Schwere Depression: Verhaltenstherapie gleich wirksam wie Antidepressiva

Analyse von 45 Studien durch ein US-Forschungsinstitut (RTI - International) und die Donau-Universität Krems bringt überraschendes Ergebnis

10.12.2015

Krems (kpr). Depressionen sind die häufigste psychische Erkrankung. Antidepressiva sind fixer Bestandteil der Standardbehandlung, doch neue Studien legen nahe, dass kognitive Verhaltenstherapie gleich wirksam ist. Das zeigte nun eine Analyse von 45 Studien durch Prof. Gerald Gartlehner von der Donau-Universität Krems zusammen mit US-amerikanischen KollegInnen.

Univ.-Prof. Dr. Gerald Gartlehner, Leiter des Departments für Evidenzbasierte Medizin und Klinische Epidemiologie, hat gemeinsam mit US-amerikanischen KollegInnen 45 Studien analysiert, die verschiedene Therapieansätze bei schweren Depressionen mit modernen Antidepressiva verglichen haben. Kognitive Verhaltenstherapie und Antidepressiva sind in etwa gleich wirksam, so das zentrale Ergebnis der Untersuchung.

"Viele Patienten mit Depressionen sind auf der Suche nach wirksamen Alternativen zur medikamentösen Behandlung", so Gartlehner, "unsere Studie zeigt, dass mit der kognitiven Verhaltenstherapie eine gleichermaßen verlässliche, evidenzbasierte Möglichkeit für die Erstbehandlung zur Verfügung steht."

Es fanden sich auch Hinweise auf andere hilfreiche Therapien, allerdings ist die Beweislage bezüglich ähnlicher Wirksamkeit für Antidepressiva und kognitive Verhaltenstherapie am besten.

Das heißt natürlich nicht, alle PatientInnen sollten von Antidepressiva auf Verhaltenstherapie umsteigen, so Gartlehner. Wichtig ist, dass ÄrztInnen mit ihren PatientInnen die Vor- und Nachteile von beiden Optionen diskutieren, um die für die jeweilige PatientIn optimale Behandlung zu finden.

Die Nebenwirkungen von Antidepressiva reichen von Übelkeit, über erhöhte Sturzgefahr bei älteren PatientInnen bis zu vermehrten suizidalen Gedanken bei jungen Erwachsenen. Verhaltenstherapie wiederum benötigt Zeit, persönlichen Einsatz und je nach Versicherungssituation Geld.

Die Studie wurde als Bericht der U.S. Agency for Healthcare Research and Quality veröffentlicht (http://effectivehealthcare.ahrq.gov/index.cfm/search-for-guides-reviews-and-reports/?pageaction=displayproduct&productid=1923), eine zweite Arbeit, ebenfalls unter Beteiligung von Prof. Gartlehner erschien zeitgleich im British Medical Journal  (http://www.bmj.com/content/351/bmj.h6019).

Über das Department für Evidenzbasierte Medizin und Klinische Epidemiologie

Die sorgfältige Analyse und unabhängige Aufbereitung von wissenschaftlichen Erkenntnissen für Ärzt/innen, Patient/innen und Entscheidungsträger/innen im Gesundheitsbereich zählt zur Kernkompetenz des Departments. Das multidisziplinäre Team hilft mit fundiertem Methodenwissen, klinische und gesundheitspolitische Entscheidungen nach objektiven Kriterien zu unterstützen.

Das Department ist international stark vernetzt und zeichnet sich durch erfolgreiche Kooperationen – etwa mit der University of North Carolina (USA) – aus. Seit 2010 ist auch Cochrane Österreich – ein Netzwerk aus Wissenschaftler/innen und Mediziner/innen – am Department angesiedelt.

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