"Einsatz Demenz": Weiterbildung für PolizistInnen

Professorin der Donau-Universität Krems entwickelte E-Learning-Programm zur Schulung von PolizistInnen im Umgang mit Personen mit Demenz

22.05.2017

"Einsatz Demenz" heißt das Lernprogramm, das Univ.-Prof. Dr. Stefanie Auer von der Donau-Universität Krems gemeinsam mit der MAS Alzheimerhilfe und der Sicherheitsakademie des Bundesministerium für Inneres entwickelt hat. Mehr als 2500 PolizistInnen in Österreich haben es bereits absolviert. Für die so erworbene "Kompetenz im Umgang mit Demenz" wurden am 22. Mai 2017 25 Dienststellen zertifiziert.

 

PolizistInnen im Umgang mit Personen mit Demenz

 

Mit einer Urkunde und Plakette wurden im Rahmen des Festaktes im Bundesministerium für Inneres jene 25 Polizeidienststellen in Österreich als "demenzfreundlich" zertifiziert, in denen mindestens 70 Prozent der BeamtInnen das E-Learning-Programm "Einsatz Demenz" erfolgreich abgeschlossen haben. Nachzuweisen war auch eine aktive Vernetzung der Dienststelle mit einer sozialen Einrichtung. Entwickelt und evaluiert wurde das Weiterbildungstool von Univ.-Prof. Dr. Stefanie Auer, Leiterin des Zentrums für Demenzstudien der Donau-Universität Krems und wissenschaftliche Leiterin der MAS Alzheimerhilfe, vor dem Hintergrund der stark steigenden Zahl an Betroffenen: Allein in Österreich leiden aktuell etwa 130.000 Menschen an Demenz, weltweit sind es rund 46,8 Millionen. Gemäß einem Bericht von Alzheimer’s Disease International aus dem Jahr 2015 soll sich die Zahl alle 20 Jahre annähernd verdoppeln.

Wissenschaft und Praxis verbinden

"Polizistinnen und Polizisten werden immer häufiger vor die Aufgabe gestellt, Situationen zu entschärfen, die mit Demenz in Zusammenhang stehen – sei es, dass sie verwirrte Betroffene auffinden oder mit verängstigten Angehörigen zu tun haben", sagt Stefanie Auer über die Ausgangslage des Projekts "Einsatz Demenz", das durch Wissensvermittlung eine Hilfestellung für alle Beteiligten bieten soll. Entsprechend flossen neben dem aktuellen Stand der Wissenschaft auch die Erfahrungen von PolizistInnen, Betroffenen und Angehörigen in das E-Learning-Programm ein. Unterstützt und gefördert wurde das Projekt vom Fonds Gesundes Österreich und der Versicherungsanstalt öffentlich Bediensteter (BVA). Die technische Umsetzung erfolgte durch die Sicherheitsakademie, die Bildungs- und Forschungseinrichtung des Bundesministeriums für Inneres.

„Polizistinnen und Polizisten werden immer häufiger vor die Aufgabe gestellt, Situationen zu entschärfen, die mit Demenz in Zusammenhang stehen.“

Univ.-Prof. Dr. Stefanie Auer

"Einsatz Demenz" ist in drei Module gegliedert (Grundlagen, Sicherheit durch Kompetenz, Menschen mit Demenz verstehen), in die unter anderem auch filmische Darstellungen und interaktive Elemente eingebaut wurden. Das Online-Training kann im Intranet der Sicherheitsakademie mit wenig Zeitaufwand absolviert und außerdem jederzeit wieder aufgerufen werden, um praxistaugliche Handlungsanleitungen für konkrete Herausforderungen zu erhalten. Von der Kompetenz im Umgang mit Demenz sollen schließlich nicht nur die Betroffenen und deren Angehörige profitieren, sondern auch die PolizistInnen selbst: Mit dem Wissen über die Erkrankung eröffnen sich Möglichkeiten der Problemlösung in schwierigen Situationen, sodass stressbedingte Belastungen reduziert werden können.

Wertschätzende Grundhaltung vermitteln

"Wissen über Demenz ist darüber hinaus die Voraussetzung für eine wertschätzende Grundhaltung gegenüber Menschen mit Demenz", betont Stefanie Auer, die auch den im heurigen Herbst bereits zum sechsten Mal startenden Lehrgang Demenzstudien an der Donau-Universität Krems leitet. "In einer Umwelt, die über Demenz Bescheid weiß und in wertschätzender Weise auf die Bedürfnisse der Betroffenen eingeht, finden Personen mit Demenz ein Milieu vor, in dem sie sozial adäquat reagieren und länger in der Gesellschaft integriert leben können", so die Professorin für Demenzforschung. Darum soll das von ihr entwickelte Weiterbildungsprogramm breitere Anwendung finden: "Ich hoffe, dass Angehörige weiterer Berufssparten dem Beispiel Polizei folgen werden", sagt Auer. Das E-Learning-Programm sei nun praxiserprobt und könne für andere Zielgruppen adaptiert werden.

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