25.06.2026

Das Forschungsprojekt REFAIR untersucht nicht oder nur teilweise gemeldete Arbeit („Schwarzarbeit“) und analysiert ihre empirischen Ausprägungen, relevante rechtliche und politische Rahmenbedingungen und Maßnahmen sowie Einstellungen zu dem Phänomen. Projektstart ist am 1. Oktober 2026. Koordiniert von der Universität für Weiterbildung Krems, bringt „REFAIR – Regulating the Grey Zone: Fairness, Informality, and the Boundaries of Work“ zwölf Partnereinrichtungen aus Europa zusammen. Das von der Europäischen Union im Rahmen von Horizon Europe geförderte Projekt will das Verständnis informeller Beschäftigungspraktiken weiterentwickeln.

Nicht oder nur teilweise gemeldete Beschäftigung – landläufig als Schwarzarbeit bezeichnet – wird vor allem mit der Umgehung von Steuern und Sozialabgaben in Verbindung gebracht. REFAIR erweitert diese Perspektive und untersucht vergleichend, wie solche Formen von Arbeit in unterschiedlichen europäischen Kontexten verstanden, eingeordnet und institutionell adressiert werden.

Das Projekt läuft von Oktober 2026 bis März 2030 und wird durch das EU-Programm Horizon Europe mit rund 4,1 Millionen Euro gefördert. Es ist am Department für Migration und Globalisierung der Universität für Weiterbildung Krems angesiedelt und baut auf dessen langjähriger Expertise in internationaler und vergleichender Migrationsforschung auf.

Fairness als Leitperspektive

REFAIR untersucht, wie sich Vorstellungen von Gerechtigkeit auf informelle Beschäftigung und ihre Regulierung auswirken. Untersucht werden dabei drei Bereiche: erstens die Gestaltung von Gesetzen und politische Maßnahmen zur Arbeitsmarktregulierung; zweitens Formen, Ausmaß, Triebkräfte und Risiken nicht oder nur teilweise gemeldeter Arbeit sowie drittens die Wahrnehmung informeller Beschäftigungspraktiken durch individuelle und institutionelle Akteur_innen.

Durch die Analyse von Spannungen zwischen und innerhalb dieser drei Dimensionen will das Projektteam Erkenntnisse für den Umgang mit informeller Arbeit gewinnen und zu einer verbesserten Arbeitsmarktregulierung beitragen.

Breites Methodenspektrum und internationale Zusammenarbeit

REFAIR verfolgt einen Mixed-Methods-Ansatz an, der rechtliche und politische Analyse, quantitative Erhebungen zur Verbreitung und zu den Einflussfaktoren informeller Beschäftigungsformen sowie Einstellungsbefragungen umfasst. Ergänzt werden diese durch qualitative Methoden wie Tiefeninterviews, ethnografische Forschung und Fallstudien in sechs europäischen Ländern, die unterschiedliche Sozial- und Arbeitsmarktsysteme repräsentieren.

Forschung an der Schnittstelle von Migration, Arbeit und sozialer Gerechtigkeit

„Die Grenzen zwischen formeller und informeller Arbeit werden zunehmend komplexer. Plattformgesteuerte Arbeitsaufträge („Gig-Economy“), grenzüberschreitende Telearbeit, und die generelle Zunahme von atypischen Beschäftigungsverhältnissen und insbesondere die Zunahme von Scheinselbständigkeit bedeuten, dass der Bereich abgesicherter, sozialversicherter und steuerpflichtiger Arbeit immer stärker unter Druck gerät. Öffentliche Debatten und politische Reaktionen basieren dabei oft auf unvollständigen Annahmen. REFAIR bietet eine einzigartige Gelegenheit, die Entstehung und Triebkräfte informeller Arbeit in verschiedenen europäischen Kontexten zu untersuchen und zu verstehen, wie Gerechtigkeitsvorstellungen das Verhalten am Arbeitsmarkt beeinflussen", so Assoz.-Prof. Mag. Dr. Albert Kraler, der das Projekt an der Universität für Weiterbildung Krems koordiniert.

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