Wie verändert sich unser Blick auf kulturelles Erbe im Laufe der Zeit? Welterbeexperte Prof. Peter Strasser zeigte bei einer internationalen Tagung in Toyama, Japan, dass sich die Darstellung von Kulturerbe in den vergangenen Jahrzehnten grundlegend gewandelt hat – von einer objektzentrierten hin zu einer menschenorientierten Perspektive mit hoher gesellschaftlicher Relevanz.
Bei der internationalen Tagung „Kulturerbe und Wohlbefinden“ am 4. und 5. April 2026 in Toyama, Japan präsentierte Univ.-Prof. Mag. Mag. Dr. Dr. Peter Strasser, LL.M., Leiter des Jiří Toman Zentrums für kulturelles Erbe und humanitäre Normen an der Universität für Weiterbildung Krems, zentrale Ergebnisse seiner aktuellen Forschung. Im Fokus stand die Analyse der beiden UNESCO-Zeitschriften „UNESCO Courier“, gegründet 1948 und „World Heritage Review“, 1996 ins Leben gerufen, die über Jahrzehnte hinweg das Verständnis von Kulturerbe weltweit prägen.
Ausgehend von dieser Langzeitperspektive sieht Strasser einen markanten Wandel: Während Kulturerbe in den frühen Jahrzehnten vor allem als materielles Objekt dargestellt wurde – als „groß, schön und beeindruckend“, oft vergleichbar mit der Perspektive eines Reiseführers –, hat sich der Fokus zunehmend verschoben. Heute steht der Mensch im Zentrum der Betrachtung.
Teil komplexer Zusammenhänge
Kulturerbe wird nicht mehr nur als statisches Zeugnis vergangener Zeiten verstanden, sondern als Teil komplexer gesellschaftlicher Zusammenhänge. Die Wechselwirkungen zwischen Menschen, Umwelt und kulturellem Erbe rücken in den Vordergrund. Dabei spielen aktuelle globale Herausforderungen eine zentrale Rolle: Klimawandel, bewaffnete Konflikte, soziale Ungleichheit oder illegaler Handel beeinflussen nicht nur den Erhalt von Kulturerbe, sondern auch dessen Bedeutung für gegenwärtige und zukünftige Generationen.
Diese Entwicklung spiegelt sich deutlich in den untersuchten UNESCO-Publikationen wider. Sie zeigen einen Übergang von einer rein bewundernden Darstellung hin zu einer differenzierten, oft auch von Betroffenheit geprägten Auseinandersetzung mit Kulturerbe. Der Schutz von Kultur- und Naturerbe wird dabei zunehmend mit Fragen der Nachhaltigkeit, gesellschaftlichen Resilienz und globalen Verantwortung verknüpft.
Die Tagung in Toyama, organisiert von der Toyama Prefectural University und der „The Society of Living Folklore“, brachte internationale Expert_innen zusammen und verdeutlichte die wachsende Bedeutung interdisziplinärer Zugänge zum Thema Kulturerbe.
Mit seinem Beitrag unterstreicht der Jurist und Ethnologe Peter Strasser nicht nur seine ausgewiesene Expertise als ehemaliger Mitarbeiter des UNESCO-Welterbezentrums, sondern auch die Rolle der Universität für Weiterbildung Krems als Impulsgeberin in internationalen Debatten über die Zukunft des kulturellen Erbes.
Tags