Nachhaltige Wissenschaft: „Freiräume, Zeit, Netzwerke und Mut zum Wandel“

Allianz Nachhaltige Universitäten veranstaltete Konferenz „Wissenschaft im Wandel“ – Donau-Universität Krems an Organisation maßgeblich beteiligt

20.11.2018

Wie die Hochschulen die Gesellschaft auf dem Weg zu mehr Nachhaltigkeit unterstützen können, berieten über 100 ExpertInnen aus Forschung und Lehre, Hochschulverwaltung, den Ministerien sowie der Zivilgesellschaft bei der Konferenz „Wissenschaft im Wandel“, die von der Allianz Nachhaltige Universitäten veranstaltet wurde. Fazit der Konferenz: Für vernetztes und ganzheitliches Lehren und Forschen seien Freiräume, längerfristige Förderstrukturen, aber auch Mut und Zivilcourage aller Beteiligten nötig. Die Ergebnisse wurden am Folgetag im Rahmen der internationalen Konferenz “Wachstum im Wandel” vertiefend diskutiert.

„Wir stehen derzeit vor der großen Herausforderung, unser Leben auf der Erde nachhaltig zu gestalten – und das Zeitfenster dafür sind die nächsten zehn bis fünfzehn Jahre“, erklärte Arjen Wals von der Universität Wageningen und Inhaber des UNESCO Chair in Social Learning and Sustainable Development in seiner Keynote auf der Konferenz „Wissenschaft im Wandel“, die am 13. November 2018 im Rahmen der EU-Ratspräsidentschaft in Wien stattfand.

„Wir müssen jetzt handeln”, betonte auch Helga Kromp-Kolb von der Allianz Nachhaltige Universitäten in Österreich, „wir können nicht mehr darauf warten, dass unsere Kinder im Kindergarten etwas über Nachhaltigkeit lernen!” Gerade die Hochschulen müssten daher zu Triebfedern des Wandels werden: „Es gilt, die zentralen Fragen zu erforschen, Wissen zu vermitteln, aber vor allem auch an der Transformation der Gesellschaft aktiv mitzuarbeiten”, so die Wissenschaftlerin vom Zentrum für Globalen Wandel und Nachhaltigkeit an der Universität für Bodenkultur Wien.

Universitäten als Innovationsmotor
Doch dafür braucht es zunächst einen Paradigmenwechsel an den Hochschulen selbst – „hin zu einem integrierten, systemischen und transformativen Ansatz”, sagte Gerald Steiner, Professor für Organisationskommunikation und Innovation an der Donau-Universität Krems. In vier Working Sessions diskutierten Lehrende, Forschende und Studierende von Universitäten, Fachhochschulen sowie den Pädagogischen Hochschulen konkrete Maßnahmen hin zu mehr Nachhaltigkeit an Österreichs Hochschulen.

Um die 17 UN-Nachhaltigkeitsziele, zu denen sich Österreich verpflichtet hat, zu erreichen, gelte es für Lehrende und Studierende Experimentierräume für nachhaltige Lebensstile zu schaffen „und diese auch zu institutionalisieren”, fasste Lisa Bohunovsky von der Allianz Nachhaltige Universitäten die Working Session 1 zum Thema Transformatives Lernen zusammen.

Auch in der zweiten Session zu Lehre forderten die ReferentInnen kritisches Denken und das Aufzeigen und die transparente Verhandlung von Machtstrukturen. Dabei wurden auch die Berührungspunkte der Nachhaltigkeitsbildung und der Entwicklungszusammenarbeit diskutiert. Eine gemeinsame Forderung der Sessions war es, die SDGs stärker in den Curricula zu verankern.

In Dialog mit der Gesellschaft treten
Im Bereich der Forschung wurde gefordert, die Förderstrukturen neu und langfristiger zu denken: Nicht nur die Anzahl der Publikationen, sondern ein gesellschaftlicher Impact-Faktor wäre wünschenswert. Die Ministerien und Fördergeber sowie die Hochschulen seien gefordert, neue Kooperationen sowie Anreiz- und Belohnungssysteme zu finden. „Es braucht Freiräume und Habitate, aber auch den Mut zur Veränderung – einerseits Empowerment und andererseits Offenheit aller Beteiligten“, so Konferenzorganisatorin Andrea Höltl von der Donau-Universität Krems. Die Wissenschaft müsse dafür auch die Partizipation aller AkteurInnen der Gesellschaft aktiv fördern.

Studierende als MultiplikatorInnen
Für diesen Dialog spielen insbesondere die Studierenden eine wichtige Rolle, wurde in mehreren Sessions betont. „Studierende sind nicht nur in der Zukunft, sondern auch in der Gegenwart wichtige MultiplikatorInnen, erklärt Heidi Esca-Scheuringer von der Fachhochschul-Konferenz (FHK).

„Wenn wir die Studierenden nicht in die Diskussion mit einbeziehen, können wir es eigentlich gleich bleiben lassen“, spitzte es Hans Stötter von der Universität Innsbruck zu. Dafür brauche es jedoch neue Methoden des Dialogs mit Studierenden, aber auch die Rahmenbedingungen für die Studierenden selbst, damit sie sich als AkteurInnen einbringen können – „auch hier ging es also um Raum, um Zeit und um Strukturen”, so Margarete Kernegger vom Runden Tisch Hochschulbildung Global.

Spielräume nutzen
In der Abschluss-Diskussion betonten die VertreterInnen der Hochschulkonferenzen – Eva Blimlinger (uniko), Andreas Altmann (FHK), Sabine Sedlacek (ÖPUK), Christoph Berger (RÖPH) –, dass Spielräume vorhanden seien, „man muss sie aber auch nutzen“, so Sabine Sedlacek. Mit Peter Iwaniewicz vom Ministerium für Nachhaltigkeit und Tourismus, Christian Smoliner vom Ministerium für Bildung, Wissenschaft und Forschung sowie Klement Tockner (FWF) und Emmanuel Glenck (FFG) wurde anschließend über die Möglichkeiten debattiert, die Förderstrukturen zu ändern und die Kooperation mit den verschiedenen gesellschaftlichen AkteurInnen zu fördern.

Die Ergebnisse wurden am Folgetag im Rahmen der Konferenz „Wachstum im Wandel“ präsentiert und intensiv diskutiert. Betont wurde, dass bloße Ergänzungen zum bestehenden System nicht ausreichend seien. Es brauche umfassende Neuorientierungen in Forschung und Lehre, so Arjen Wals von der Wageningen University, „insbesondere müssen wir bei der Bewertung unserer Leistungen stärker die gesellschaftliche Wirksamkeit mit einbeziehen“.

Breite Allianz für Nachhaltigkeit
Veranstalterin der Konferenz „Wissenschaft im Wandel“ war die Allianz Nachhaltiger Universitäten in Kooperation mit der Österreichischen Forschungsstiftung für internationale Entwicklung (ÖFSE), dem Runden Tisch Hochschulbildung Global, FHK sowie dem Österreichischen Austauschdienst (OeAD). An der Organisation der Konferenz, die mit Unterstützung des Bundesministeriums für Nachhaltigkeit und Tourismus abgehalten wurde, waren die Donau-Universität Krems und die Universität für Bodenkultur Wien maßgeblich beteiligt.

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