16.06.2026

Von 2. bis 3. Juni 2026 versammelte die “1st Experts' Conference on European Counter-Terrorism” führende internationale Fachleute in Krems. Eingeladen hatte das Department für Sicherheitsforschung der Universität für Weiterbildung Krems. Zwei Tage lang diskutierten Wissenschafter_innen, politische Entscheidungsträger_innen sowie Fachkräfte aus Nachrichtendiensten, Strafverfolgung, Verteidigung und Zivilgesellschaft unter fachlicher Federführung von Dr. Nicolas Stockhammer über eine Bedrohungslage, die sich rasant wandelt.

Der inhaltliche Ausgangspunkt war eindeutig: In einem Sicherheitsumfeld, das von multiplen Krisen, geopolitischer Großmachtrivalität und hybriden Bedrohungen geprägt ist, bleibt Terrorismus als taktische Methode eine anpassungsfähige Daueraufgabe und kein bloßes Restrisiko. 

Besonderes Augenmerk galt dabei dem möglichen Missbrauch von Künstlicher Intelligenz, Drohnen und verschlüsselter Kommunikation zu terroristischen Zwecken sowie dem Schutz kritischer Infrastrukturen. Diskutiert wurde zudem, wie Gegenmaßnahmen zugleich bedrohungszentriert und grundrechtskonform ausgestaltet werden können. Ein Querschnittsthema bildeten die gesellschaftlichen Folgen, von der Radikalisierungsanfälligkeit Jugendlicher und marginalisierter Gruppen bis zur Resilienz liberaler Demokratien unter Druck.

Handlungsempfehlungen für die Praxis

Das Programm der Konferenz umfasste Keynotes, hochrangige Panels und interaktive Diskussionen. Zu den Vortragenden zählten unter anderem der US-Wissenschaftler Colin P. Clarke (The Soufan Center), Thomas Renard (International Centre for Counter-Terrorism), Hans-Jakob Schindler (Counter Extremism Project) und Peter R. Neumann (King's College London).

Aus den Diskussionen leiteten die Teilnehmenden konkrete Empfehlungen ab: Europas und die transatlantischen Strukturen der Terrorismusbekämpfung müssten sich unter dem Druck strategischer Unsicherheit und wirtschaftlicher Sparzwänge dringend anpassen. Statt pauschaler Lösungen brauche es präventive, lokal verankerte und evidenzbasierte Ansätze, die dort wirken, wo sie gebraucht werden.

Vertiefter Austausch im Bundeskanzleramt

Eine besondere Anerkennung erfuhr die Veranstaltung im Anschluss: Eine ausgewählte Gruppe nationaler und internationaler Speaker wurde von Bundeskanzler Dr. Christian Stocker zu einem vertieften Austausch ins Bundeskanzleramt nach Wien eingeladen, ein Beleg der strategischen Relevanz der in Krems gebündelten Expertise für die österreichische Sicherheitspolitik.

"Österreich ist längst keine Insel der Seligen mehr", sagt Stockhammer. Die Radikalisierung erfolge meist online, rasant und betreffe vermehrt Teenager. Terrorismus sei heute vor allem einzeltätergetrieben und niederschwellig. "Bekämpfung und Prävention sind daher eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe, die im Umfeld radikalisierungsanfälliger Gruppen ebenso ansetzen muss wie auf Internetplattformen wie TikTok", sagt der Experte für Terrorismusbekämpfung. Die im Bundeskanzleramt präsentierten Handlungsempfehlungen seien dort auf großes Interesse gestoßen.

Erste „Accredited Intelligence School“ Österreichs

Für das Department für Sicherheitsforschung markierte die Fachkonferenz einen weiteren Meilenstein: Erst kürzlich war es vom Brüsseler Institute for European Intelligence & Security (IEIS) als erste „Accredited Intelligence School" Österreichs anerkannt worden – eine Auszeichnung für das postgraduale Programm „Counter-Terrorism, Prevention of Violent Extremism and Intelligence". Mit der Verbindung von international anerkannter Ausbildung und Expertenkonferenz positioniert sich Krems als wichtiger europäischer Anlaufpunkt für Terrorismusbekämpfung, Extremismusprävention und Nachrichtendienstexpertise.

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