26.05.2026

Soziale Beziehungen sind weit mehr als ein Faktor für Lebensqualität: Sie könnten auch entscheidend dazu beitragen, die geistige Gesundheit im Alter zu erhalten. Eine aktuelle Studie unter Leitung von Dr. Alexander Braun, MSc MA, zeigt, dass ältere Menschen mit starken sozialen Netzwerken ein deutlich geringeres Risiko für kognitiven Abbau und Demenz aufweisen. 

Die Forschungsarbeit wurde nun im internationalen Fachjournal Aging & Mental Health publiziert. „Unsere Analysen zeigen, dass soziale Beziehungen eng mit kognitiver Gesundheit im Alter verbunden sind, selbst unabhängig von Bildung, Gesundheitszustand und Lebensstil“, sagt Braun, Leiter des Zentrums für Evidenzbasierte Versorgungsforschung am Department für Evidenzbasierte Medizin und Evaluation der Universität für Weiterbildung Krems. 

Europäische Langzeitdaten als Grundlage 

Die Studie basiert auf Daten der europäischen Langzeitstudie SHARE („Survey of Health, Ageing and Retirement in Europe“) und untersucht den Zusammenhang zwischen sogenanntem strukturellem Sozialkapital – also sozialen Kontakten, Netzwerken und Aktivitäten – und kognitiver Gesundheit bei Menschen über 50 Jahren. 

Analysiert wurden unter anderem die Größe sozialer Netzwerke, die Häufigkeit sozialer Kontakte sowie die Teilnahme an sozialen Aktivitäten. Die Ergebnisse zeigen deutlich: Menschen mit stärker ausgeprägten sozialen Beziehungen weisen ein signifikant geringeres Risiko für kognitiven Abbau auf. Dieser Zusammenhang blieb auch dann bestehen, wenn Faktoren wie Bildung, Gesundheitszustand oder Gesundheitsverhalten berücksichtigt wurden. 

Die Studie zeigt zudem, dass soziale Einbindung nicht nur allgemein mit besserer kognitiver Gesundheit verbunden ist, sondern möglicherweise auch eine wichtige Rolle bei der Prävention von Demenz spielt. Personen mit höherem Sozialkapital hatten in den Analysen ein deutlich geringeres Risiko für kognitive Verschlechterung. Bildung und körperliche Aktivität erwiesen sich ebenfalls als wichtige Faktoren. 

Soziale Teilhabe wirkt vorbeugend

Die Forschenden sehen in den Ergebnissen nicht nur eine medizinische, sondern auch eine gesellschaftspolitische Relevanz. Angesichts zunehmender sozialer Isolation im Alter könnten Maßnahmen zur Förderung sozialer Teilhabe einen wichtigen Beitrag zur Prävention kognitiver Erkrankungen leisten. „Wenn wir gesundes Altern fördern wollen, müssen wir soziale Beziehungen stärker als Teil von Versorgung und Prävention mitdenken, insbesondere mit Blick auf kognitiven Abbau“, sagt Braun.

Zugleich unterstreicht die Studie die Bedeutung interdisziplinärer Forschung an der Schnittstelle von Gesundheitswissenschaft, Sozialforschung und Versorgungsforschung. Die Arbeit ist als Open-Access-Publikation in Aging & Mental Health erschienen, einer internationalen peer-reviewten Fachzeitschrift des renommierten Wissenschaftsverlags Taylor & Francis, und somit online frei zugänglich

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