Das Transatlantic Research Lab on Complex Societal Challenges ging aus einer Initiative hervor, die in der frühen Phase der COVID-19-Pandemie im März 2020 ins Leben gerufen wurde. Die ersten weltweiten Lockdowns machten die weitreichenden gesellschaftlichen Folgen pandemiebezogener Eindämmungsmaßnahmen deutlich. Vor diesem Hintergrund begann eine transatlantische Gruppe von Forschenden, sich regelmäßig in Online-Formaten auszutauschen, um aus einer systemwissenschaftlichen und komplexitätsorientierten Perspektive aktuelle und absehbare gesellschaftliche Herausforderungen zu diskutieren.
Diese erste Initiative – informell als „COVID Group“ bezeichnet – vereinte Forschende der Arizona State University, des Santa Fe Institute, der Harvard University sowie des World Climate Forum. Geleitet wurde sie von Gerald Steiner (Universität für Weiterbildung Krems, UWK), Fakultät für Wirtschaft und Globalisierung, Department für Wissens- und Kommunikationsmanagement, in enger Zusammenarbeit mit Eva Schernhammer (Medizinische Universität Wien, Zentrum für Public Health, Abteilung für Epidemiologie) und in Allianz mit dem Complexity Science Hub Vienna.
Was als informelle Plattform für wissenschaftlichen Austausch begann, entwickelte sich rasch zu einem dauerhaften wöchentlichen Arbeitsformat und ermöglichte eine kontinuierliche interdisziplinäre Zusammenarbeit über Kontinente hinweg. Mit der Ausweitung des thematischen Fokus über den unmittelbaren Pandemie-Kontext hinaus rückten zunehmend komplexe gesellschaftliche Fragestellungen in den Mittelpunkt – etwa Resilienz, Nachhaltigkeit, Governance oder systemische Risiken. Im Laufe der Zeit wurde die Initiative um weitere fachliche Perspektiven erweitert, insbesondere im Bereich mineralischer Rohstoffe (TU Bergbauakademie Freiberg) sowie im Bereich sozialer Evolution und Kognition (Konrad-Lorenz-Institut).
Diese Entwicklungsphase mündete am 30. September 2021 in die formelle Etablierung als Transatlantic Research Lab on Complex Societal Challenges. Die offizielle Einrichtung erfolgte am Abschlusstag der ersten Global Transdisciplinarity Conference, die von Steiner und Kolleginnen und Kollegen in Krems, Österreich, organisiert wurde.
Seit seiner formellen Gründung hat das Lab eine wachsende Zahl wissenschaftlicher Beiträge hervorgebracht, die komplexe gesellschaftliche Herausforderungen mit interdisziplinären, systemwissenschaftlichen und komplexitätsorientierten Ansätzen adressieren. Von Beginn an finden ganzjährig kontinuierliche wöchentliche Treffen statt – auch während vorlesungsfreier Zeiten und Ferienperioden –, wodurch seine Rolle als stabile, langfristig angelegte transatlantische Forschungsplattform gestärkt wird.
In den vergangenen Jahren hat das Lab sein transdisziplinäres Profil weiter geschärft und fortgeschrittene Methoden der Komplexitätsforschung sowie partizipative Entscheidungsunterstützungsinstrumente integriert, darunter das an der Arizona State University entwickelte Decision Theatre. Durch kontinuierliche Kooperation, gemeinsame Forschungsprojekte und Publikationsvorhaben verfolgt das Lab das Ziel, belastbare wissenschaftliche Erkenntnisse zu generieren, die zum Verständnis und zur Bewältigung gegenwärtiger und zukünftiger realweltlicher gesellschaftlicher Herausforderungen beitragen.