04.02.2026

Der österreichische Hochschulraum steht vor wichtigen Entscheidungen für seine weitere Entwicklung. Wie Zusammenarbeit, Profilbildung und gemeinsame Rahmenbedingungen künftig aussehen sollen, war Thema der Online-Diskussion „Hochschulstrategie 2040: Einheitshochschule vs. differenziertes Hochschulsystem?“ am 28. Jänner 2026. Vertreter_innen aus Wissenschaft, Hochschulleitung und Ministerium diskutierten dabei im Rahmen des laufenden Strategieprozesses des Bundesministeriums für Frauen, Wissenschaft und Forschung. Attila Pausits von der Universität für Weiterbildung Krems brachte seine Expertise aus der Hochschulforschung ein.

Ausgangspunkt der Diskussion war die hohe institutionelle Vielfalt des österreichischen Hochschulraums mit 77 tertiären Einrichtungen, dazu zählen Universitäten, Fachhochschulen, Pädagogische Hochschulen und Privatuniversitäten. Diese Vielfalt wurde einerseits als Stärke, andererseits als Herausforderung beschrieben. Diskutiert wurden Fragen nach Profilklarheit, Kooperationspotenzialen, Steuerungsinstrumenten sowie nach der Balance zwischen Autonomie und gemeinsamer Rahmensetzung.

Hochschulstrategie 2040

Mag.a Sabine Koch, MSc., Abteilungsleiterin für Universitäts- und Hochschulplanung im Bundesministerium für Frauen, Wissenschaft und Forschung, skizzierte die Leitidee des Strategieprozesses: Hochschulen sollen 2040 weiterhin als unabhängige, kreative und kritische Akteure wirken und einen aktiven Beitrag zu einer lebendigen demokratischen Gesellschaft leisten. 

Der Prozess sei bewusst offen angelegt, um auch radikale Fragen zuzulassen und Ergebnisse nicht vorwegzunehmen. Thematisch werde in mehreren, eng verzahnten Arbeitsgruppen gearbeitet – von Studierbarkeit und Karrierewegen über Internationalisierung und Exzellenz bis hin zu Kooperation, sozialer Offenheit und dem Verhältnis von Hochschule und Demokratie.

Unterschiedliche Perspektiven, gemeinsame Herausforderungen

Aus Sicht der Universitäten betonte Dr. Peter Riedler, Rektor der Universität Graz, die Bedeutung international sichtbarer Forschung, forschungsgeleiteter Lehre und flexibler Studienwege. Gleichzeitig verwies er auf Spannungen zwischen Finanzierungslogiken, politischen Erwartungen und dem Wunsch nach klarer Aufgabenabgrenzung zwischen den Hochschulen. Effizienzgewinne durch Kooperationen müssten künftig auch strukturell und finanziell wirksam werden.

Für die Fachhochschulen hob FH-Prof. Dipl.-Ing. Dr. Heimo Sandtner, Rektor der Hochschule Campus Wien, insbesondere die Praxis- und Berufsfeldorientierung, planbare Studienstrukturen und die zentrale Rolle der Weiterbildung hervor. Angesichts knapper werdender Mittel sei Vielfalt ein „Luxus“, der klare Steuerung und abgestimmte Finanzierungsmodelle erfordere. Zugleich verwies er auf die zunehmende Annäherung der Hochschultypen durch Bologna-Strukturen und Forschungsaktivitäten.

Eine übergreifende Perspektive brachte Univ.-Prof. Dkfm. Dr. Attila Pausits ein, Hochschulforscher an der Universität für Weiterbildung Krems. Er sprach bewusst vom „Hochschulraum“ und nicht von einem einheitlichen System. Die Differenzierung eröffne Chancen für regionale und gesellschaftliche Bedarfe sowie für internationale Kooperationen, berge jedoch auch Risiken durch komplexe Governance-Strukturen und verdeckte Hierarchisierungen. Pausits plädierte für mehr Transparenz, evidenzbasierte Steuerung und die Stärkung gemeinsamer Räume, etwa in der Weiterbildung oder in kooperativen Forschungsfeldern.

Verstärkte Kooperation statt Vereinheitlichung

Kontrovers diskutiert wurde die Frage eines einheitlichen Rechts- oder Finanzierungssystems für alle Hochschulen. Während eine gemeinsame Rechtsbasis als potenzieller Hebel für stärkere Profilbildung einzelner Institutionen gesehen wurde, warnten andere vor zu groben Lösungen für einen stark ausdifferenzierten Hochschulraum. Ein breiter Konsens bestand hingegen darin, Kooperationen systematisch zu fördern. Das wäre beispielsweise durch abgestimmte Zeitpläne, gemeinsame Infrastruktur, digitale Verwaltungsservices oder finanzielle Anreize für Kooperationen in Lehre und Forschung realisierbar.

Auch die soziale Dimension des Studiums und das Thema des lebensbegleitenden Lernens wurden als zentrale Zukunftsfragen benannt. Mehrfachbelastungen, psychische Gesundheit und soziale Selektivität seien dabei ebenso mitzudenken wie internationale Wettbewerbsfähigkeit und strategische Internationalisierung.

Die Diskussion machte deutlich, dass der Weg zur Hochschulstrategie 2040 von unterschiedlichen Perspektiven und Interessen geprägt ist. Einig waren sich alle Beteiligten jedoch darin, dass Kooperationen, Profilklarheit und eine stärkere Abstimmung zwischen den unterschiedlichen Hochschultypen zentrale Ansatzpunkte darstellen. Der laufende Strategieprozess soll diese Fragen bündeln und in konkrete nächste Schritte für den österreichischen Hochschulraum überführen.

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