30.09.2026

Zwei der Wissenschaftspreise des Landes Niederösterreich 2026 gehen an Forscherinnen der Universität für Weiterbildung Krems. Den Anerkennungspreis erhielt die Migrationsforscherin Julia Mourão Permoser, der Preis für innovative Hochschullehre ging an Isabell Grundschober und Heidrun Maurer für das Lehrformat digiWERKSTATT.

Landeshauptfrau Johanna Mikl-Leitner und Landeshauptfrau-Stellvertreter Stephan Pernkopf überreichten die Preise am 29. September im Rahmen einer Feier. Ausgezeichnet wurden zum einen Mourão Permosers Forschung zur Frage, wie gesellschaftliche Werte die Migrationspolitik beeinflussen. Zum anderen würdigt das Land ein hochschulübergreifendes, kooperatives Lehrmodell, das Gemeinden dabei unterstützt, Verwaltungsherausforderungen leichter zu bewältigen.

„Ich verstehe diese Auszeichnung als wichtiges Zeichen der Anerkennung und Unterstützung für hochwertige, wissenschaftlich unabhängige Migrationsforschung – gerade in Zeiten starker Polarisierung“, sagt Julia Teixeira Mourao Permoser. „Besonders am Herzen liegt mir eine Forschung, die über die Perspektiven geopolitischer Machtzentren und die Interessen von Regierungen hinausblickt, um Migration in ihrer Gesamtheit und im Zusammenspiel vielfältiger Akteur_innen und Interessen besser zu verstehen.“

Isabell Grundschober zu ihrer Auszeichnung: "Gemeinden bei der Lösung praktischer Probleme des Alltags zu helfen und den Mitarbeitenden dabei neue Perspektiven auf die Möglichkeiten digitaler Technologien zu eröffnen, war eine großartige Erfahrung als Forscherin".

Wenn Schutz und Kontrolle in Konflikt geraten

Julia Mourão Permoser untersucht, wie Akteur_innen handeln, wenn Ziele wie humanitärer Schutz und Grenzkontrolle in Konflikt geraten. Solche Dilemmata entstehen auch innerhalb von Gruppen mit gemeinsamen Zielen, etwa in der Seenotrettung oder im Kirchenasyl.

Gemeinsam mit Rainer Bauböck und Martin Ruhs entwickelte sie einen Ansatz, der diese Zielkonflikte systematisch analysierbar macht. „Wir wollen Lösungen anbieten, auch wenn sich echte Dilemmata natürlich nicht aus der Welt schaffen lassen. Aber man kann sie entschärfen“, so Mourão Permoser.

Ab Oktober 2026 führt sie diese Forschung im Projekt „Ethics in Action: Navigating Ethical Dilemmas of Migrant Solidarity“ weiter, das der Europäische Forschungsrat (ERC) mit einem Consolidator Grant fördert. Ein interdisziplinäres Team untersucht in zehn Ländern und Regionen, wie Akteursgruppen mit Dilemmata bei der Unterstützung von Migrant_innen und Geflüchteten umgehen und welche Faktoren ihre Entscheidungen prägen.

Univ.-Prof. Dr. Julia Teixeira Mourao Permoser, MA BS ist Universitätsprofessorin für Migration und Integration am Department für Migration und Globalisierung der Universität für Weiterbildung Krems und leitet dort das PhD-Programm Migration Studies.

Preis für innovative Hochschullehre an die digiWERKSTATT

Den Preis für innovative Hochschullehre 2026 erhielten Isabell Grundschober und Heidrun Maurer für die digiWERKSTATT, die sie gemeinsam konzipiert und umgesetzt haben. Das Format ist als Gemeinde-Hackathon angelegt: Gemeinden bringen konkrete Problemstellungen aus ihrer Verwaltung ein, die Studierende, Gemeindemitarbeitende und IT-Unternehmen gemeinsam bearbeiten. In intergenerationalen, interdisziplinären und interprofessionellen Teams entstehen unter methodischer Begleitung digitale Lösungen in Form von Prototypen.

Die Teilnehmenden stärken dabei ihre Problemlöse- und Entscheidungsfähigkeit sowie ihre digitale Innovationskompetenz und lernen, unterschiedliche Perspektiven zusammenzuführen. Die erste Durchführung verantwortete die Universität für Weiterbildung Krems didaktisch, in Kooperation mit der Geschäftsstelle für Digitalisierung und Innovation des Landes Niederösterreich und dem Haus der Digitalisierung.

Isabell Grundschober, BEd BSc MA, ist wissenschaftliche Mitarbeiterin am Department für Weiterbildungsforschung und Bildungstechnologien der Universität für Weiterbildung Krems und war für die wissenschaftliche Konzeption, Begleitung und Evaluierung der digiWERKSTATT verantwortlich. Dr.in Heidrun Maurer, Senior Scientist am Department für E-Governance in Wirtschaft und Verwaltung, hat das Format maßgeblich mitgestaltet und begleitet.

Über den Wissenschaftspreis Niederösterreich

Seit 1964 fördert das Land Niederösterreich herausragende Forscher_innen, die durch ihre Arbeit einen wesentlichen Beitrag zur wissenschaftlichen Eigenständigkeit des Landes leisten. Jedes Jahr werden Würdigungs- sowie Anerkennungspreise sowie der Preis für innovative Hochschullehre verliehen, um die Bedeutung des wissenschaftlichen Schaffens für Niederösterreich zu unterstreichen. Geehrt werden jene Menschen, die sich für den Fortschritt durch Forschung und Entwicklung einsetzen. Die Wissenschaftspreise werden von der Niederösterreichischen Landesregierung auf Vorschlag eines Fachbeirats zuerkannt.

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