Zehn Jahre nach der Erdbebenserie in Zentralitalien wurde in Amatrice im Rahmen der offiziellen Gedenkfeierlichkeiten das Requiem „Rimembranza“ uraufgeführt. Die musikalische Gestaltung übernahmen die internationale Orchesterakademie „Accademia Vicino di Accumoli“, organisiert durch das Research Lab Nachhaltiges Baukulturelles Erbe der Universität für Weiterbildung Krems, der Kremser Campuschor „CHORyphäen“ sowie Mitglieder des European Union Youth Orchestra. Rektorin Viktoria Weber nahm an den Feierlichkeiten teil und traf vor Ort Vertreterinnen und Vertreter der Politik.
Bei den Erdbeben im Jahr 2016 starben 299 Menschen, historische Ortskerne wie Amatrice, Accumoli und Norcia wurden schwer zerstört. Die Universität für Weiterbildung Krems ist seit dem ersten Jahr nach der Katastrophe eingebunden: In Lehre und Forschung entwickelt sie Methoden und Instrumente für den ganzheitlichen Wiederaufbau der Region.
Uraufführung nach der Gedenkmesse
Das Requiem „Rimembranza“ stammt aus der Feder des Südtiroler Komponisten Richard J. Sigmund. Es wurde im Anschluss an die Gedenkmesse uraufgeführt, die Kardinal Matteo Zuppi zelebrierte und an der auch Ministerpräsidentin Giorgia Meloni teilnahm. Mehr als 250 Sängerinnen und Sänger aus regionalen Chören sowie von den Kremser „CHORyphäen“ hatten das Werk über ein Jahr lang einstudiert. Den instrumentalen Part übernahm die Accademia Vicino di Accumoli, die gemeinsam mit dem European Union Youth Orchestra auch die nächtliche Gebetswache (Vigil) am Vorabend mitgestaltete.
Am darauffolgenden Tag fand ein Gedenkkonzert auf der Piazza San Benedetto in Norcia statt. Als Beitrag aus Österreich präsentierten der Chor und das Orchester Lieder des Wachauer Komponisten Ernst Schandl. Seine Tochter, Professorin Hildegard Schandl, war als Gast im Publikum anwesend und wurde von Dirigent Richard J. Sigmund spontan zum Mitsingen eingeladen.
Musik als Baustein des Wiederaufbaus
Die Orchesterakademie ist ein Projekt des Research Lab Nachhaltiges Baukulturelles Erbe. Sie führt junge Musikerinnen und Musiker aus verschiedenen Ländern im italienischen Apennin zusammen. Der Ansatz beruht auf der Erkenntnis, dass nachhaltiger Wiederaufbau neben der physischen Infrastruktur auch die soziale, kulturelle und wirtschaftliche Wiederbelebung der Gemeinden erfordert.
„Musik ist ein integrales Werkzeug für den gesamtheitlichen Wiederaufbau“, erklärt Univ.-Prof. Dr. Dr. h.c. Christian Hanus, wissenschaftlicher Leiter des Research Lab. „Vor Beginn unserer Aktivitäten war die Tragweite dieser Maßnahme kaum abzusehen. Durch diese Initiative hat die Musik Berücksichtigung in die offizielle Wiederaufbaustrategie gefunden.“
Organisiert wird die Musikakademie vom Research Lab der UWK und dem Verein Art in Dialogue in Zusammenarbeit mit den Kommunen Accumoli und Norcia sowie weiteren lokalen Partnern. Gefördert wird das Projekt unter anderem vom italienischen Sonderbeauftragten für den Wiederaufbau (Commissario straordinario) und der Fondazione Varrone. Das Projekt wurde mit dem Europa-Staatspreis der Republik Österreich ausgezeichnet.
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