Im Gespräch mit CEO Thomas Welser vor Ort bei Welser Profile in Gresten
Nach der gelungenen Auftaktveranstaltung im Gesellschafts- und Wirtschaftsmuseum im Mai 2026, zum Thema „Der innere Kompass. Wie Führungspersönlichkeiten Unternehmen im Wandel prägen“ führte der „Transformation Talk“ – das neue Format des Zentrums für Unternehmerische Nachhaltigkeit – direkt in die Praxis.
Zu Gast bei Thomas Welser, CEO von Welser Profile in Gresten erhielten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer Einblicke in ein Familienunternehmen, das auf eine Geschichte bis ins 17. Jahrhundert zurückblickt und sich in den vergangenen Jahren erfolgreich einem tiefgreifenden Kulturwandel gestellt hat.
Im Mittelpunkt des Nachmittags stand die Frage, wie sich Führung verändert, wenn der „innere Kompass“ neu justiert wird und was es braucht, damit ein Unternehmen nicht allein nur funktioniert, sondern sich langfristig entwickeln und gedeihen kann. Thomas Welsers persönlicher Transformationsprozess und sein Weg zu einer verantwortungsvollen, menschenzentrierten Unternehmensführung wurden von Dr. Marisa Mühlböck, Leiterin des Zentrums für Unternehmerische Nachhaltigkeit an der Universität für Weiterbildung Krems, analysiert und im Springer-Buch „Sustainable Transformation & Well-being. The Role of Business for Individual and Collective Flourishing“ dokumentiert.
Kulturwandel bedeutet, Raum für Potenzialentfaltung zu schaffen
Bereits beim Eintreten ins Begegnungszentrum wurde spürbar, welchen Stellenwert Wertschätzung, Vertrauen und Potenzialentfaltung bei Welser Profile einnehmen.
Besonders eindrucksvoll wurde dieser Ansatz in den Gesprächen mit Thomas Welser. Er schilderte authentisch, wie sich seine innere Haltung durch persönliche Krisen und Herausforderungen verändert hat. Nicht Kontrolle, sondern Vertrauen und die Schaffung geeigneter Rahmenbedingungen für Potenzialentfaltung und Selbstwirksamkeit stehen für ihn seither im Mittelpunkt. Führung ist in diesem Verständnis keine Einbahnstraße. Freiräume zu geben und Menschen zu ermutigen, ihre eigenen Stärken einzubringen sowie mit Fehlern offen umzugehen, um daraus zu lernen, geht immer in beide Richtungen.
Die Entscheidung, einen echten Kulturwandel bottom-up statt top-down anzustoßen, fiel nicht zuletzt im Rahmen der 350-Jahre-Jubiläumsfeier. Mehr als 300 Mitarbeitende hatten als Überraschung die gesamte Unternehmensgeschichte als Bühnenshow inszeniert. Den Abschluss bildete eine eigens umgedichtete Version des Liedes „We Are Family“ – ein echter Gänsehautmoment, der dem Unternehmer klar machte: „Für dieses Unternehmen will ich da sein“.
Die Transformation als lebendige Bewegung
Dieser Erkenntnis folgte ein heute noch andauernder Prozess, der traditionellen von außen vorordneten Beratungsprozessen eine Absage erteilte. Stattdessen ließ man sich auf eine lebendige Bewegung ein, die auf der ehrlichen Auseinandersetzung mit der eigenen Geschichte, und der Integration der unternehmerischen DNA mit dem Selbstbild in der täglichen Interaktion, basierte.
600 Menschen aus der Belegschaft nahmen freiwillig an diesem Transformationsprozess teil. Ein zentrales Tool war die 7-Generationen-Landkarte, die einen Blick drei Generationen zurück, auf die aktuelle Generation und drei Generationen nach vorne erlaubte.
Lehrlingsausbildung mit Persönlichkeitsentwicklung
Heute zeigt sich dieser Kulturwandel unter anderem in der Lehrwerkstätte. Die Ausbildung geht hier weit über die Vermittlung fachlicher Kompetenzen hinaus. Neben der beruflichen Qualifikation spielen Persönlichkeitsentwicklung, Wertevermittlung und der Umgang mit Konfliktsituationen eine wichtige Rolle. Eine offene Fehlerkultur und die im Unternehmen gelebte Du-Kultur gehören ebenfalls zu diesem Ausbildungsverständnis. Zwei bereits ausgebildete Lehrlinge berichteten aus eigener Erfahrung, dass diese Prinzipien nicht nur auf dem Papier stehen, sondern im Arbeitsalltag tatsächlich gelebt werden.
Ausbildungsleiter Peter Reiböck, öffnete uns außerdem den Sozialraum der Lehrlinge. Dieser wird stetig durch und mit den Lehrlingen weiter gestaltet. Auch hier wurde sichtbar wie viel Eigenverantwortung und Vertrauen jungen Menschen bei Welser Profile übertragen wird. So entsteht ein Ort, an dem sie sich wohl- und sicher fühlen und miteinander in Austausch kommen.
Die dauerhafte Verbundenheit von Mensch und Unternehmen symbolisiert ein besonderes Ritual beim Lehrabschluss: Das Anbringen eines Metallblatts mit ihrem Namen am Lehrlingsstammbaum.
Wertschätzung, Ehrlichkeit und Begegnung
Welser Profile übernimmt damit bewusst eine Rolle, die über die Grenzen des eigenen Unternehmens hinausgeht: Menschen sollen zusammengebracht, Dialog ermöglicht und Gemeinschaft gestärkt werden. Im Gespräch fiel in diesem Zusammenhang der Begriff der „Kommunalen Intelligenz“ – also die Idee, dass gemeinsames Wissen, unterschiedliche Perspektiven und persönliche Begegnungen eine wichtige Ressource für die Gestaltung der Zukunft darstellen.
Der Satz „Begeisterte Menschen formen Möglichkeiten für Generationen“ ist heute weit mehr als das Unternehmensmotto – es ist der zentrale Purpose von Welser Profile, der Orientierung für alle Unternehmensentscheidungen schafft.
Nachhaltige Transformation beginnt bei den Menschen
Der Besuch bei Welser Profile zeigte eindrucksvoll, dass nachhaltige Transformation mehr braucht als die Beschäftigung mit rechtlichen oder betriebswirtschaftlichen Fragen. Sie beginnt bei den Menschen und erfordert einen integrierenden Blick:
- Auf die Kultur und wie sie sich verändern muss.
- Auf die Geschichte: Woher kommt das Unternehmen und was ist die DNA, die es in der Transformation zu erhalten gilt?
- Auf die psychologischen Dimensionen: Wie kreiert man Stimmigkeit von Haltung, Werten und Bedürfnissen der Führungspersonen mit der Mission des Unternehmens und mit seinem Alltag?
- Und auf die sozialen Strukturen im Betrieb – denn am Ende gilt es, die Menschen in der Organisation auf so einer Transformationsreise auch wirklich mitzunehmen.
Deutlich wurde auch, dass eine neue Kultur nicht einfach verordnet werden kann. Führung kann Räume öffnen und Möglichkeiten schaffen. Ob diese angenommen und mit Leben gefüllt werden, entsteht im Zusammenspiel aller Beteiligten.
Der Nachmittag bei Welser Profile bot damit nicht nur einen Einblick in ein traditionsreiches Familienunternehmen, sondern gab auch zahlreiche Impulse für die Frage, wie Leadership, Wellbeing und Nachhaltigkeit zusammengedacht werden können. Der persönliche Austausch mit Thomas Welser und den Mitarbeitenden machte erlebbar, wie ein Unternehmen seine Geschichte bewahren und sich gleichzeitig verändern kann – und dass nachhaltige Transformation vor allem eines braucht: Menschen, die bereit sind, sie gemeinsam zu gestalten.