Demografischer Wandel, Fachkräftemangel und Digitalisierung stellen die Gesundheitsversorgung vor große Herausforderungen. Um das niederösterreichische Gesundheitswesen wissenschaftlich fundiert weiterzuentwickeln, haben die Universität für Weiterbildung Krems und der Niederösterreichischen Gesundheits- und Sozialfonds (NÖGUS) ihre zukunftsorientierte Kooperation im neuen Zentrum für Evidenzbasierte Versorgungsforschung verankert. Beim ersten Kolloquium am 5. März diskutierten Wissenschaft, Politik und Praxis über nachhaltige, evidenzbasierte Lösungsansätze.
Zentrumsleiter Dr. Alexander Braun zeigte sich über das große Interesse und die Teilnahme hochrangiger Vertreterinnen und Vertreter aus Politik und Wissenschaft erfreut. Er dankte dem NÖGUS-Vorsitzenden Landesrat Martin Antauer für die Finanzierung, die den Aufbau des Zentrums ermöglicht hat, und betonte die Bedeutung der Zusammenarbeit mit politischen Entscheidungsträgern.
Nationalratsabgeordneter Lukas Brandweiner, der Landeshauptfrau Johanna Mikl-Leitner vertrat, hob die zunehmende Relevanz der Zusammenarbeit zwischen Versorgungsmanagement, -politik und Wissenschaft hervor. Diese Zusammenarbeit sei auch ein zentrales Anliegen des Gesundheitsplans 2040+.
Rektorin Univ.-Prof. Dr. Viktoria Weber gratulierte zur Etablierung des Zentrums und verwies auf die vielfältige Expertise, die an der Universität für Weiterbildung Krems im Bereich evidenzbasierter Gesundheitsforschung bereits vorhanden ist. Departmentleiter Univ.-Prof. Dr. Gerald Gartlehner, MPH, betonte die Synergien des Zentrums für Evidenzbasierte Versorgungsforschung mit epidemiologischer und evaluativer Forschung sowie die Bedeutung der neuen Professur für Künstliche Intelligenz in der Versorgungsforschung.
Was Versorgungsforschung heute schon leistet
Ein Höhepunkt des Kolloquiums war die Keynote von Univ.-Prof. Dr. Gerald Pruckner von der Johannes Kepler Universität Linz. Anhand von Routinedaten aus Oberösterreich zeigte er, welchen Beitrag Versorgungsforschung bereits heute leisten kann – etwa bei der Analyse der Entwicklung der Überlebens-wahrscheinlichkeit bei Brustkrebs oder bei den volkswirtschaftlichen Effekten veränderter Arbeitseinkommen nach Krebserkrankungen. Sein Vortrag verdeutlichte, wie datenbasierte Analysen dazu beitragen können, Entwicklungen im Gesundheitssystem besser zu verstehen und fundierte Entscheidungsgrundlagen für Politik und Versorgungspraxis zu schaffen.
In der anschließenden Podiumsdiskussion mit Mag. Dr. Elisabeth Bräutigam, MBA, Vorständin der NÖ Landesgesundheitsagentur und Mag. Volker Knestel, MSc, Geschäftsführer des NÖGUS wurde die zentrale Bedeutung wissenschaftlicher Begleitung von Versorgungsplanung und Klinikmanagement unterstrichen.
„Für die zukünftige Planung und Steuerung des niederösterreichischen Gesundheitssystems ist datengestützte Forschung unverzichtbar“, betonte Volker Knestel. „Sie ermöglicht uns Entscheidungen auf einer klaren, evidenzbasierten Grundlage. Deshalb freuen wir uns, gemeinsam mit der Universität für Weiterbildung Krems dieses Zentrum aufzubauen.“
Mission des neuen Zentrums
Mag. Nicola Maier, MSc, Projektkoordinatorin des NÖGUS, und Zentrumsleiter Dr. Alexander Braun stellten im Rahmen der Veranstaltung die Mission des neuen Zentrums vor. Ziel ist es, eine Grundlage für international sichtbare Forschung zu schaffen, die gleichzeitig die Aufgaben des NÖGUS im Bereich der Qualitätssicherung unterstützt.
Zum Abschluss des Kolloquiums betonte Braun die Bedeutung evidenzbasierter Forschung für die Weiterentwicklung der Gesundheitsversorgung: „Wir sehen, wie wichtig es ist, Versorgungspolitik auf höchstem wissenschaftlichen Evidenzniveau zu unterstützen. Mit dem Zentrum und dem jährlich stattfindenden Kolloquium Versorgungsforschung haben wir dafür einen wesentlichen Grundstein gelegt.“
Rückfragen
Tags