Wie lässt sich nachhaltige Landwirtschaft in Afrika langfristig stärken? Lokale Lösungen sind entscheidend. Ein internationales Projekt unter Beteiligung des Research Lab for Global Futures and Complex Systems an der Universität für Weiterbildung Krems entwickelt gemeinsam mit afrikanischen Universitäten neue Ausbildungsmodelle für Agroökologie. Das Projekt nützt dafür die Expertise der Universität Krems in der Entwicklung von innovativen Curricula und inkludiert transdisziplinäre Forschungsansätze.
Nachhaltige Landwirtschaft gilt als Schlüssel für Ernährungssicherheit, Biodiversität, wirtschaftliche Stabilität sowie als Management für Katastrophenrisiken. Es ist ein zentraler Faktor im Umgang mit dem Klimawandel. Doch Lösungen lassen sich nicht von einer Region in eine andere übertragen, der lokalen Situation vor Ort muss Rechnung getragen werden, sollen Nachhaltigkeitsvorhaben erfolgreich umgesetzt werden. Das ist auch nur mit Einbeziehung der Bevölkerung und der lokalen Stakeholder möglich. Genau hier setzt das internationale Projekt AGRECOfarm an, an dem das Research Lab for Global Futures and Complex Systems der Universität für Weiterbildung Krems beteiligt ist.
Ziel des Projekts ist es, agroökologische Landwirtschaft in Westafrika zu stärken – durch neue Studienprogramme, Weiterbildung und enge Zusammenarbeit mit lokalen Akteurinnen und Akteuren, Universitäten und anderen Bildungseinrichtungen, lokalen Bauern und Stakeholdern aus den Gemeinschaften und entlang der Wertschöpfungsketten. „Im Prinzip geht es um die Unterstützung nachhaltiger Landwirtschaft in Afrika, um die Entwicklung passender Curricula und die Ausbildung des akademischen Personals vor Ort. Aber vor allem geht es um die gemeinsame Entwcklung von Lösungsmöglichkeiten mit den Stakeholdern vor Ort“, erklärt Mag. Kay Mühlmann, Projektleiter vom Research Lab for Global Futures and Complex Systems der Universität für Weiterbildung Krems.
Nachhaltigkeit als dynamisches Konzept
Im Mittelpunkt steht der Ansatz der Agroökologie. Anders als eine rein biologische Landwirtschaft verbindet er ökologische, soziale und wirtschaftliche Nachhaltigkeit, verknüpft mit Umweltökosystemen wie Wäldern oder Sumpflandschaften. Landwirtschaftliche Produktion soll möglichst ressourcenschonend und in Wechselwirkung mit der Umwelt erfolgen, Monokulturen vermeiden und die Biodiversität stärken.
„Nachhaltigkeit ist ein dynamisches Konzept“, betont Mühlmann. „Man muss immer wieder neu schauen, welche sozialen, ökologischen und wirtschaftlichen Bedürfnisse vor Ort bestehen – dabei gibt es keine einfache One-Fits-All-Lösung“.
Die Projektpartner arbeiten daher eng mit Universitäten und lokalen Gemeinschaften in drei westafrikanischen Ländern zusammen: Sierra Leone, Ghana und Nigeria. Insgesamt sind sechs afrikanische Partneruniversitäten beteiligt. Die Ausgangsbedingungen unterscheiden sich stark – von Subsistenzlandwirtschaft in Sierra Leone bis zu vergleichsweise entwickelten Agrarsektoren in Ghana oder Teilen Nigerias.
Bildung als Schlüssel
Während agrarwissenschaftliche Expertise vor allem von Partnerinstitutionen in Italien und Frankreich eingebracht wird, liegt die Stärke der Universität für Weiterbildung Krems in der Entwicklung innovativer Bildungsformate.
Das Team in Krems ist federführend im Workpackage zur transdisziplinären Ausbildung und Weiterbildung. „Wir arbeiten viel mit transdisziplinärer Forschung und Curriculaentwicklung. Genau diese methodischen Ansätze bringen wir in das Projekt ein“, so Mühlmann .
Konkret wurden an allen Partneruniversitäten sogenannte Agreco Labs eingerichtet – insgesamt sechs Zentren für Forschung, Lehre und Weiterbildung. Dort werden nicht nur Studierende ausgebildet, sondern auch lokale Bäuerinnen und Bauern sowie Akteurinnen und Akteure entlang der landwirtschaftlichen Wertschöpfungskette.
Lernen mit der Praxis
Zentrales Element des Projekts ist ein transdisziplinäres Bildungsmodell, das wissenschaftliches Wissen mit Erfahrungen aus der Praxis verbindet. Studierende, Forschende und lokale Stakeholder arbeiten gemeinsam an Lösungen für konkrete Herausforderungen vor Ort.
„Die Studierenden sind nicht nur Empfänger von Wissen, sondern Co-Designer ihres eigenen Lernprozesses“, erklärt Mühlmann. Ziel sei es, den klassischen Abstand zwischen Theorie und Praxis zu überwinden.
Das Modell setzt auf gemeinsame Problemdefinition, Konsensbildung und Wissensaustausch zwischen unterschiedlichen gesellschaftlichen Gruppen. Auch benachteiligte Gruppen sollen aktiv eingebunden werden. „Es ist ein demokratischer Ansatz: Jede Stimme zählt, egal ob sie aus der Wissenschaft oder aus der Praxis kommt“, sagt Mühlmann .
Lokale Lösungen statt externer Vorgaben
Ein zentrales Anliegen des Projekts ist es, typische Probleme internationaler Entwicklungsprojekte zu vermeiden. Oft würden externe Expertinnen und Experten kurzfristig Lösungen präsentieren, ohne sie langfristig vor Ort zu verankern.
„Die große Problematik solcher Projekte ist häufig ihre mangelnde Nachhaltigkeit“, so Mühlmann. AGRECOfarm setzt deshalb bewusst auf partnerschaftliche Zusammenarbeit mit lokalen Gemeinschaften, Universitäten und Institutionen.
Neben staatlichen Entscheidungsträgern spielen dabei auch informelle soziale Strukturen eine wichtige Rolle. „Man muss zunächst zuhören und verstehen, wer vor Ort tatsächlich Einfluss hat – formell und informell“, erklärt Mühlmann.
Erste Ergebnisse und nächste Schritte
Die wichtigsten Meilensteine des Projekts sind bereits erreicht:
Die Agreco Labs arbeiten, neue Studienprogramme wurden entwickelt und Weiterbildungskurse gestartet. Auch Austauschprogramme und Trainings für Lehrende aus Afrika fanden bereits statt.
Der Fokus der letzten Projektphase liegt nun auf der langfristigen Verankerung der Ergebnisse. Ziel ist es, dass die Programme nach Projektende selbstständig weiterlaufen.
Entscheidend sei, so Mühlmann, dass nachhaltige Landwirtschaft vor Ort tatsächlich Vorteile bringe – etwa bessere Erträge, neue Arbeitsplätze und größere Resilienz gegenüber dem Klimawandel.
So könnte AGRECOfarm nicht nur zur Ernährungssicherheit in Westafrika beitragen, sondern auch zeigen, wie transdisziplinäre Bildungsansätze globale Nachhaltigkeitsfragen praxisnah adressieren können.
Projektinformation:
Titel: „ AGRoECOlogical FARMing “, Acronym: AGRECOfarm
Fördergeber: EU Erasmus+, Capacity Building in Higher Education Strand 2 (Projektnummer: 101128399)
Laufzeit: 1.12.2023 - 30.11.2026
Projektverantwortlich für die Universität für Weiterbildung Krems: Mag. Kay Mühlmann, Research Lab for Global Futures and Complex Systems
Projektkoordinator: Università degli Studi della Basilicata, Italien

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