertungen zeigen signifikante Verbesserungen. Depressive und ängstliche Symptome gingen im Therapieverlauf deutlich zurück, ebenso berichteten die Patient_innen über eine geringere Beeinträchtigung im Alltag. Parallel dazu nahm die positive psychische Gesundheit zu. Die Effekte zeigten sich auch über unterschiedliche psychotherapeutische Richtungen hinweg. Damit bestätigt die Studie die Wirksamkeit ambulanter Einzelpsychotherapie im österreichischen Versorgungssystem unter realen Praxisbedingungen.
Gleichzeitig wurden für die Studie unerwünschte Verläufe systematisch dokumentiert. Bei einem sehr kleinen Prozentsatz der Patient_innen zeigte sich eine Verschlechterung der Symptomatik. Diese Differenzierung erlaubt eine realistische Einschätzung von Nutzen und potenziellen Risiken psychotherapeutischer Behandlung.
Grundlage für evidenzbasierte Weiterentwicklung
Mit den nun vorliegenden Daten ist erstmals ein empirisch fundierter Einblick in die Wirksamkeit ambulanter Psychotherapie in Österreich möglich. Die Ergebnisse schaffen eine belastbare Grundlage für gesundheits- und versorgungspolitische Diskussionen sowie für die Weiterentwicklung psychotherapeutischer Angebote.
„Die Umsetzung dieser Studie war extrem herausfordernd – von der Rekrutierung der Therapeut_innen bis zur Datenerhebung über mehrere Jahre", sagt Humer. "Viele Praktiker_innen stehen Forschung skeptisch gegenüber, und es brauchte viel Überzeugungsarbeit, um sie für eine Teilnahme zu gewinnen“.
Dass nach fünf Jahren nun belastbare Ergebnisse vorliegen, sei auch den Psychotherapeut_innen zu verdanken, die sich trotz hoher Arbeitsbelastung an dem Projekt beteiligt haben. „Die Studie zeigt: Praxisnahe Psychotherapieforschung in Österreich ist möglich – aber sie braucht Geduld, Durchhaltevermögen und künftig deutlich bessere strukturelle Unterstützung“, sagt Humer.
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