Im Rahmen der Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Bildungsverwaltung (DGBV) wurde im Jänner 2026 in Weimar die sogenannte Krefelder Erklärung vorgestellt. Sie nimmt zentrale Umsetzungsdefizite der Bildungssteuerung in den Blick und formuliert systemische Antworten auf Basis aktueller Forschung und praktischer Erfahrungen. An der wissenschaftlichen Einordnung und Weiterentwicklung des darin beschriebenen Ansatzes war die Universität für Weiterbildung Krems über die Begleit- und Implementationsforschung unter der Leitung von Univ.-Prof.in Dr.in Monika Kil wissenschaftlich federführend.
Auch 25 Jahre nach den ersten internationalen Leistungsvergleichen (Programme for International Student Assessment, kurz PISA) werden dieselben Handlungsfelder – von früher Förderung über Bildungsgerechtigkeit bis hin zu Qualitätssicherung und datengestützter Steuerung – als entscheidend benannt. Zugleich zeigen die Diskussionen auf der DGBV-Jahrestagung, dass es weniger an Erkenntnissen als an deren konsequenter Übersetzung in wirksame Steuerungs- und Umsetzungsprozesse mangelt. Die Krefelder Erklärung greift diese Problematik auf und formuliert Lösungsansätze aus einer systemischen Perspektive.
„Wir haben jetzt vollständig bewiesen, dass mit AMBET-Verfahren alle Akteure ins Handeln kommen können. Kein Kind wird mehr übersehen und trotzdem sind wir anschlussfähig in der empirischen Großdatenlage“, sagt Kil.
Frühe Bildungsdiagnostik als verbindliche Grundlage
AMBET-Verfahren sind algorithmisch basierte, mehrsprachige Bildungstechnologien zur digitalen Feststellung der Lernausgangslage ("Algorithmic Medicine Based multilingual Educational Technologies"). Anders als klassische Kompetenzmessungen setzen sie bereits bei den grundlegenden Lernvoraussetzungen an, etwa auditiver Differenzierung, Figur-Grund-Wahrnehmung sowie Raum- und Zahlenvorstellung. So lässt sich frühzeitig und unabhängig von Erstsprache erkennen, wo Lernpotenziale noch nicht zur Entfaltung kommen und ob pädagogisch oder medizinisch nachzusteuern ist. Durch ihren grundsätzlichen spielbasierten Aufbau und Wirksamkeit können sie lebensspannenübergreifend eingesetzt werden.
Die AMBET-Verfahren eduLOG und piccoLOG sind die zentralen Bezugskonzepte der Krefelder Erklärung. Ziel ist es dabei, die Lücke zwischen groß angelegten Bildungsmonitorings und dem pädagogischen Alltag in Schule, Kindergarten, Hort und angrenzenden Bereichen zu schließen. Diagnostische Daten werden frühzeitig, flächendeckend und steuerungsrelevant erhoben und nicht isoliert ausgewertet, sondern systematisch in gemeinsame Entwicklungsprozesse eingebunden.
Die Erfahrungen eines Grundschulverbundes in Deutschland zeigen, dass erstmals eine gemeinsame empirische Ausgangsbasis für unterschiedliche Akteure geschaffen wird. Lehrkräfte, Schulleitungen, Schulaufsicht, Schulträger sowie weitere beteiligte Institutionen arbeiten mit denselben Daten und nutzen diese in multiprofessionell angelegten Konferenzen. Auf dieser Grundlage werden sogar schulische, sozialräumliche und kommunale Entwicklungsthemen identifiziert und in verbindliche Maßnahmen überführt.
„Für mich ist für die Bildungsteilhabe ein Quantensprung erreicht. Nach der systematischen Prüfung, dem Einsatz in der Elementarbildung und in der Schule, steht jetzt der Weg offen für eine lebensspannenübergreifende Perspektive in Verbindung von Bildung und Gesundheit“, sagt Kil.
Mit Daten zu wirksamen Entscheidungen und Förderung
Die Forschung unter der Leitung von Monika Kil verbindet disziplinspezifische Zugänge aus Bildungsforschung, Bildungsmanagement und Bildungstechnologien und untersucht, wie diagnostische Daten systematisch in Steuerungsarchitekturen integriert werden können. Im Zentrum steht dabei die Frage, wie Bildungsgerechtigkeit nicht abstrakt postuliert, sondern auf Basis aktueller und präziser Daten in Zusammenarbeit mit dem Gesundheits- und Sozialsystem konkret erarbeitet werden kann.
Die Krefelder Erklärung versteht sich als Beitrag zur aktuellen bildungspolitischen und fachlichen Debatte. Sie plädiert für eine konsequente Übersetzung empirischer Erkenntnisse in wirksame Steuerungsprozesse und für eine früh ansetzende, datenbasierte Förderung als Grundlage nachhaltiger Bildungsentwicklung.
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