06.11.2026

Eine rund 7.000 Jahre alte Siedlung in Asparn/Schletz im Weinviertel zählt zu den bedeutendsten Fundstellen der frühen Jungsteinzeit in Mitteleuropa. Bekannt ist sie vor allem wegen zahlreicher menschlicher Überreste, die auf ein massives Gewaltereignis hinweisen, aber auch für ihre über mehrere Jahrhunderte bestehende Nutzung und ihren Fundreichtum. Für die fachgerechte Auswertung des umfangreichen Fundmaterials werden nun Freiwillige gesucht.

Die Depots der Archäologie sind vielerorts überfüllt. Zu sprechen beginnen Funde aus Ausgrabungen erst durch eine wissenschaftliche Analyse, dafür fehlen aber häufig Zeit und Ressourcen. Das von der Gesellschaft für Forschungsförderung Niederösterreich geförderte Pilotprojekt „reCLAYm“ will die Funde von Asparn/Schletz nun mithilfe von Citizen Science aus dem Dornröschenschlaf wecken. „Da es für eine Einzelperson oder ein einzelnes wissenschaftliches Team nicht möglich ist, die zahlreichen Funde auszuwerten, sind wir auf die Idee gekommen, dies gemeinsam mit Freiwilligen durchzuführen“, erklärt Mag. Jakob Maurer vom Zentrum für Museale Sammlungswissenschaften der Universität für Weiterbildung Krems.

„Die zeitweise befestigte Siedlung Asparn/Schletz bildete ein bedeutendes regionales Zentrum der frühbäuerlichen Besiedlung Niederösterreichs”, so Franz Pieler von den Landessammlungen Niederösterreich. Bei Ausgrabungen von 1983 bis 2005 bargen die Landessammlungen Niederösterreich sehr umfangreiches Fundmaterial, dessen vollständige Auswertung und Publikation bislang aussteht. „Wer mitmacht, arbeitet mit 7.000 Jahre alten Originalfunden und leistet zugleich einen wichtigen Beitrag zur Forschung“, so Maurer.

Vielfältige Möglichkeiten zur Mitarbeit

Die Aufgaben der Freiwilligen sind vielfältig: Sie erfassen die Funde in einer Datenbank, zeichnen und fotografieren sie und wirken an Analysen im Labor, an Sedimentbohrungen im Gelände sowie an der Rekonstruktion alter Herstellungstechniken mit. „Dafür suchen wir engagierte Menschen mit ganz unterschiedlichen Fähigkeiten“, sagt Julia Längauer, MA, von der Universität für Weiterbildung Krems, die verantwortliche Koordinatorin für die Zusammenarbeit mit den Citizen Scientists. Vorkenntnisse sind dafür nicht zwingend nötig. „Wichtig sind uns Interesse an Archäologie und Wissenschaft sowie die Bereitschaft, Neues zu lernen und praktisch mitzuarbeiten“, so Längauer. Auch die erfassten Daten werden gemeinsam ausgewertet. 

Was die Scherben verraten

Analysiert werden im Projekt die Keramikfunde aus Asparn/Schletz, Bruchstücke zahlreicher Gefäße, deren Verzierung typisch für die linearbandkeramische Kultur der frühen Jungsteinzeit ist. „Wenige Fundgruppen sind in ihrer Aussage so vielseitig wie Keramik“, sagt Dr. Michaela Schauer vom Naturhistorischen Museum Wien. „Die Keramik ermöglicht uns nicht nur, Siedlungsphasen und Häuser zeitlich einzuordnen. Mithilfe naturwissenschaftlicher Methoden können wir auch Unsichtbares sichtbar machen: So gewinnen wir Einblicke in die verwendeten Rohmaterialien und erfahren mehr über das damalige Leben sowie über regionale und überregionale Austauschbeziehungen.“
 

Um den Geheimnissen der Keramik näher zu kommen, suchen die Forschenden und Ehrenamtlichen auch nach den Tonlagerstätten, die vor Ort genutzt wurden. ”Die Tone, die wir heute oberflächlich finden, sind nicht unbedingt die, die damals genutzt wurden. Die Landschaft hat sich in den letzten 7.000 Jahren verändert, und Lagerstätten von damals können in der Zwischenzeit durch verschiedene Ablagerungsprozesse überdeckt worden sein. Da müssen wir schon ein bisschen tiefer bohren” erklärt Doris Jetzinger, MA vom Naturhistorischen Museum Wien. Sie zu finden ist aber essenziell: „Sobald wir die Tonlagerstätten identifiziert haben, werden wir gemeinsam mit erfahrenen Töpfer_innen die Herstellungsspuren auf den Originalfunden untersuchen und den Herstellungsprozess experimentalarchäologisch rekonstruieren“, erläutert Lukas Kerbler, MA, vom Krahuletz-Museum Eggenburg. Am Ende des Projekts sollen die Ergebnisse gemeinsam mit den Freiwilligen diskutiert, interpretiert und präsentiert werden.

 

Aufruf zur Mitarbeit in „reCLAYm“

Zeitraum: 2027 bis 2029
Orte: Archäologisches Zentraldepot der Landessammlungen Niederösterreich in Hainburg (Hauptarbeitsort), MAMUZ Schloss Asparn, Naturhistorisches Museum Wien, näheres Umland von Asparn im Bezirk Mistelbach (Bohrungen)
Tätigkeiten: Dokumentation von Keramikfunden (Datenbankaufnahme, Zeichnen, Fotografieren), Entnahme von Sedimentbohrkernen, Mitarbeit bei naturwissenschaftlichen Untersuchungen, Diskussion und Präsentation der Forschungsergebnisse
Voraussetzung: Bereitschaft zur Mitarbeit an mindestens zehn Tagen (immer werktags/unter der Woche)
Information und Anmeldung hier: Forschen sie mit

reCLAYm erfüllt die strengen Qualitätskriterien der österreichischen Citizen Science-Plattform Österreich forscht.

 

Projektinformationen:

Titel: reCLAYm – Wiedereinbindung von Citizen Scientists in die Erforschung archäologischer materieller Kultur

Fördergeber: Gesellschaft für Forschungsförderung Niederösterreich (GFF)

Laufzeit: 01.07.2026 - 30.06.2029

Projektverantwortlich für die Universität für Weiterbildung Krems: Mag. Jakob Maurer

Weitere Projektbeteiligte: Naturhistorisches Museum Wien (Prähistorische Abteilung), Krahuletz-Gesellschaft Eggenburg, Landessammlungen Niederösterreich

 

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