Was wäre, wenn ein Museumsbesuch mehr als Kulturgenuss ist und aktiv zur Gesundheit im Alter beitragen kann? Das Forschungsprojekt „Gesundes Museum" an der Universität für Weiterbildung Krems hat genau das untersucht und erste Ergebnisse bestätigen: Gezielte Kunst- und Kulturvermittlung kann das Wohlbefinden älterer Menschen verbessern.
Rund 90 Prozent der Bevölkerung machen sich Sorgen um ihre künftige Gedächtnisleistung. Gleichzeitig zeigt die Forschung, dass bis zu 45 Prozent aller Demenzerkrankungen durch einen gesunden Lebensstil verhindert werden könnten. Neben körperlicher Bewegung und gesunder Ernährung zählt dazu auch geistige Stimulation. Das interdisziplinäre Forschungsprojekt „Gesundes Museum" an der Universität für Weiterbildung Krems, angesiedelt am Department für Demenzforschung und Pflegewissenschaft sowie am Department für Kunst- und Kulturwissenschaften, hat sich daher der Frage angenommen: Können Museen zu Orten werden, die aktiv zur Hirngesundheit älterer Menschen beitragen?
Kultur und Begegnung als Vorsorge
Das im Dezember 2023 gestartete und vom Fonds Gesundes Österreich sowie der Wiener Gesundheitsförderung finanzierte Projekt richtete sich gezielt an Menschen ab 60 Jahren, die sich Sorgen um ihr Gedächtnis machen, soziale Isolation erleben oder bisher wenig Berührungspunkte mit Museen hatten. In Kooperation mit dem Kunsthistorischen Museum Wien sowie dem Wien Museum, der Albertina und dem Technischen Museum Wien wurden speziell entwickelte Vermittlungsprogramme erprobt, die kognitive Stimulation und soziale Teilhabe miteinander verbinden. Auch die Wiener Bezirksmuseen waren eingebunden.
„Die Grundidee des Projektes war, die wunderschönen Räume unserer Museen zu nutzen und dort sinnvolle Begegnungen mit der bereichernden Atmosphäre von Kunstobjekten zu verbinden“, sagt Univ.-Prof.in Dr.in Stefanie Auer, Projektleiterin und Leiterin des Departments für Demenzforschung und Pflegewissenschaft an der Universität für Weiterbildung Krems. „Denn Gedächtnistraining allein ist nicht für alle das Richtige.”
In sieben vierwöchigen Kursdurchläufen nahmen insgesamt 68 Personen teil. Engagierte Kulturvermittler_innen begleiteten die Gruppen durch Programme, die Kunst und Kulturobjekte unmittelbar erfahrbar machten. Verschiedene Methoden der Kulturvermittlung förderten dabei gezielt die Interaktion untereinander und bezogen mehrere Sinne ein – ohne Zeitdruck, ohne Erfolgsdruck und kostenlos für die Teilnehmenden.
Neue Perspektiven für die Praxis
Die gewonnenen Erkenntnisse liefern erste Belege dafür, dass gezielte Kunst- und Kulturprogramme einen relevanten Beitrag zur Förderung der Lebensqualität und der Gesundheit älterer Menschen leisten können. Soziale Teilhabe wird gestärkt, kognitive und emotionale Ressourcen werden angeregt. Die Ergebnisse eröffnen neue Perspektiven für die nachhaltige Verankerung von „Social Prescribing“-Angeboten in der Praxis und für eine bessere Vernetzung von Gesundheits- mit Kunst- und Kultureinrichtungen.
„Museen haben einen wichtigen gesellschaftlichen Auftrag. Professionelle Kulturvermittlung trägt dazu bei, Hürden abzubauen und ein Museum für alle Menschen zu einem Ort der Bereicherung und Stimulation werden zu lassen,“ sagt Co-Projektleiterin Univ.-Prof.in Dr.in Anja Grebe. „Viele Teilnehmer_innen an unseren Programmen wollen dies nicht mehr missen und haben bereits jetzt den Museumsbesuch zu einem Teil ihrer Gesundheitsroutine gemacht.“
Im Rahmen der Abschlussveranstaltung am 30. Juni 2026 wird ein praxisorientierter Leitfaden zur Gestaltung eines „Gesunden Museums" vorgestellt. Dieser soll im Herbst 2026 allen österreichischen Museen zur Verfügung gestellt werden und ihnen die Möglichkeit eröffnen, ein „Gesundes Museum“ zu werden.
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